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Feldmann: «Städtisches Land im Baurecht abgeben»

«Was ist Ihnen wichtig? Was wollen Sie bewirken? Und wie sehen Sie die Stadt, in der Sie politisieren?»: Züriost stellt den Kandidierenden für den Ustermer Stadtrat schriftlich dieselben zehn Fragen. Heute kommen die Antworten von Stefan Feldmann (SP). Feldmann war vier Jahre lang Präsident der kantonalen SP und sass von 1997 bis 2010 im Ustermer Gemeinderat. Nun möchte er in den Stadtrat.

Als Jugendlicher empfand Stefan Feldmann Uster als Schlafstadt. Das hat sich geändert: «Heute ist in Uster viel mehr los.» (Foto: PD)

Feldmann: «Städtisches Land im Baurecht abgeben»

Uster wird bis 2035 auf 40’000 Einwohner anwachsen. Was muss getan werden, damit dieses Wachstum allgemeinverträglich ist?
Den Grundsatz, dass das Wachstum zum Schutz der Landschaft im jetzigen Siedlungsgebiet stattfinden soll, finde ich richtig. Verdichtetes Bauen ist nötig, wobei die Qualität der Verdichtung, die Zwischenräume und Begegnungsorte entscheidend sind.

In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Uster zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Als Firmeninhaber weiss ich, dass man längerfristig nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt. Ich weiss aber auch, dass, wer ernten will, zuerst säen muss. Deshalb ist die Planung sorgfältig zu machen, grosse Projekte sind zu priorisieren, allenfalls zu etappieren. Dann sind die anstehenden Investitionen zu meistern.

Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Die wichtigsten Themen sind bereits auf der politischen Agenda, zuvorderst die Stadtentwicklung und das Kulturzentrum. An Bedeutung gewinnen wird das Thema Digitalisierung. Hier stellt sich die Frage, wie wir diese für unsere Stadt nutzen, ohne jene, welche nicht so technikaffin sind, zu vergessen.

«Von der Sperrung des Zentrums wird auch das Gewerbe profitieren.» 

Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Ustermer Stadtzentrum an vier Wochenenden für Autos gesperrt werden muss. Was ist Ihre Meinung dazu?
Inzwischen sind sich ja – fast – alle politischen Kräfte darin einig, dass wir ein verkehrsfreies Zentrum wollen. Deshalb sollten wir den Auftrag, ein Konzept für vier verkehrsfreie Wochenenden zu erarbeiten, als Chance verstehen, um Erfahrungen mit einer Fussgängerzone zu sammeln. Davon wird auch das Gewerbe profitieren.

Was mögen Sie an Uster, und was nicht?
Ich bin in Uster geboren und aufgewachsen. Uster ist meine Heimat. Ich mag an Uster das kulturelle Leben, die nahe Natur. Störend finde ich das Verkehrschaos rund um den Bahnhof und im Stadtzentrum.

Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Uster ein?
Die Bevölkerungsumfrage hat gezeigt, dass das Sicherheitsempfinden in Uster hoch ist. Optimierungspotenzial gibt es beim Littering: Achtlos weggeworfene Verpackungen und Plastikflaschen empfinde auch ich als störend. Letztlich ist das aber eine Frage der Erziehung und des Anstands.

«Die Vereine sind das Rückgrat unserer Stadt.»

Gibt es in Uster genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Als Jugendlicher fand ich Uster langweilig und verschlafen. Heute ist in Uster viel mehr los, das finde ich toll. Natürlich kann es immer noch «äs bitzeli meh si». Insbesondere die Vereine müssen weiter unterstützt werden, sie sind das Rückgrat unserer Stadt. Gefordert ist vor allem auch private Initiative, die dann von der Stadt möglichst unkompliziert unterstützt wird. 

Existiert in Uster ausreichend günstiger Wohn- und Gewerberaum?
Zuletzt wurde in Uster vor allem im höherpreisigen Segment gebaut. Eine gute Durchmischung ist jedoch enorm wichtig. Wohnbaugenossenschaften können hier einen Beitrag leisten. Städtisches Land sollte ihnen im Baurecht abgegeben statt verkauft werden.

«Bei der Veloinfrastruktur besteht Nachholbedarf.» 

Die Stadt Uster hat eine rekordtiefe Sozialhilfequote. Ist dies das Resultat guter Arbeit oder Ausdruck einer zu grossen Härte?
In der Sozialhilfe brauchte es die richtige Mischung von Fordern und Fördern. Alles in allem scheint mir Uster diese zu haben. Wichtig ist, dass der Sozialabteilung dafür genügend finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung stehen. 

Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer in der Stadt?
Platz ist in Städten ein rares Gut. Deshalb müssen jene Verkehrsformen, die wenig brauchen – zu Fuss gehen, Velofahren – oder viele Menschen transportieren, also der öffentliche Verkehr, gefördert werden. Auch im Interesse jener, die auf das Auto angewiesen sind. Nachholbedarf besteht bei der Veloinfrastruktur: Hier will die SP mit einer Initiative mehr Mittel für sichere und durchgängige Velowege freimachen.
 

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