Wahlplakat auf Privatgrund sabotiert
Politisch aktiv sind die ehemalige SP-Gemeinderätin Judith Bertschi und ihr Mann, der ehemalige SP-Kantonsrat Ueli Annen, nicht mehr. Im Hintergrund setzen sie sich noch immer für die Sozialdemokratische Partei ein. Unter anderem, indem sie mit einem Wahlplakat an ihrem Hühnerstall am Haldenrainweg in Illnau um die Gunst der Wähler werben.
Dies ist Bewohnern der Haldenrainüberbauung jedoch ein Dorn im Auge, wie Bertschi vermutet. «Uns kam zu Ohren, dass wir das Plakat entfernen sollen, weil sich Nachbarn aufregen.» Da es sich aber auf Privatgrund befindet, sieht Bertschi dazu keinen Grund. «In der Vergangenheit wurden unsere Plakate abgerissen und in den Hühnerhof geworfen.» Dieses Jahr gingen die anonymen Saboteure einen Schritt weiter und montierten eine Konstruktion mit einem Absperrband der Clientis Bank vor das SP-Plakat, welches die Sicht auf die politische Werbung verdecken soll.
Ein Problem mit linker Politik
Bertschi findet dieses Vorgehen zwar kindisch, nimmt das Ganze aber mit Humor. «Wir lassen die Konstruktion stehen, denn so wird das Plakat erst recht zum Eyecatcher.» Gerne würde sie mit den «kleinlichen Nachbarn, welche etwas gegen die SP haben» persönlich das Gespräch suchen. «Das ist schwierig, weil ich nicht weiss, wer hinter der Aktion steckt.» Sie ist aber sicher, dass es jemand aus der nahen Nachbarschaft war. Eine Person, welche ein Problem mit linker Gesinnung habe.
Bertschi findet es gleichzeitig peinlich und lustig, dass das Plakat verdeckt wurde und vermutet dahinter «kleinliche Nachbarschaftsscharmützel». «Aber die SVP pflastert die Stadt mit riesigen Mengen an Wahlwerbung zu. Mit dem Plakat auf unserem Grundstück wollen wir dagegenhalten.»
Dass sich die Aggression der Nachbarn gegen «ganz links» richtet – wie sie vermutet – findet sie primitiv. «Aber solche Aktionen richten sich immer gegen links oder rechts, die Mitte bleibt verschont.» Bertschi sind auch vermalte SVP-Plakate in ihrer Nachbarschaft aufgefallen.
Bahnhofsnähe fordert Tribut
SVP-Gemeinderat Herbert Kempf bestätigt: «Unsere Plakate sind bei Vandalen beliebt, werden abgerissen und liegen immer wieder am Boden.» Aber die SVP sei darauf vorbereitet und habe die Nerven, die Plakate zu ersetzen und aufzurichten. Parteikollege Daniel Huber, der für Plakate zuständig ist, weiss ebenfalls von Vandalenakten. «Anfangs März hatten wir mehrere Vorfälle, bei denen Lausbuben oder Betrunkene Plakate umwarfen und kaputt machten.» Bemalt oder bekritzelt seien indes nur wenige worden. Zum Opfer fallen würden vor allem Plakate in Bahnhofsnähe. «Dieses Jahr ist der Wahlkampf nervös, was sich auch an den vielen Plakaten zeigt.» Fast 400 hat die SVP in Illnau-Effretikon aufgehängt. «Das ist zwar positiv, aber auch eine Budgetfrage. Ausserdem sind wir im Zugzwang, weil alle anderen Parteien ebenfalls mehr Werbung machen.»
Kalter Boden sabotiert Werbung
Klaus Gersbach, CVP-Präsident, bestätigt Judith Bertschis Vermutung nicht: Auch Plakate der Mitte-Parteien fallen Vandalen zum Opfer. «Mehrmals wurden CVP-Plakate umgeworfen, während den SVP-Plakaten in unmittelbarer Nähe nichts geschah.»
Auch das Plakat von GLP- Stadtratkandidat Erik Schmausser sei satte dreimal beschädigt worden. «Aber nicht alle Vandalenakte gehen auf Menschen zurück», weiss Gersbach. So sei zu Beginn der Plakataktion der Boden noch gefroren gewesen. «Die Pfosten der Plakatvorrichtungen konnten deshalb nicht tief genug in den Boden gesteckt werden und fielen aus diesem Grund später um.»