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Bremskontrolle

Der Zürcher Journalist und Autor Beni Frenkel schreibt regelmässig über seine Erlebnisse in Uster. Diesmal bekommt er bei der Rollatoren-Kontrolle im Alterszentrum ein schlechtes Gewissen, weil er seiner Mutter keinen 700-fränkigen Karbon-Flitzer kauft.

Wenn man von 40 km/h auf 0 abbremst, ist das nicht gut für die Bemsklötze. Gut, dass das nun geklärt ist. (Foto: Beni Frenkel), Das ist er, der Lamborghini unter den Rollatoren. (Foto: Beni Frenkel), Auch Polizisten waren im Pflegezentrum Im Grund, um die Anwesenden über Enkeltrick-Betrüger aufzuklären. (Foto: Beni Frenkel)

Bremskontrolle

Im Ustermer Pflegezentrum Im Grund fand kürzlich eine wichtige Kontrolle statt. Es ging um Rollatoren. Das Problem sind die Bremsklötze: Wer mit dem Rollator von 40 km/h auf 0 abbremst, demoliert die Bremsen, das leuchtet ein. Aber wie viele Bewohner des Pflegezentrums Im Grund machen das? 

Auch ein Sicherheitscheck für Gehstöcke wurde «Im Grund» angeboten. Das hingegen ist nachvollziehbar. Ich habe nämlich einmal das Bein gebrochen und war auf Krücken angewiesen. Mir war langweilig zu Hause und so begann ich, den Lichtschalter nur noch mit den Krücken zu betätigen. Nach ersten Erfolgen konnte ich mit den Krücken dann den Fernseher anschalten, die Schranktüre öffnen und sogar den Computer starten. Gehstöcke, Krücken oder Wanderstöcke, keine Frage, müssen periodisch kontrolliert werden. Ich rate halbjährlich.

Ich brauchte eine halbe Stunde, bis ich das Pflegezentrum fand. Zuerst war ich im Altersheim, dann im Spital und dann auf einem grossen Parkplatz. Die Sonne brannte auf meine Glatze und ich schwitzte wie ein Cervelat. Alle Menschen, die ich nach dem Weg fragte, waren «nicht von hier». Endlich traf ich auf eine Ustermerin. Sie erklärte mir ausführlich, wie ich zum Pflegezentrum komme. Ich bedankte mich überschwänglich und hörte noch, wie sie im Davongehen furzen musste. Die gute Frau hat ihn die ganze Zeit zurückgehalten. Das ist zwar vornehm, aber nicht gesund.

Endlich im Pflegezentrum! Es herrschte reger Betrieb. Zwei Experten untersuchten fachmännisch die Rollatoren. Im Zimmer befanden sich viele Demo-Rollatoren,  zwei Polizisten und ein Journalist von Tele Top. Ausserdem eine hübsche Frau. Die schoss auf mich zu und nahm mich gleich in Beschlag. 

Warum kaufe ich meiner Mutter keinen Rollator aus Karbon? Ist sie mir so wenig wert, meine Mutter?

Wie sie mir helfen könne, fragte sie mich. Ich erzählte von meiner Mutter im Kanton Aargau. Ihr Rollator sei defekt, behauptete ich. In der Zeitung hätte ich von der Sicherheitskontrolle gelesen. Ich sei dann gleich zum Bahnhof gerannt. Aber den Rollator hätte ich leider vergessen, mitzubringen. 

Die Frau guckte mich seltsam an. So richtig glauben wollte sie mir nicht. Ich fügte dann noch hinzu, dass ich vielleicht einen neuen Rollator kaufen will. Da strahlte sie mich plötzlich an. Sie zeigte auf einen 4,9 Kilogramm schweren Rollator. Es ist der «Rollator Carbon Spring» aus echtem Karbon. Ich durfte das edle Teil sogar berühren. Dann las ich das Preisschild: 700 Franken. Die Frau las meine Gedanken. Das sei eben Karbon! Ob ich mir denn auch nur das billigste Auto kaufe?

Ich schüttelte den Kopf und schämte mich. Warum kaufe ich meiner Mutter keinen Rollator aus Karbon? Ist sie mir so wenig wert, meine Mutter? Ich werde sie heute anrufen. 

Neben den Rollatoren befand sich ein Tisch mit Jasskarten und Lutschbonbons. Ein Geschenk von der Stadtpolizei Uster. Seltsam, dachte ich mir, warum stehen hier eigentlich zwei Uniformierte herum? Ein Mann sagte mir, die würden die Bewohner über die Enkeltrick-Betrüger aufklären. 

Sicherheitskontrolle und Aufklärung – Uster, du hast es gut! (Beni Frenkel)

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