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Aabachgruppe: «Das ist unser Todesstoss»

Aus Naturschutzgründen darf die Aabachgruppe seit längerem nicht mehr in ihrem Stammrevier fischen. Dafür bekam sie ein anderes Pachtrevier. Nun wurde ihnen auch dieses noch entzogen. Deshalb gibt es dieses Jahr auch kein Aabachfest.

Ist enttäuscht:Ein Teil der Aabachgruppe mit Präsident Christoph Hauser (5. von links) (Bild: David Kündig), Christoph Hauser ist seit 17 Jahren Präsident der Aabachgruppe. (Bild: David Kündig), Die alte Badi Robenhausen wurde 1905 gebaut. Die Aabachgruppe Robenhausen verhinderte 1976 einen Abbruch und renovierte das Bootshaus im Frondienst. (Bild: David Kündig), Das Gebäude gehört der Stadt Wetzikon und wird von der Aabachgruppe gepflegt und unterhalten. (Bild: David Kündig), Die alte Badi befindet sich im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten. (Bild: David Kündig)

Aabachgruppe: «Das ist unser Todesstoss»

Die Erschöpfung und Enttäuschung steht Christoph Hauser ins Gesicht geschrieben. Er ist Präsident der Aabachgruppe Robenhausen – ein Fischerverein, der zudem die alte Badi Robenhausen mietet und unterhält.

Nachdem dort wegen dem Naturschutz das Fischen verboten wurde, bekam der Verein vor acht Jahren ein anderes Pachtrevier. Nun hat die Gruppe auch dieses noch verloren – an vier Fischer aus Seegräben.

«Das ist unser Todesstoss», sagt Hauser. «Gehen Sie in einen Fischerverein, der nirgends fischen kann? Das Gebiet war noch unser letzter Strohhalm, an den wir uns gehalten haben.» » Die Aabachgruppe hat gegen den Entscheid rekurriert und wartet seit November auf Bescheid. Doch schon jetzt ist klar: Das Aabachfest, das die Gruppe seit über 30 Jahren Ende Mai organisiert, findet dieses Jahr nicht statt.

«Gehen Sie in einen Fischerverein, der nirgends fischen kann?»

Christoph Hauser, Präsident Aabachgruppe

An der Generalversammlung entschied der Verein, das Fest dieses Jahr nicht mehr durchzuführen. «Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», sagt Präsident Christoph Hauser. «Aber in unserer Situation ist es nicht möglich, Leute zu rekrutieren, die ein solches Fest auf die Beine stellen.»

Vor neun Jahren verloren die Aabachfischer bereits ihr Stammrevier in Robenhausen. Wegen verschärfter Vorgaben im Naturschutzgebiet darf man dort nicht mehr fischen. Zudem kann die Aabachgruppe nur noch zweimal im Jahr die Boote, die in der alten Badi Robenhausen deponiert sind, in den See fahren. Einmal im Frühling, um das Boot in den See zu transportieren, und im Herbst, um zurück ins Winterquartier zu gelangen. Den Sommer über müssen sie sich einen temporären Anlageplatz suchen.

Vereinsauflösung möglich

«Schon damals hatten wir einen Mitglieder-Exodus«, erzählt Hauser. «Waren wir mal über 100 Leute, sind es jetzt noch knapp 40. Zur Rettung des Vereins übernahmen wir das andere Gebiet, das vom Kultiweiher bis zur Kläranlage Aathal geht.»

Bei der neuen Vergabe Ende letzten Jahres bekamen nun vier andere Personen den Zuschlag für dieses Revier. Einer der Gründe: Sie kommen aus Seegräben, gelten also als ortsansässig, während von den vier Personen, die die Aabachgruppe stellte, einer in Gossau und der andere in Volketswil zu Hause ist.

«Wir verstehen den Frust der Aabachgruppe.»

Marcel Peter, Stadtschreiber Wetzikon

«Wir waren uns nicht bewusst, dass das eine Rolle spielt», sagt Hauser. «Wir wollten einfach unseren jungen motivierten Fischern diese Möglichkeit geben.» Dass sie nun ihr Pachtrevier verlieren, sei eine Katastrophe. «Einem Fischereiverein ohne Revier fehlt die Existenzberechtigung.» Man habe sich aber noch nicht dazu durchringen können, den Verein aufzulösen. «Wir warten noch auf die Antwort auf unseren Rekurs», sagt Hauser. «Aber allzu grosse Hoffnungen machen wir uns nicht.» Bis der definitive Entscheid kommt, darf die Gruppe nicht fischen. Weil deshalb der Aabachgruppe die Motivation fehle, wird es dieses Jahr kein Aabachfest geben.

Verständnis von der Stadt

Bei der Stadt Wetzikon nimmt man dies mit Bedauern zur Kenntnis. «Das Aabachfest war in den letzten Jahren ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders für die Wetziker Bevölkerung», sagt Stadtschreiber Marcel Peter.  «Aber wir verstehen den Frust bei der Aabachgruppe. Seitens Stadt haben wir stets versucht, den Verein zu unterstützen, sei es bezüglich des Bootshauses, wie auch betreffend Zufahrt mit den Booten.» Aber der Stadt seien in diesem Fall die Hände gebunden. «Die Pachtvergabe liegt hoheitlich bei der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Die Gemeinden werden auch nicht zu Vernehmlassungen eingeladen.»

Christoph Hauser sagt, er fühle sich «beamtschimmelt.» Da würden Leute Entscheide fällen, die noch nie vor Ort gewesen seien und keine Ahnung hätten. «Alle sagen, es sei schade ums Vereinsterben, und gleichzeitig werden uns derart Steine in den Weg gelegt.» Die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich gibt wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft zum Fall.

Wie weiter mit der Badi?

Sorgen macht sich Hauser auch um die alte Badi Robenhausen, die von der Aabachgruppe gemietet und als Bootshaus genutzt wird. «Dieses Gebäude ist über 100 Jahre alt und wurde ursprünglich von den Spinnereien im Industriequartier zur Körperhygiene der Angestellten eingerichtet», sagt Hauser. «Das ist ein Schmuckstück, ein Stück Kulturgut. Wir pflegen es und wechseln regelmässig Bretter aus.» Bei einer Auflösung der Aabachgruppe würde man den Mietvertrag auflösen. «Wenn wir nicht mehr sind, wird sich niemand mehr darum kümmern und es wird damit bergab gehen.»

«Wer will sich um eine Badi kümmern, die man nicht zum Baden benutzen darf?»

Christoph Hauser, Präsident Aabachgruppe

Diesem Szenario widerspricht man bei der Stadt, der Besitzerin der Liegenschaft. «Die alte Badi Robenhausen ist ein Gebäude, das sich im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten befindet», sagt Marcel Peter. «Verfallen würde dieses Gebäude nicht – jedoch wäre es natürlich positiver, wenn es weiterhin genutzt würde. Sollte die Aabachgruppe sich zurückziehen, würde die Stadt nach neuen Nutzungsmöglichkeiten der Badi Robenhausen suchen.»

Das dürfte laut Hauser schwierig werden. «Wer will sich um eine Badi kümmern, die man aus Naturschutzgründen nicht mehr zum Baden benutzen darf? Und um ein Bootshaus, in dem man nur noch im Winter Boote lagern darf?»  Wenn sich die Stadt selbst darum kümmern müsse, koste dies am Schluss wieder den Steuerzahler. «Hier läuft etwas ganz gründlich schief.»

 

 

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