Fehr Thoma: «Unser Verhalten ist noch zu umweltschädlich»
Uster wird bis 2035 auf 40’000 Einwohner anwachsen. Was muss getan werden, damit dieses Wachstum allgemeinverträglich ist?
Das Wachstum muss über die Verdichtung gegen innen bewältigt werden. Das Eschenbühl soll aber als Reservezone erhalten bleiben. Wichtig für unser Wohlbefinden sind gepflegte Grün- und Freiräume. Die Wälder rund um Uster und das Schutzgebiet am Greifensee dürfen nicht zu einem Rummelplatz verkommen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben dort Ruhe verdient.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Uster zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Wegen der aktuell zu tiefen Steuern steigen die langfristigen Schulden in Uster stark an. Die Stadt hat also kein finanzielles Polster für die anstehenden Investitionen. Einmalige Erträge müssen gezielt für diese Investitionen reserviert bleiben. Weil der Schuldenberg nicht einfach der nachkommenden Generation überlassen werden kann, wird eine moderate Steuererhöhung nötig. Ein attraktives Uster darf uns etwas wert sein.
«Mit etwas Fantasie werden diese Wochenenden sogar zu einem Fest.»
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Als Stadträtin von Uster engagiere ich mich für den Naturschutz. Ich unterstütze das vielseitige Kulturschaffen und setze mich für attraktive Begegnungsräume im Zentrum und lebendige Quartiere und Aussenwachten ein. Für unsere Kinder wünsche ich mir eine sehr gute und auch zeitgemässe Schule. Und Werte wie Weltoffenheit, Eigeninitiative und Solidarität sind mir wichtig.
Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Ustermer Stadtzentrum an vier Wochenenden für Autos gesperrt werden muss. Was ist Ihre Meinung dazu?
Die autofreien Wochenenden bringen uns einem fussgängerfreundlichen Stadtzentrum einen Schritt näher. Mit etwas Fantasie werden diese Wochenenden dank einem Rahmenprogramm sogar zu einem Fest für Uster.
«Die vielen Freiwilligen leisten hier täglich wertvolle Arbeit.»
Was mögen Sie an Uster, und was nicht?
Ich mag die Menschen hier. Das Treiben am Bahnhof und das feine Kulturangebot schätze ich ebenso sehr wie die Winterstille am Greifensee oder den Duft der Ustermer Wälder. Was in Uster fehlt, hat die Waldinitiative gezeigt: eine Grüne Stimme im Stadtrat.
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Uster ein?
In Uster fühle ich mich sicher. Manchmal ärgere ich mich über den herumliegenden Abfall, vor allem am Bahnhof oder im Stadtpark. Die Massnahmen der Stadt gegen das Littering sind deshalb weiterzuführen.
Gibt es in Uster genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Uster verfügt über ein reiches Vereins- und Sportleben. Die vielen Freiwilligen leisten hier täglich wertvolle Arbeit. Sie fördern damit den Zusammenhalt und die Integration. Eine Stadt wie Uster hat ihren Vereinen Sorge zu tragen.
«Uster darf nicht zu einer Stadt der Privilegierten werden.»
Gibt es in Uster ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Uster darf nicht zu einer Stadt der Privilegierten werden. Deshalb braucht es mehr bezahlbaren Wohn-, Gewerbe- und Kulturraum. Uster soll Zonen bezeichnen, in denen Wohnungen günstig angeboten werden müssen. Und in den Gestaltungsplänen muss zwingend ein bestimmter Anteil an genossenschaftlichem Wohnungsbau vorgesehen werden.
Uster hat eine rekordtiefe Sozialhilfequote. Ist dies das Resultat guter Arbeit oder Ausdruck einer zu grossen Härte im Umgang mit Klienten?
Die tiefe Sozialhilfequote von Uster hängt nicht nur von der Arbeit des Sozialdienstes, sondern unter anderem auch von der Zusammensetzung der Bevölkerung und der Anzahl Ausgesteuerter ab. Die rasche Begleitung der Sozialhilfebezüger und die Integrationsprogramme von Uster sind sehr gut. Von einer übertriebene Härte habe ich schon gehört.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Unser Mobilitätsverhalten ist noch zu umweltschädlich. In städtischen Räumen ist ein Drittel aller mit dem Auto zurückgelegten Strecken kürzer als drei Kilometer. Viele dieser Wege wären gut mit dem Bus, dem Velo respektive Elektrovelo oder zu Fuss zu bewältigen. Sorgen wir in Uster für die dafür notwendigen durchgehenden Velorouten und mehr gedeckte Veloabstellplätze.
