Politik

«Eine Sammelstelle gehört heute einfach zu einer Gemeinde»

Rund 300 Einwohner dürften am Samstag der Einladung zur Eröffnung der Hauptsammelstelle der Gemeinde Lindau gefolgt sein. Die Eröffnungsfeier hatte durchaus Volksfestcharakter. An Speis und Trank mangelte es nicht, dazu trug das 20-Jahr-Jubiläum des Sammelstellenbetreibers kräftig bei.

«Eine Sammelstelle gehört heute einfach zu einer Gemeinde»

Bis anhin fuhren die Einwohner von Lindau und Tagelswangen jeweils nach Effretikon, oder nach Dietlikon, wenn sie grössere Mengen oder speziellen Abfall entsorgen wollten. Seit Samstag wird das nicht mehr nötig sein. In Tagelswangen steht ihnen jetzt eine neue und praktisch eingerichtete Hauptsammelstelle zur Verfügung.

«Für eine Gemeinde mit annähernd 6000 Einwohnern ist ein solche Anlage quasi ein Muss. Eine Sammelstelle gehört heute zur normalen Infrastruktur», sagt Gemeindepräsident Bernard Hosang (FDP). Was grössere Nachbargemeinden anbieten, steht den Lindauern nun im eigenen Dorf auch zur Verfügung.

Viele Gedanken um das Konzept

Untergebracht wurde die Hauptsammelstelle auf dem Firmenareal der Ralph Ernst AG, einem Transportunternehmen, welches bereits eine kleinere interne Sammelstelle betrieb. Nun wird die Firma im Auftrag der Gemeinde eine grosse, betreute Sammelstelle betreiben.

Platziert wurde sie in einer Halle der Ralph Ernst AG. Das hat zwei Vorteile. Einerseits ist sie nicht der Witterung ausgesetzt und andererseits lässt sich die Halle gegen die Mehrfamilienhäuser hin schliessen, was wesentlich zur Lärmreduktion beitragen soll.

«Wir sind flexibel und werden in den nächsten Wochen sehen, ob sich das Konzept bewährt.»

Marco Mathe, Geschäftsführer der Ralph Ernst AG

Hosang: «Wir haben andere Sammelstellen besichtigt und deren Konzepte studiert. Die gemachten Beobachtungen sind bei der Planung in unsere Sammelstelle eingeflossen.» Zum Beispiel das Verkehrskonzept. Es wird beim Betrieb der Sammelstelle keinen Gegenverkehr geben, er fliesst in Kreis und den Anlieferern stehen sechs Parkplätze zur Verfügung.

Marco Mathe, Geschäftsführer der Ralph Ernst AG: «Wir sind flexibel und werden in den nächsten Wochen sehen, ob sich das Konzept bewährt. Wenn Änderungen nötig sein werden, werden wir das System anpassen.»

25’000 Franken kostete der Umbau

Gemeinderätin Susanne Sorg-Keller (FDP), verantwortlich für das Ressort Hochbau, ist zufrieden mit dem nun erreichten. «Es ist ein Gewinn für die Gemeinde, sowohl vom Angebot her wie auch finanziell. Die gelungene Zusammenarbeit mit dem einheimischen Betreiber der Anlage darf man als Glücksfall bezeichnen.»

25’000 Franken hat die Gemeinde für den Umbau der Halle und die Umgestaltung der Umgebung ausgegeben. Jährlich wird sie pro Einwohner 13 Franken an den Betreiber bezahlen müssen. Bezahlt wird er Betrag aus dem Fonds der Grundgebühr.

«Es ist ein Gewinn für die Gemeinde, sowohl vom Angebot her wie auch finanziell.»

Gemeinderätin Susanne Sorg-Keller (FDP)

Sie hofft, dass der Betrieb der Anlage keine übermässigen Immissionen bei den Nachbarn verursacht. Als das Projekt im Oktober 2017 vorgestellt wurde, zeigten sie die Anwohner der Anlage besorgt. Sie befürchteten starken Mehrverkehr und wildes Parkieren im Quartier. «Mit dem Verkehrskonzept sollten das eigentlich nicht eintreten. Wenn Grossandrang herrscht, zum Beispiel an den Samstagen, wird sich jemand um den Verkehr kümmern und dafür sorgen, dass alles in geordneten Bahnen abläuft», sagt Sorg-Keller.

Flyer in mehreren Sprachen

Damit auch nicht Deutschsprechende das Angebot nutzen, wurde der Flyer zur Hauptsammelstelle auf Italienisch, Albanisch, Serbisch und Türkisch übersetzt. Und da der Gemeindepräsident am Samstag nicht nur die Sammelstelle einweihen, sondern auch noch Geburtstag feiern konnte, hatte Sorg-Keller dafür gesorgt, dass auch der Flyer noch in eine weitere Sprache übersetzt wurde: Ins Rätoromanische. Sie überreichte Hosang persönlich eines der speziellen Exemplare.

Das Angebot der Hauptsammelstelle

Geöffnet ist die Sammelstelle an der Grundacherstrasse 21 in Tagelswangen ausser am Sonntag und Montag jeden Tag. Unter der Woche jeweils von 13.30 bis 17 Uhr, am Dienstag bis 19 Uhr. Am Samstag von 8 bis 12 Uhr. Die Sammelstelle ist immer bedient. Für gewisse Abfallarten wie Holz, Bauschutt, Sperrgut und anders mehr muss eine Entsorgungsgebühr entrichtet werden. Die Container sind entsprechenden bezeichnet. Wer grössere Mengen entsorgen will oder muss, kann vor Ort einen Transporter mieten. In ihren kurzen Begrüssungsansprachen wiesen Sorg und Hosang auf die Bedeutung der Wiederverwertung hin. «Abfallberge sind heute sind heute Rohstofflager», sagte Sorg-Keller. Aus den Abfallgruben seien Goldgruben geworden.

Partner der Sammelstelle ist die Stiftung Pro Adelphos. Mathe: «Wir arbeiten schon längere Zeit mit dieser Stiftung zusammen und sie wird brauchbare Textilien, die bei uns angeliefert werden, ins nahe Osteuropa zur Weiterverwendung weiterleiten.» (gau)

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.