Ilse Wyler-Weil hinterlässt grosse Lücke in Uster
Seit rund drei Jahrzehnten wird in Uster um die Osterzeit im reformierten Kirchgemeindehaus jeweils das jüdische Pessach gefeiert. Dort ist in einem Raum für die Pessach-Woche eine Synagoge eingerichtet, in der gebetet und aus der Thora-Rolle gelesen wird. Zu verdanken ist dieser Gottesdienst der Familie von Max und Ilse Wyler-Weil, die in Uster ihr Judentum unauffällig, aber in selbstverständlicher Art und Weise in ihrem Haus an der Zentralstrasse lebten.
Gäste aus aller Welt
Pessach wurde in Uster auch dieses Jahr gefeiert. Dafür sorgte im besonderen Ilse Wyler-Weil, die seit dem Tod ihres Gatten vor drei Jahren diese Ustermer Tradition aufrecht hielt. So hat sie auch dieses Jahr alles für das im Judentum wichtige Fest – die Erinnerung an die Befreiung aus dem Exil im pharaonischen Ägypten – vorbereitet. Sie hat ihr Haus nach den religiösen Vorschriften gereinigt, sie hat die Küche zur Zubereitung des Pessachmahls gerüstet. Und konnte Pessach, zu dem jeweils Familienmitglieder und Freunde aus aller Welt anreisen, dieses Jahr dann doch nicht mehr selber erleben.
Alles hatte sie fertiggestellt und vollbracht, als sie am 21. März einen Schlaganfall erlitt, in dessen Folge sie am 25. März verstarb. Am 21. Mai wäre Ilse Wyler 88 Jahre alt geworden.
In Uster, im alten Zentrum zwischen Stadthaus und reformierter Kirche, werden sich viele an die schmale, im Alter zunehmend gebrechliche, bescheidene und freundliche Frau mit dem aufmerksamen Blick erinnern. Hier lebte sie seit 1949 als Ehefrau des Ustermer Viehhändlers Max Wyler, mit dem zusammen sie eine Familie gründete und das traditionelle Viehhandelsgeschäft sowie ein offenes Haus führte. Dabei machte sie nie einen Hehl aus ihrer jüdischen Verwurzelung, zu der sie umso mehr stand, als sie die Katastrophe dieser Herkunft am eigenen Leben erfahren hatte.

