Urs Lüscher: «Gemischte Verkehrsflächen sind gefährlich»
Uster wird bis 2035 auf 40’000 Einwohner anwachsen. Was muss getan werden, damit dieses Wachstum allgemeinverträglich ist?
Ein lebenswertes Uster für uns alle ist mir wichtig. Deshalb arbeite ich auch beim Projekt Stadtraumentwicklung 2035 engagiert mit. Die Bevölkerung konnte mittels Befragung ihre Ideen einbringen, jetzt ist die verträgliche Umsetzung das Ziel.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Uster zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Uster ist heute schon leistungsfähig. Diverse zukunftsweisende Projekte wurden oder werden gerade umgesetzt. Die günstige Zinslage hilft, den Steuerfuss bei 109 Prozent zu halten. Wir müssen uns aktiv um wertschöpfungsstarke Firmen, die Arbeitsplätze schaffen, bemühen.
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Mein Ziel ist eine freundliche Stadt Uster für alle. Beispielsweise mit konsequentem Umsetzen des behindertengerechten Bauens. Die Barrierefreiheit für den Rollstuhlfahrer hilft genauso dem selbstständigen Vorankommen von Senioren mit Rollatoren sowie Familien mit Kinderwagen.
«Mit der Sperrung bieten sich neue Chancen für ein lebendiges Uster.»
Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Ustermer Stadtzentrum an vier Wochenende für Autos gesperrt werden muss. Was ist Ihre Meinung dazu?
Da bieten sich neue Chancen für ein lebendiges Uster. Das freut mich. Es gilt mit allen Beteiligten – Gewerbetreibenden, dem Verein Herzkern, der Standortförderung und der Stadtverwaltung – diese Wochenenden mit spannenden und publikumswirksamen Inhalten zu gestalten. Schön wäre es, wenn dann bestehende Angebote wie Flohmarkt, Uster Messe oder Kinderkleider- und Velobörsen direkt ins Zentrum kommen würden, um so auch deren Attraktivität zu steigern. Es könnte auch Platz haben für neue Veranstaltungen wie Platzkonzerte, Filmfestivals oder ein Elektroautorennen. Dass dafür die nötigen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Parkplätze geschaffen werden, ist selbstverständlich.
Was mögen Sie an Uster, und was nicht?
In meinen über 50 Jahren in Uster ist mir unsere Stadt ans Herz gewachsen. Von meiner Wohnung aus bin ich in fünf Minuten mit meinem Hund im Wald oder im Grünen. Ebenfalls bin ich in fünf Minuten am Bahnhof mit hervorragender Verkehrsanbindung. In unserem Quartier sagen sich die Leute Grüezi, man kennt sich und nimmt gegenseitig Rücksicht. Das Kulturangebot ist vielfältig und die Gastronomie vielseitig. Dringend zu lösen ist der Durchgangsverkehr im Zentrum.
«Die öffentliche Hand sollte nur in Ausnahmefällen regulatorisch eingreifen.»
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Uster ein?
Grundsätzlich fühle ich mich in Uster sicher. Kritisch wird es, wenn Velofahrer mit Höchsttempo auf dem Trottoir an mir vorbeisausen. Mit der Sauberkeit bin ich nicht ganz zufrieden. Essensverpackungen, Getränkedosen und sonstigen Abfall sammeln wir regelmässig rund ums Haus ein.
Gibt es in Uster genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Das bestehende Angebot ist attraktiv. Mit gutem Nachwuchs sorgen wir dafür, dass es bestehen bleibt.
Existiert in Uster ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Grundsätzlich bestimmt der Markt den Preis. Die öffentliche Hand sollte nur in Ausnahmefällen regulatorisch eingreifen. Die spekulative Preistreiberei muss unterbunden werden.
«Velofahrer gehören auf den Radweg.»
Uster hat eine rekordtiefe Sozialhilfequote. Ist dies das Resultat guter Arbeit oder Ausdruck einer zu grossen Härte im Umgang mit Klienten?
Meiner Meinung nach wird die Abteilung Soziales sowohl politisch wie operativ einwandfrei geführt.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer? Ist Uster für Velofahrer ein Paradies und für Autofahrer die Hölle? Oder vielleicht umgekehrt?
Gemischte Verkehrsflächen und Bereiche ohne Fussgängerstreifen sind ein Gefahrenpotenzial. Autofahrer gehören auf die Strasse, Velofahrer auf den Radweg und Fussgänger auf das Trottoir. Um künftig den Mobilitätsbedarf bewältigen zu können, muss das Velofahren attraktiver werden. So wird Uster zum Paradies für alle.
