Politik

Stiftung plant Dorfchronik

Sternenberg soll eine Dorfchronik erhalten. Hinter dem Projekt der Stiftung Pro Sternenberg steht der Wunsch, die Identität der Bevölkerung zu dokumentieren und das «Besondere» des Ortes einzufangen.

Der Historiker Markus Brühlmeier wurde mit der Recherche zur Sternenberger Vergangenheit beauftragt. (Foto: Seraina Boner), In den Gängen des provisorischen Archivs herrschen maximal 16 Grad Celsius. (Foto: Seraina Boner)

Stiftung plant Dorfchronik

Ort der Aussteiger, Ort der Künstler und Ort der Freiheit. Mit solchen Attributen wird das  höchstgelegene Dorf des Zürcher Oberlands bisweilen bedacht – sie haben in den vergangen Jahrzehnten das Bild von Sternenberg geprägt. Von einem «besonderen Volk» spricht auch Karin Götz, wenn sie an die Menschen in Sternenberg denkt. Als Kassiererin der Stiftung Pro Sternenberg ist Götz involviert in ein Projekt, das das Leben und die Identität der Ortsbewohner dokumentieren will.

Die Angst, zu vergessen

«Es sind des Öfteren junge Leute zu mir gekommen und haben ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass mit den älteren Sternenberger Urgesteinen auch die Geschichte des Ortes wegstirbt», sagt Karin Götz. Nach dem Zusammenschluss von Sternenberg mit der Gemeinde Bauma per Anfang 2015 habe man sich deshalb mit der Stiftung das Ziel gesetzt, die Ortsgeschichte aufzurollen und damit dem Vergessen entgegenwirken. Die geplante Dorfchronik soll einen Zeitraum von gut 300 Jahren abdecken: von der Gründung der Kirchgemeinde Sternenberg im Jahr 1706 bis zur Gemeindefusion 2015.

Hungersnot in Sternenberg

Geprägt ist diese Zeitspanne zum einen von der Industrialisierung im 18. Jahrhundert, welche die Textilwirtschaft und damit auch ein  Bevölkerungswachstum nach Sternenberg brachte. Als dieser Wirtschaftszweig später zunehmend wegbrach, hatte der Ort mit Hungersnöten und extremer Armut zu kämpfen. Diese und weitere historische Begebenheiten sollen in der Chronik in einzelnen Kapiteln aufgegriffen werden. «Für die Dokumentation konnten wir den bekannten Zürcher Historiker Markus Brühlmeier gewinnen», sagt Götz. Brühlmeier hatte zuvor schon die Ortsgeschichten von Grüningen und Hinwil aufgearbeitet.

«Jeder Sternenberger Haushalt wird ein Exemplar erhalten.»

Karin Götz, Stiftung Pro Sternenberg

Angereichert werde der Einband, der dereinst im Chronos Verlag erscheinen soll, mit Fotografien und Porträts alteingesessener Sternenberger. Autorin und Journalistin Ursula Eichenberger wird sich den Interviews annehmen und die Memoiren aufs Papier bringen. Fotografieren wird der Sternenberger Fotograf Tom Kawara. Das Buch sollte dann Mitte nächsten Jahres erscheinen. «Jeder Sternenberger Haushalt wird ein Exemplar erhalten», kündet Götz an. Getragen wird das Projekt vollumfänglich von der Stiftung Pro Sternenberg.  

Recherchearbeit mit Winterjacke

Karin Götz freut sich über die Verwirklichung des Projektes, das derzeit noch in den Anfängen begriffen ist. «Weil gerade die Baumer Gemeindeverwaltung umgezogen ist, konnte der Historiker zunächst nicht mit der Archivarbeit beginnen», sagt sie. Vor kurzem konnte Brühlmeier jedoch starten – bei maximal 16 Grad in den Räumlichkeiten des provisorischen Archivs. Dieses findet sich seit dem Umzug der Gemeindeverwaltung vorübergehend beim Kindergarten Dorf.

«Wir haben einen schönen Aus- und auch Weitblick von hier oben. Vielleicht stimmen wir deshalb auch oft anders, als die umliegenden Tösstaler Gemeinden.»

Karin Götz

Der Spurensuche nach der Sternenberger «Besonderheit» steht damit wohl nichts mehr im Weg. Götz, selbst keine gebürtige Sternenbergerin, vermutet deren Ursprung indes in der topographischen Lage des Siedlungsortes: «Wir haben einen schönen Aus- und auch Weitblick von hier oben. Vielleicht stimmen wir deshalb auch oft anders, als die umliegenden Tösstaler Gemeinden.»

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