Wer setzt sich im Kampf um die Hohfuren durch?
«Bildung für alle, statt Wohnen für wenige», fordert die FDP in einer Mitteilung. Sie möchte, dass das städtische Land in der Hohfuren für eine Erweiterung des Bildungszentrums Uster (BZU) zur Verfügung steht. «Es ist bekannt, dass die Kantonsschule in Zukunft mehr Raum benötigt, als bei der Planung des neuen Bildungszentrums angenommen wurde», schreibt die Partei. Der zusätzliche Raumbedarf dürfe nicht zu einer Verdrängung der Berufsfachschule führen. Das angrenzende Land der Stadt soll daher nicht für den Bau von Wohnungen veräussert werden.
«So schafft man eine Insel in der Stadt.»
Marcus Freund, Co-Präsident der Wohnbaugenossenschaft Lewona
Bildung oder Wohnen?
Deswegen hat die FDP eine Anfrage zuhanden des Stadtrates verfasst. Mit dieser soll «eine strategische Positionierung zum Bildungsstandort Uster eingeholt werden», wie FDP-Gemeinderat Richard Sägesser es ausdrückt. Darin ist auch die Frage enthalten: «Welche Priorisierung sieht der Stadtrat bei der Art der Nutzung städtischer Landreserven vor – insbesondere zwischen Bildung und Wohnen?» Die Antwort darauf dürfte auch die Verantwortlichen der Wohnbaugenossenschaft Lewona interessieren.
«Ich bin froh, dass ich damals das Land nicht an die Wohnbaugenossenschaft verkauft habe.»
Cla Famos, Stadtrat (FDP)
Diese hatte in der Vergangenheit Interesse an dem rund 17‘500-Quadratmeter-grossen-Land bekundet (wir berichteten). Sägesser erklärt: «Wir gehen davon aus, dass das Land in denselben Kreisen immer noch von Interesse ist.»
220 Wohnungen
Sägesser mutmasst richtig. Marcus Freund, Co-Präsident der Wohnbaugenossenschaft Lewona, sagt: «Wir haben nach wie vor Interesse am Gebiet der Hohfuren.» Wie schon vor rund drei Jahren möchte die Genossenschaft vier Häuser mit insgesamt rund 100 Wohnungen in einer ersten und weitere Häuser mit 120 Wohnungen in einer zweiten Etappe bauen.
«Die Planung sollte visionär sein, aber das hat nichts mit Visionen zu tun.»
Marcus Freund, Co-Präsident der Wohnbaugenossenschaft Lewona
Dass Sägesser dasselbe Land für die Erweiterung des BZU reservieren möchte, stösst bei Freund auf wenig Verständnis. «Was wäre der nächste Schritt, noch grössere Zentren? Der Raum könnte so bald einem Campus gleichen. So schafft man eine Insel in der Stadt.» Für die Bewohner einer Genossenschaftswohnung sei der zentrale Standort mit dem wenigen Autoverkehr und der kurzen Gehdistanz zum Bahnhof ideal.
«Inakzeptables» Vorgehen
Auch Stadtrat Cla Famos (FDP) findet die Nähe zum Bahnhof ideal, allerdings denkt er dabei an die Schüler am BZU. Famos macht keinen Hehl aus seinen Absichten und sagt: «Ich bin froh, dass ich damals das Land nicht an die Wohnbaugenossenschaft verkauft habe. Denn jetzt braucht es vielleicht Berufsschule und Gymnasium.» Bildung habe im Stadtrat einen hohen Stellenwert. Wie sein Parteifreund Sägesser möchte auch Famos einen Bildungscluster in Uster aufgleisen. Allianzen mit der ETH, Forschungsinstitutionen oder Fachhochschulen würde den Bildungsstandort Uster sichern und weiterentwickeln, so Famos. Grundsätzlich sei er nicht verschlossen für Anfragen von Genossenschaften, aber der Weg, den die Lewona vor einigen Jahren gewählt habe, sei inakzeptabel. «Die Genossenschaft hatte das Land schon öffentlich für sich reklamiert. Es gab auf ihrer Webseite ein Gruppenfoto, darauf posierten Genossenschaftsvertreter bereits auf dem städtischen Grundstück in der Hohfuren», sagt Famos.
«Im Fall der Hohfuren bin ich für einmal mit dem Stadtrat einig, noch zuzuwarten.»
Gemeinderat Thomas Wüthrich (Grüne)
Zweifel am Vorgehen des Stadtrates
Freund sagt: «Über die Interessensgemeinschaft der Genossenschaften Uster suchen wird stets den Dialog mit Politikern und Behörden.» Freund, der von Beruf Raumplaner ist, bemängelt nicht nur die Pläne in der Hohfuren, er sieht auch generell den jetzigen Gestaltungsplan der Stadt als «überholt»: «Die Planung sollte visionär sein, aber das hat nichts mit Visionen zu tun.» Auch auf die Echoräume als Teil des Stadtentwicklungskonzept mit denen Ziele, Strategien und Umsetzungsschwerpunkte für die Entwicklung von Uster diskutiert und Anliegen der Öffentlichkeit ins Projekt eingebracht werden sollen, ist er nicht gut zu sprechen: «Echo ruft nach der exakten Wiedergabe von vorgefassten Meinungen und Absichten und spiegelt, vielleicht unbeabsichtigt, die aktuelle Situation.» Im «Stadtentwicklungskonzept 2035» wäre der Begriff «Resonanzraum» passender, so Freund. Bei «Resonanzräumen» seien Zwischentöne gewollt und könnten auch mal eine Richtungsänderung veranlassen.
Grüner mit Stadtrat einig
Marcus Freund möchte als nächstes die linken Parteien mit an Bord holen: «SP, Grüne und GLP sind informiert.» Der grüne Gemeinderat Thomas Wüthrich sagt aber: «Genossenschaftsbauten sind grundsätzlich zu begrüssen, aber im Fall der Hohfuren bin ich für einmal mit dem Stadtrat einig, noch zuzuwarten. Es ist die letzte grosse unverbaute Landparzelle der Stadt und es gilt, alle Optionen offen zu halten.»
Was sich die Wohnbaugenossenschaft vorstellt:
- Lebensraum für 500 Menschen (Endausbau)
- Sparsamer Umgang mit dem Boden durch verdichtetes Bauen
- Quartieraufwertung durch öffentlichen Grünund Erholungsraum
- Verkehrsarme Siedlung
- Mehrwert im Quartier durch öffentlich benutzbare Räume wie Café, Ateliers, Mehrzweckräume, Co-Workingspace
- Genutztes Grün statt Abstandsgrün
(Quelle: Lewona)
