Ein kurzer Leseauftritt – zwei langlebige Bücher
Schüler der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach lasen vergangene Woche aus ihren eigenen Büchern. Die fünf Klassen hatten nach der Begrüssung von Schulleiter Christof Enz ihren Auftritt vor über 200 Besuchern im Air Force Center Dübendorf. Bevor die 110 Jugendlichen aber soweit waren, mussten sie erstmal schreiben und für ihren Auftritt auf der Bühne fit gemacht werden.
Die Sekundarklassen des Schulhauses Stägenbuck wurden von den Schriftstellern: Johanna Lier, Maja Peter und Werner Rohner betreut. Für das Auftrittscoaching war Irene Eichenberger besorgt.
«Oh Gott – wie sollen die Jugendlichen bloss etwas daraus machen?
Johanna Lier, Schreibtrainerin
Aus Mythos wird Engels-Party
Für einen Teil der vorgetragenen Werke war Johanna Lier verantwortlich. Sie hatte mit den Jugendlichen an Kurzgeschichten gearbeitet. Der Plot drehte sich um das Thema der Ausstellung «Kloster Einsiedeln – Pilgern seit 1000 Jahren» im Landesmuseum Zürich, das die Autorin mit drei Sek-Klassen besuchte. «Oh Gott», habe sie damals gedacht, «wie sollen die Jugendlichen bloss etwas daraus machen?» Doch die Jugendlichen hätten etwas draus gemacht: Aus der Geschichte des heiligen Meinrads sei zum Beispiel eine fantastische Engelsparty mit internationaler Prominenz entstanden.
«Mir ist schlecht, ich kann das nicht bringen.»
Schüler, Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach
Die Schüler haben zusammen an der Geschichte gearbeitet. «Ich habe die Teilstücke zusammengefügt. Die Hoheit der Geschichte blieb bei den Schülern, ich moderierte nur.»
Unwohlsein vor Auftritt
Das Auftrittscoaching machte Irene Eichenberger. «Für das Coaching blieb nicht viel Zeit, denn die Schüler haben ja noch einen stressigen Schulalltag›», sagt sie. Mit Aufwärmübungen sollten die Jugendlichen im Turbogang auf ihren Auftritt vorbereitet werden. «Die Bühne im Air Force Center ist gigantisch. Da ist man als Laie schon mal beeindruckt», sagt Eichenberger, die selber als freischaffende Schauspielerin tätig ist.
«Es ist wichtig, dass ihr bis am Schluss an einem Satz dranbleibt – so wie wenn ihr mit einen Fussball über das Feld drippelt und am Schluss das Tor schiesst.»
Irene Eichenberger, Auftrittstrainerin
Es habe sich auch mal der eine oder andere Schüler an sie gewandt und gesagt: «Mir ist schlecht, ich kann das nicht bringen.» Das sei aber verflogen, sobald man auf der Bühne stand und liefern musste. Der Auftritt für den einzeln dauerte nicht lange. Nach wenigen Sekunden musste das Mikrofon weitergeben werden. Darum hat die Auftrittstrainerin den Schülern im Vorfeld auch eingeprägt: «Es ist wichtig, dass ihr bis am Schluss an einem Satz dranbleibt – so wie wenn ihr mit einen Fussball über das Feld drippelt und am Schluss das Tor schiesst.»
«Die singen zuhause Karaoke und haben das drauf.»
Richard Reich, Projektleitung
Karaoke statt Lampenfieber
Der Anlass gehört zur Projektreihe «Schulhausroman» in Zusammenarbeit mit dem Jungen Literaturlabor ((Jull) am Paradeplatz. Ins Jull sind die Dübendorfer Klassen auch regelmässig zum Schreiben gereist. Das Schreibinstitut wird seit 2015 von der Kulturabteilung der Stadt Zürich getragen, das nationale, viersprachige Projekt «Schulhausroman» gibt es seit 2005. Es wird vom Bundesamt für Kultur und verschiedenen Stiftungen unterstützt.
Auch Richard Reich, der das Projekt gemeinsam mit der Germanistin Gerda Wurzenberger leitet, sagt, er habe kaum Lampenfieber bei den Dübendorfer Schülern ausmachen können: «Das ist die ‹Deutschland-sucht-den-Superstar›-Generation. Die singen zuhause Karaoke und haben das drauf.» Das Feedback der Jugendlichen und auch ihrer Lehrer sei sehr positiv gewesen. Gefreut habe ihn auch, dass die jungen Dübendorfer nicht gleich nach dem Anlass aus der Halle gestürmt seien. «Das Buffet mit Chips und Eistee hat sicher auch seinen Teil dazu beigetragen.»
Shakira verdient mehr
Das Resultat der Zusammenarbeit zweier Klassen mit den Autoren Maja Peter und Werner Rohner sind die Schulhausromane «Verschwundene Kinder lügen nicht» und «Man muss nicht super sein, um ein Held zu sein». Diese sind im Handel erhältlich. Wenn Reich gefragt wurde, was mit den Einnahmen geschehe, habe er den Schülern erklärt, dass die Erträge aus den Buchverkäufen oft nicht reichten, um die Kosten zu decken. «Leider gibt es Unterschiede zwischen dem Einkommen einer Shakira oder eines Ronaldos und demjenigen von Jungschriftstellern.» Das hätten die Jugendlichen, so Reich schmunzelnd, achselzuckend akzeptiert.
