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Diese drei wollen Stadtpräsident werden

Das sind die Anwärter auf das Stadtpräsidium: Ein SVP-Stadtrat, der das Ressort Sicherheit abgeben möchte, ein Linker, der zwischen Visionen und Pragmatismus schwenkt, und ein Neuling, an dem sowohl die Autopartei als auch Ökos Freude haben könnten. Der ZO/AvU hat die drei ausgefragt.

Zobrist, Ingold, Jetzer: Das sind sie, die drei Kandidaten für das Dübendorfer Stadtpräsidium. (Foto: Christian Merz), André Ingold (SVP) will die Zusammenarbeit der Ressorts verbessern (Foto: Christian Merz), Patrick Jetzer (EPS) möchte mit einer Lokalwährung die Dübendorfer Wirtschaft stärken. (Foto: Christian Merz), Theo Zobrist (SP) würde sich für eine bessere Willkommenskultur im Stadthaus einsetzen. (Foto: Christian Merz)

Diese drei wollen Stadtpräsident werden

Herr Ingold, gab es in Ihrer Amtszeit als Stadtrat Momente, in denen Sie froh waren, nicht in der Haut von Stadtpräsident Lothar Ziörjen zu stecken?

André Ingold:  Spontan fällt mir grad nichts ein, aber da gab es sicher solche Situationen. So wie es beruflich oder auch privat unangenehme Momente gibt. Da muss man halt hinstehen und die Sache regeln.

Was für ein Stapi wären Sie?

Ingold:  Ich wäre ein kommunikativer Stadtpräsident, einer zum Anfassen. Denn ich bin gerne draussen, bei der Bevölkerung, gehe auch gerne mal in den Ausgang und versuche den Leuten zuzuhören.

Muss man als Stadtpräsident nicht auch eine Rampensau sein, Herr Zobrist?

Theo Zobrist:  Nein. Man muss vor allem ein Teamplayer mit Organisationstalent und Bodenhaftung sein, der gut vernetzt ist im Ort, sich im politischen Geschehen auskennt und über die sozialen Strukturen Bescheid weiss.

Und Sie, Herr Jetzer?

Patrick Jetzer:  Ich würde vor allem informativ arbeiten, Vorträge organisieren, Experten einladen, die zum Beispiel über die Funktionsweise der Medien oder das Geldsystem referieren.

«Ich würde gerne das Sozialressort übernehmen, einfach um das Ganze menschlicher zu gestalten.»

Theo Zobrist (SP)
 

Ist das die Aufgabe eines Stadtpräsidenten?

Jetzer:  Natürlich kümmert man sich um die Sachgeschäfte, aber es geht auch darum, Diskussionen anzuregen. Und wir haben in der Schweiz wirklich ein grosses Informationsdefizit, etwa was Umweltthemen oder nachhaltige Energie anbelangt.

Was wäre der Unterschied zwischen einem linken und einem rechten Stadtpräsidenten?

Jetzer:  Ich bin komplett gegen dieses Links/Rechts-Schema. Das ist das alte Spiel von teile und herrsche.

Zobrist:  Ich würde gerne das Sozialressort übernehmen, einfach um das Ganze menschlicher zu gestalten. Letztlich spielt die Parteizugehörigkeit im Stadtrat aber nicht so eine grosse Rolle. Da arbeitet man zusammen und muss die Meinung des anderen akzeptieren. Die Wirkung nach aussen ist der wesentliche Punkt. Mit einem SVP-Stadtpräsidenten ist klar: Dübendorf bleibt ein Dorf. Es muss gar nicht so sein, aber das ist in den Köpfen drin. Ein SP-Stadtpräsident würde hingegen einen Richtungswechsel hin zu mehr Urbanität verkörpern.

«Sonst müsste ich mich ja immer bei meiner Partei entschuldigen, wenn wir eine Tempo-30-Zone einführen.»

André Ingold (SVP)

Wie wichtig ist Ihnen das Parteibüchlein, Herr Ingold?

Ingold:   In einer Exekutive tritt die Partei meist in den Hintergrund, man muss einen Konsens finden und die besten Lösungen erarbeiten. Wenn eine Idee gut ist, dann ist es egal, von welcher Seite sie kommt. Und dann steht der Stadtrat als Gremium dahinter. Sonst müsste ich mich ja immer bei meiner Partei entschuldigen, wenn wir eine Tempo-30-Zone einführen.

Müssen Sie nicht?

Ingold:  Nein, natürlich nicht.

Was reizt Sie am Präsidium?

Ingold:  Nach zwölf Jahren als Sicherheitsvorstand kam für mich nur ein Ressortwechsel oder das Präsidium in Frage. Beruflich und privat wäre jetzt der richtige Zeitpunkt.

Zobrist: Als Stadtpräsident hat man einen gewissen Gestaltungsspielraum, und da würde ich versuchen, linke, städtische Themen einzubringen. Ich will als Stapi eine Vision verbreiten für ein urbanes Wohlfühldübendorf, ich will nicht dauernd sparen müssen. Wenn wir eine superschöne Stadt hätten, dann wäre es den Leuten auch eher egal, wenn sie ein wenig mehr Steuern zahlen müssten. Tatsächlich gibt es in Dübendorf viele gute Projekte und Ideen, das Problem ist nur, dass die Zuständigen aus den verschiedenen Abteilungen nicht miteinander reden.

Ingold:  Es stimmt, es herrscht teilweise wirklich ein Gärtchendenken, das darf nicht sein. Die Verwaltung ist ein Dienstleistungsbetrieb. Da muss man ansetzen und die Zusammenarbeit verbessern.

«Ganz allgemein muss man vermehrt interdisziplinär arbeiten. Man sieht es im Gesundheitswesen.»

Patrick Jetzer (EPS)

Zobrist:  Ich würde mich für eine bessere Willkommenskultur im Stadthaus einsetzen. Ich habe schon selber gesehen, wie Sozialhilfebezüger am Schalter runtergeputzt wurden. Aber auch sonst höre ich immer wieder von Leuten, die nichts mit dem Stadthaus zu tun haben wollen, weil sie sich da nicht gut behandelt fühlen. Ich will eine kompetente und auch eine freundliche Verwaltung.

Ingold:  Das ist richtig, wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und müssen für die Leute da sein, ihnen helfen. Und das passiert noch nicht überall.

Was würden Sie konkret bewirken wollen, Herr Jetzer?

Jetzer:  Ganz allgemein muss man vermehrt interdisziplinär arbeiten. Man sieht es im Gesundheitswesen: Da drehen die Linken an einem Schräubchen, und die Rechten drehen an einem anderem – und deshalb geht es nicht vorwärts. Das gilt auch für die Arbeit in einer Regierung.

Aber blicken Sie doch mal vier Jahre in die Zukunft – was würde sich mit Ihnen als Stadtpräsident verändern?

Jetzer:  Ich würde gerne die Permakultur fördern, also Landschaften, Siedlungen und natürlich Gärten nachhaltig gestalten. Wenn man sieht, wie beliebt Schrebergärten sind, dann würde das sicher gut ankommen. Da könnten sich die Leute vom Job-Bus einbringen. Auch Energiefragen würde ich gerne angehen. Oder den Bauern helfen, auf Bio-Produktion umzusteigen. Eine Lokalwährung zur Stärkung der heimischen Gewerbes wäre ebenfalls eine interessante Sache. Dies sehe ich im Kontext einer Vorbeugung gegenüber den globalen Krisen, die herrschen.

Als politischer Neuling und Vertreter der völlig unbekannten Ethischen Partei Schweiz sind Ihre Chancen aber nicht gerade gross. Geben Sie mir da recht?

Jetzer:  Ich habe die EPS gegründet, weil ich unzufrieden war mit unseren nationalen Parteien und nach den letzten nationalen Parlamentswahlen nicht mehr wählen wollte. Und wenn man diesen Schritt macht, dann muss man auch Verantwortung übernehmen und kandidieren – dies immer im Bewusstsein, dass die Chancen ziemlich limitiert sind.

«Dafür brauchen wir ein Siedlungsleitbild. Denn aktuell sehe ich keine wirkliche Strategie.»

Theo Zobrist (SP)

Reden wir über die Stadtplanung. Herr Zobrist, gefällt Ihnen, was der Stadtrat macht?

Zobrist:  Man müsste viel mehr planen und weiter vorausdenken. Wir müssen definieren, wo und wie wir leben, wo es Grün- und Freiräume geben soll, wo wir einkaufen wollen, wo unsere Kinder zur Schule gehen. Dafür brauchen wir ein Siedlungsleitbild. Denn aktuell sehe ich keine wirkliche Strategie.

Ingold:  Das stimmt nicht. Wir machen klare Vorgaben bezüglich Grünflächen oder öffentlichen Parks in Neubaugebieten. Wir haben den Glattquai aufgewertet. Und so wird es weitergehen. Schwierig ist es bei Privateigentümern, die ihr Land für eine Wohnsiedlung verkaufen wollen. Das können wir nicht verhindern, aber wir können auf eine gute Gestaltung achten.

Jetzer:  Deshalb darf man das Tafelsilber nicht verkaufen und städtisches Land nur im Baurecht abgeben.

Ingold:  Das haben wir gerade mit dem städtischen Grundstück beim Bahnhof Stettbach im Hochbord-Quartier getan. Und das streben wir auch in Zukunft an. Es kann aber ebenso mal sein, dass der Nutzen eines Verkaufs die Nachteile überwiegt. Da muss man abwägen. Wir haben auch schon versucht, Land zurückzukaufen, aber da kann man in der Regel nicht mithalten.

Herr Zobrist, die Urbanisierung im Gebiet Hochbord müsste eigentlich ganz nach Ihrem Geschmack sein.

Zobrist:  Was da abläuft, ist für mich eine Verstädterung und gefällt mir nicht. Urbanisierung bedeutet für mich, dass zwar viele Menschen zusammenleben, durch Freiräume und ein soziales Miteinander aber eine hohe Lebensqualität haben.

Jetzer: In Dübendorf sollte noch ein wenig Luft bleiben, man muss ja nicht jedes Fleckchen Land nutzen, sondern sollte auch noch etwas für die künftigen Generationen übrig lassen. Und man muss nicht immer alles vergolden und aufwerten. Eine Vierzimmerwohnung für 1800 Franken, das muss drinliegen. Die Stadt muss deshalb Wohnbaugenossenschaften fördern.

«Für die Dübendorfer sind die Strassen gross genug, aber wir haben ein Problem mit dem Durchgangsverkehr.»

André Ingold (SVP)

Ingold:  Nur ist es halt nicht mehr so, dass Genossenschaftswohnungen automatisch viel günstiger sind als andere Wohnungen auf dem Markt. Die müssen auch schauen, dass Geld reinkommt.

Einverstanden, Herr Zobrist?

Zobrist:  Ich bin schon für gemeinnützigen Wohnungsbau, aber es ist nicht die einzige Möglichkeit. Eine Stadt kann auf Private zugehen und sie dazu animieren, günstige Wohnungen zu bauen. Wichtig ist eine gute Durchmischung in den Quartieren. Aber eben, dazu ist eine Strategie nötig.

Ingold:  Das tönt immer so einfach. In der Regel wird dem Meistbietenden verkauft und möglichst gewinnbringend gebaut, denn wer verzichtet schon freiwillig auf Geld?  

Bei einer Umfrage des ZO/AvU unter Dübendorfer Politikern hat sich gezeigt, dass der Verkehr ein grosses Problem ist. Für Sie auch, Herr Ingold?

Ingold: Für die Dübendorfer sind die Strassen gross genug, aber wir haben ein Problem mit dem Durchgangsverkehr. Denn wenn die übergeordneten Strassen verstopft sind, dann fahren die Leute durch Dübendorf. Um dem beizukommen, haben wir den Lindenplatz, den Bahnhofsbereich oder die Kreuzung Högler-/Zürichstrasse umgebaut und punktuell Verengungen oder auch mal eine Tempo-30-Zone realisiert.

Jetzer: Ich sehe nicht ein, wieso man als Stadt immer weiter wachsen will und dann mit Strassenverengungen nur noch mehr Staus produziert.

Also freie Fahrt durch Dübendorf?

Jetzer: Ich bin überhaupt kein Autofan, aber eine Verkehrsblockade löst das Problem auch nicht. In jedem Ort klagen die Leute über den Verkehr. Aber irgendwo müssen die Autos ja durch.

Herr Zobrist, Links-Grün hatte mit der Begegnungszone im Zentrum ja mal eine schöne Idee. Weniger Verkehr, dafür flanierende Menschen, Strassencafés…

Zobrist:  Wir haben die Abstimmung damals verloren. Man hätte schon viel früher die Bahnhofstrasse als Begegnungszone definieren und den Verkehr darum herum führen müssen. Der Stadtrat unternimmt zwar einiges, um Fussgänger und Velofahrer kümmert er sich aber nicht gut genug. Dabei ist das grösste Problem unseres Zentrums, dass es nicht belebt ist. Deshalb bin ich auch dafür, dass das neue Hallenbad zentral auf dem Leepüntareal geplant wird.

Ingold:  Aber sicher nicht im Zentrum…

«Wir haben als kleine Partei ohnehin kaum Geld für einen aufwändigen Wahlkampf.»

Patrick Jetzer (EPS)

Zobrist:   Doch, mit einem Wellnessbereich und einem Wohnturm oben drauf. Das zieht Leute an und belebt das Stadtzentrum. Unser Freibad Oberdorf soll naturnah erhalten bleiben, dort gibt es ein Landschafts- und Vogelschutzgebiet.  Ausserdem sind in dieser Erholungszone nur die notwendigen Bauten und Anlagen für den Betrieb des Freibads zulässig.

Ingold:  Die Lage beim Freibad ist auch zentral. Und wir können die bestehende Infrastruktur nutzen. Auf dem Leepüntareal kommt etwas anderes hin.

Zobrist:  Bei der Planung kommt ihr da aber nicht wirklich voran.

Ingold:  Und daran seid vor allem ihr schuld mit eurer Saal-Initiative.

Genügend Themen und Gesprächsstoff sind vorhanden, dennoch gibt es im Dübendorfer Wahlkampf vor allem Flyer- und Standaktionen und kein einziges Podium. Macht das so überhaupt Spass?

Zobrist: Es geht nicht um den Spass, es geht darum, dass die Leute eine Auswahl haben.

Ingold: Um ehrlich zu sein, habe ich mich auf einen ganz strengen Wahlkampf eingestellt, denn ich ging davon aus, dass entweder mein Stadtratskollege Dominic Müller oder allenfalls auch Martin Bäumle für das Präsidium kandidieren wird. Gegen zwei Bisherige anzutreten, das wäre intensiv geworden. Ich bin fast ein wenig enttäuscht, dass es nicht dazu kam.

Jetzer: Wir haben als kleine Partei ohnehin kaum Geld für einen aufwändigen Wahlkampf. Für sämtliche Kosten bin ich selber aufgekommen.

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