Massiv höhere Heizkosten in Turnhalle
Der kühle Herbst und der Winter liessen die Temperaturen in der temporären Dreifachturnhalle Buchholz in Uster bisweilen in den einstelligen Bereich stürzen. Die Kälte in der Halle war für Sportler und Trainer ein Problem. Im Fall des Unihockey Clubs Uster drohte vom Schweizer Verband gar ein Austragungsverbot von Meisterschaftsspielen. Gemeinderat Patricio Frei (Grüne) bekam Wind von den tiefen Temperaturen. Er vermutete, dass die Stadt bewusst die Temperaturen niedrig hielt, um einen noch höheren Energieverbrauch zu verhindern.
«Den Nutzern der Halle wird in den Antworten des Stadtrates zu wenig Rechnung getragen. Das ist respektlos.»
Patricio Frei, Gemeinderat (Grüne)
Hohe Mehrkosten
Nun hat der Stadtrat zwar den Vorwurf der Drosselung der Heizung von sich gewiesen, musste aber gleichzeitig zugeben, dass der Betrieb der Deckenstrahler nur auf Kosten eines hohen Energieverbrauchs möglich war. In seiner Antwort schreibt der Stadtrat: «Es wurde aufgrund des kalten Winters teilweise mehr als dreimal so viel Energie verbraucht als ursprünglich vorgesehen war.» Der hohe Energieverbrauch schlägt sich finanziell nieder. Für das Jahr 2017 sind Energiekosten von rund 90 000 Franken angefallen. Dies seien Mehrkosten von rund 68 000 Franken gegenüber dem budgetierten Wert. «Dieser musste ohne Erfahrungswert budgetiert werden», sagt Anita Bernhard, Abteilungsleiterin Gesundheit der Stadt Uster.
In der Antwort des Stadtrates heisst es, dass bereits in der Planungsphase jedoch klar gewesen sei, dass die Temperaturen der temporären Dreifachhalle tiefer als in einer anderen Sporthalle liegen werden. «Im Projektteam, war das Bildungszentrum Uster (BZU) mit einem ständigen Mitglied vertreten. Auch dieses trug die gewählte Lösung mit», schreibt der Stadtrat. Diese Zusatzkosten trage je zur Hälfte die Stadt und das BZU.
Zusätzliche Isolationen
Für den Winter habe man weitere Isolationen an den Aussenholzwänden angebracht, um den Durchzug in der Halle zu minimieren und den Energieverbrauch zu reduzieren. Anita Bernhard sagt, dass für den Winter keine weiteren Massnahmen geplant seien, da es sich um eine temporär genutzte Halle handle.
«Die Erfahrung des letzten Sommers hat gezeigt, dass die Nutzer bei hohen Aussentemperaturen genügend Ausweichmöglichkeiten im Freien haben.»
Anita Bernhard, Abteilungsleiterin Gesundheit Uster
Aber auch der Sommer ist ein Problem für Nutzer der Dreifachturnhalle. Gemäss einer Aussage von Verantwortlichen der Kantonsschule betrugen die Temperaturen in der Halle im Sommer bis zu 40 Grad. Zu diesen Bedingungen findet Frei deutliche Worte: «Den Nutzern der Halle wird in den Antworten des Stadtrates zu wenig Rechnung getragen. Das ist respektlos.»
So sei auf seine Frage, wie der aktuelle Betrieb der Dreifachturnhalle verlaufe, nahezu eine «sarkastische» Antwort gegeben worden: «Der Betrieb in der temporären Dreifachturnhalle läuft gut», heisst es von Seiten des Stadtrates. Damit versuche man die schlechten Bedingungen schönzureden, so Frei.
Bernhard sagt zu den sommerlichen Temperaturen: «Die Erfahrung des letzten Sommers hat gezeigt, dass die Nutzer bei hohen Aussentemperaturen genügend Ausweichmöglichkeiten im Freien haben.»
Verkauf schwierig
Die Stadt ging beim Antrag zum Baukredit der Dreifachhalle davon aus, dass die Halle 2019 noch rund 1,5 Millionen Franken Wert haben wird. Bei einem anschliessenden Verkauf sollte ein möglicher Gesamtverkaufserlös für Container und Halle zwischen 500‘000 Franken und 800‘000 Franken resultieren. In der Antwort der Stadt heisst es jetzt: «Es zeigt sich, dass es schwierig werden wird, den angestrebten Verkaufserlös zu realisieren, weil die Abbau-, Transport- und Wiederaufbaukosten höher sind als erwartet.»
Für Patricio Frei ist diese gesamte «Turnhallenplanung» fragwürdig. «2015 wurde uns vom Stadtrat der Baukredit zur temporären Dreifachturnhalle vorgelegt mit der Argumentation: Entweder wir bauen das oder nichts – eine andere Lösung gibt es nicht.» Frei hätte gerne auch andere Lösungen geprüft. Beispielsweise ob es möglich gewesen wäre, beim Schulhaus Krämeracker statt der heute geplanten Zweifachturnhalle eine permanente Dreifachturnhalle zu realisieren. Diese Option habe der Stadtrat gegenüber dem Gemeinderat nie in Betracht gezogen.
Bald mit vier Dreifachhallen
Nach der Fertigstellung der Dreifachturnhalle beim Bildungszentrum, verfügt die Stadt über vier Dreifachhallen. Bei der Stadt ist man überzeugt, dass damit in Uster ein genügend grosses Angebot abgedeckt sei, wie aus der Antwort des Stadtrates zu entnehmen ist.
Frei erwartet von der Stadt, dass diese von sich aus weitere bauliche Massnahmen prüft und umsetzt. «Schliesslich ist Uster Energiestadt und hat in der Gemeindeordnung festgeschrieben, den Energieverbrauch und CO2-Ausstoss zu reduzieren», so Frei.
