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Ein Mini-Prime-Tower für Dübendorf

In Dübendorf West entsteht ein weiteres Hochhaus. Da es an der «falschen» Stelle geplant ist, wird es einen langen Bewilligungsprozess durchlaufen. Dass das Projekt als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervorging, ist dabei kein Nachteil.

Die Idylle täuscht: In nächster Nähe hats ganz schön viel Verkehr. (Visualisierung: Meier Hug Architekten)

Ein Mini-Prime-Tower für Dübendorf

Das Giessen-Quartier wird weiter verstädtert. Anstelle des Gewerbebauses an der Überlandstrasse 99 ist ein 40 Meter hohes Wohnhaus mit 54 Mietwohnungen geplant, das auf einem zweistöckigen Sockel mit Gewerbenutzung steht, der wiederum von einer naturnahen Grünfläche mit gewundenen Wegen umgeben ist. Der auffallende Bau hat einen verwinkelten Grundriss, grosse Fensterfronten und eine dunkelblaue Fassade, die – soweit ist die Planung noch nicht fortgeschritten – auch aus Fotovoltaikelementen bestehen könnte.

In direkter Nachbarschaft des Gebäudes befinden sich eine Autowerkstatt mit Tankstelle, neoklassizistisch angehauchte Wohnhäuser, der renaturierte Chriesbauch, zwei mehrspurige Strassen, die S-Bahn-Strecke und die Zwicky-Überbauung inklusive riesiger Baustelle.

Früher war das ein Unort. «Heute sind solche Gegenden auch zum Wohnen sehr gefragt», sagte Antonio Cerra, der Besitzer der Liegenschaft, vergangene Woche bei der Präsentation des Bauprojekts. «Die Leute lieben es städtisch, die wollen das Tram gleich vor der Haustüre.» Cerra hat das Gebäude 1997 gekauft und für seine Firma Zebra Fashion genutzt. 2011 zügelte er die Logistik nach Mägenwil (AG), die Verwaltung und ein Altwarenlager blieben in Dübendorf.

Nach 40 Jahren abgerissen  

Auch wenn das 1980 erbaute Haus sein Lebensende noch nicht erreicht hat, wird es nun abgerissen.  Eines der sechs Büros, die sich mit Projekten am Architekturwettbewerb beteiligt haben, schlug zwar eine Umnutzung der Lagerhalle vor. Die Jury aber zweifelte an der Zweckmässigkeit.

«Ein Plattenbau liesse sich hier ebenfalls gut vermieten.»

Antonio Cerra, Bauherr

Gemäss Cerra rechnet sich ein Neubau mit verdichteter Bauweise an dieser Lage. Auch wenn die Auflage, dass ein Viertel der Grundfläche für Gewerbe reserviert sein muss, eine Knacknuss darstelle. Denn Geschäfte mit grossem Publikumsverkehr sind aufgrund der beschränkten Parkplatzzahl nicht möglich.

Bau kostet mehr als 30 Millionen 

Das Investitionsvolumen allein für den Bau beläuft sich gemäss Cerra auf 30 Millionen Franken. Dazu kommen Kosten für Land und Planung. «Ich könnte auch einen Plattenbau hinstellen, das wäre viel günstiger und liesse sich hier ebenfalls gut vermieten», sagte Cerra mit einem Lachen. «Doch die Stadt Dübendorf hat Ansprüche an die architektonische und städtebauliche Qualität.»

Qualität deshalb, weil das Projekt eigentlich am falschen Ort geplant ist und deshalb ein paar zusätzliche Bewilligungsschritte durchlaufen muss. So braucht es einen Gestaltungsplan, und die betroffene Parzelle muss in die Zentrumszone umgezont werden. Dazu geht das Projekt durch viele Hände. Sowohl die Stadtbildkommission als auch der städtische Bauausschuss, der Dübendorfer Gemeinderat und die Zürcher Baudirektion werden sich damit befassen. Der Kanton hat das Quartier bereits früher als Zentrumsgebiet festgelegt und begrüsst damit im Grundsatz eine Wohnnutzung.

Schon viele Fragen geklärt

Vor diesem Hintergrund begrüsst der Dübendorf Stadtplaner Reto Lorenzi die Vorgehensweise mit einem Projektwettbewerb: «Wir sind froh, dass der Bauherr sich auf ein solches Experiment einliess und die Jury frei arbeiten konnte», sagte er im Anschluss an die Präsentation. Zwar sei ein Qualitätsnachweis auch anders möglich. So aber seien die verschiedenen Fragen wie Höhe, Dichte und Freiraumgestaltung bereits einer genaueren Betrachtung unterzogen worden, was im weiteren Bewilligungsverfahren hilfreich sei.

Cerra geht davon aus, dass sein «Mini-Prime-Tower», wie er das geplante Hochhaus nennt, im Jahr 2024 bezugsbereit sein wird. «Wenn alles klappt, natürlich.»

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