Véronique Wahl: «Die Urbanisierung soll gebremst werden»
Die Stadt an der Glatt wächst vor allem an den Rändern massiv. Unterstützen Sie eine weitere Urbanisierung oder soll Dübendorf im Kern ein Dorf bleiben?
Dübendorf soll im Kern ein Dorf bleiben. Die Urbanisierung soll gebremst werden, damit kein Dichtestress entsteht. Ausserdem müssen wir an die Zukunft denken und für die nächsten Generationen freien Raum lassen.
Entgegen den Plänen von Bund und Kanton will der Stadtrat die Privatfliegerei vom Flugplatz Dübendorf fernhalten. Ist das Wunschdenken oder lohnt sich der Kampf?
Der Kampf lohnt sich. Der Flugplatz soll nicht den Interessen einiger privilegierten Menschen dienen, sondern für alle Bewohner der Gemeinde zur Verfügung stehen. Gut vorstellen kann ich mir eine Grünanlage, wo man sich erholen kann, Sport treibt, gemeinsam Biogartenbau betreibt.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Dübendorf zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Man muss unterscheiden zwischen Investitionen, die wirklich nötig sind und die Lebensqualität der meisten Menschen in der Gemeinde deutlich verbessern und solchen, von denen nur eine Handvoll Menschen profitieren. Die Bevölkerung sollte in jedem Fall gut informiert sein und mitentscheiden.
«Die Schaffung einer lokalen Währung wäre eine gute Idee.»
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Für die Stadt Dübendorf wünsche ich mir eine Politik, die bei den Themen Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und Gesundheit Akzente setzt. Konkret stelle ich mir vor, dass unsere Gemeinde die Entwicklung von Urban Gardening ermöglicht. Damit findet die Natur mitten in der Stadt ihren Platz, Menschen wirken zusammen und fördern so Gesundheit und Nachhaltigkeit. Eine andere Idee wäre, die Schaffung einer lokalen Währung, die den lokalen Handel und das Gewerbe unterstützt und wiederum dem sozialen Zusammenhalt zugute kommt.
Was mögen Sie an Dübendorf, und was nicht?
Die geografische Lage von Dübendorf geniesse ich sehr. Schnell ist man in der Natur und im Wald, und doch hat man alle Vorteile einer Stadt. Die Gemeinde hat noch keine anonyme Dimension: Wenn man im Zentrum unterwegs ist, dann trifft man immer bekannte Gesichter. Ich kann bequem mit dem Velo überall hinfahren. Weniger erfreulich finde ich das Hochbord-Quartier, wo Baustellen Ökosysteme komplett zerstören.
«Unsere Gemeinde sollte die Gründung gemeinnütziger Genossenschaften unterstützen.»
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Dübendorf ein?
Dübendorf ist eine sichere und saubere Gemeinde. Ich sehe da keinen Handlungsbedarf.
Existieren in Dübendorf genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Ich bin mit dem aktuellen Angebot in diesen Bereichen sehr zufrieden.
Gibt es in Dübendorf ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Aktuell entstehen neue Siedlungen mit hohen Mietpreisen, welche die alten günstigen Wohnblöcke mitsamt Natur und Ökosystemen ersetzen. Unsere Gemeinde sollte die Gründung gemeinnütziger Genossenschaften unterstützen, damit preiswerte Wohn- und Gewerberäume erstellt und vermietet werden, die Wohnen, Arbeiten und Kultur verbinden. Sie sollte eine nachhaltige Entwicklung des Wohn- und Gewerberaums fördern.
«Der Verkehr soll fliessen können, damit kein Stress entsteht.»
Die Sozialabteilung in Dübendorf wird immer wieder öffentlich kritisiert. Läuft da etwas falsch oder ist die Kritik unbegründet?
Sozialpolitik ist ein sehr emotionelles Thema und spaltet linke und rechte Parteien. Es geht darum, dass das Geld des Steuerzahlers Menschen in schwierigen Situationen hilft. Die Gemeinde ist zur persönlichen Hilfe verpflichtet und es ist wichtig, dass jede Situation individuell und mit gutem Menschenverstand beurteilt wird. Die aktuelle Wirtschaftssituation erlaubt leider nicht jedem Menschen – auch nicht mit dem besten Willen –, auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Ich besitze selber kein Auto und bin mit den Velowegen sehr zufrieden. Je mehr Menschen auf Velowegen unterwegs sind, desto entspannter ist der Autoverkehr. Unsere Strassen sind sicher und sollen es bleiben. Der Verkehr soll fliessen können, damit kein Stress entsteht.
