FDP ist wieder stärkste Partei in den Exekutiven
Mit dem gestrigen Sonntag sind die Gemeindewahlen im Zürcher Oberland fast abgeschlossen. Gerade noch ein Stadtratssitz und das Stadtpräsidium in Wetzikon sowie das Schulpräsidium in Volketswil gilt es in zweiten Wahlgängen am 10. Juni zu bestimmen.
SVP hält noch 47 Mandate
Der eine der beiden Trends nach den ersten beiden Wahlsonntagen, der Verlust der SVP bei Exekutiven wie Parlamenten, hat sich nach den gestrigen Wahlresultaten bestätigt: Gegenüber 2014 hat die Volkspartei beinahe einen Drittel ihrer Exekutivsitze verloren. Waren es vor vier Jahren noch 65 Mandate in den Gemeinden der drei Oberländer Bezirke Hinwil, Pfäffikon und Uster, wird sie nun noch 47 Vertreterinnen und Vertreter stellen können.
Der zweite Trend dagegen schlägt bei den 31 Oberländer Städten und Gemeinden nicht durch: Die SP konnte über alles gesehen ihre Stadt- und Gemeinderatssitze nicht ausbauen. Nur die Grünen haben von einem auf vier Sitze zugelegt.
Acht Gemeinden in FDP-Hand
Aufseiten der Parteien heisst der eigentliche Sieger FDP. Die Liberalen vermochten nicht nur ihre Sitzzahl leicht zu vermehren. Mit 55 Mandaten sind sie neu deutlich die stärkste politische Kraft.
In einigen Oberländer Gemeinden haben sie gleich drei der meist sieben Exekutivsitze inne, in Bubikon stellen sie gar die Hälfte. In acht Gemeinden stellt die FDP die Gemeindepräsidenten. Hier hat die SVP noch leicht die Nase vorn. Neun Gemeinden im Oberland werden durch einen Vertreter aus ihren Reihen geführt. Die SVP verfügt in Weisslingen über die Hälfte der Exekutivsitze, in Bäretswil stellt sie gar die Mehrheit.
Weniger Parteilose
Die zweite – erstaunliche – Feststellung ist, dass die Zahl der Parteilosen, die im Oberland in den Gemeinderäten sitzt, gegenüber 2014 abgenommen hat. Dies liegt darin begründet, dass mit Sternenberg und Kyburg zwei Kleinstgemeinden mit Nachbarn fusioniert haben. Und in diesen Ortschaften stellten die Parteilosen meist den Grossteil oder gar die ganzen Behörden.
So ist denn die Zahl der Exekutivsitze in den Oberländer Gemeinden von 229 auf noch 211 in der Amtsperiode 2018–2022 gesunken. Neben den beiden aufgelösten Gemeinden liegt der Rückgang darin begründet, dass mehrere Orte die Exekutiven redimensioniert haben.
Zu den Gewinnern dürfen sich auch die verschiedenen lokalen politischen Organisationen wie beispielsweise die Aktion G in Greifensee, das Wisliger Forum oder der Demokratische Gemeindeverein Fehraltorf zählen. Deren Einfluss ist gestiegen, stellen sie doch künftig 18 Vertreter, 4 mehr als noch vor vier Jahren. Immerhin in vier Gemeinden kommen auch die Präsidien aus deren Reihen.
Sonderfall Tösstal
Über alles gesehen haben die etablierten Parteien in den Exekutiven gegenüber den Parteilosen und Vertretern lokaler Gruppierungen ganz leicht Boden gut gemacht. Allen Unkenrufen zum Trotz werden die Parteien ihrer Aufgabe auch auf lokaler Ebene durchaus gerecht: Sie können 70 Prozent aller Sitze mit Mitgliedern besetzen. Darüber hinaus portieren sie in verschiedenen Gemeinden auch Parteilose, mit denen sie in engem Austausch stehen.
Immerhin lässt sich feststellen, dass der Einfluss der Parteien schwindet, je kleiner eine Gemeinde ist. Insbesondere im Tösstal verfügen viele Behördenvertreter über kein Parteietikett. In Bauma und Wildberg sind die Parteilosen in der Mehrheit, Fischenthal ist sogar ganz unter Führung von Parteilosen. Aussergewöhnlich ist, dass sie aber auch in stadtnahen Gemeinden wie Schwerzenbach und Fällanden die Mehrheit ausmachen.
Frauen klar untervertreten
Knapp 30 Prozent aller nun gewählten Exekutivmitglieder sind Frauen, genau 59. In acht Gemeinden sitzt nur gerade eine Frau im Gemeinderat. Zwei Exekutiven, jene von Wila und Pfäffikon, sind sogar reine Männergremien.
In Fischenthal, Gossau, Rüti, Egg, Mönchaltorf und Schwerzenbach sind die Gemeinderäte geschlechtermässig fast ausgewogen zusammengesetzt. Doch nur gerade in der Stadt Uster bilden Frauen die Mehrheit.
An einer Hand abzählen lassen sich die Orte, die ab Sommer von einer Frau geführt werden, zwei im Bezirk Hinwil und drei im Bezirk Uster. Ein besonders schwieriges Pflaster ist der Bezirk Pfäffikon für die Frauen: Von 63 Exekutivmandaten sind nur gerade 12 in deren Händen.
