Thalmann: «Der Langsamverkehr muss gefördert werden»
Uster wird bis 2035 auf 40’000 Einwohner anwachsen. Was muss getan werden, damit dieses Wachstum allgemeinverträglich ist?
Dies gelingt nur mit qualitätsvoller innerer Verdichtung und indem wir die Stadt mit Grünräumen sowie Begegnungsorten bereichern. Unsere Naherholungsgebiete müssen dabei unantastbar bleiben. Sie sind unsere grünen Lungen. Ferner gilt es den Langsamverkehr zu fördern, als entlastende Alternative zum motorisierten Verkehr.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Uster zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Gesunde Finanzen sind Voraussetzung für eine gesunde Stadtentwicklung. Uster ist finanziell gut aufgestellt. Zu tätigende Investitionen müssen nachhaltig sein. Als Architektin weiss ich – und als Sozialvorsteherin habe ich bewiesen –, wie man Geld optimal und wirksam einsetzt.
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Ich will den Stadtrat zu einem Team formen – mit gegenseitiger Wertschätzung und einer zielführenden Gesprächskultur. Das schafft Vertrauen. So können wir Uster gemeinsam vorwärtsbringen. Drei Sachthemen stehen für mich zuoberst: Die Entwicklung des Zeughausareals, die Stadtentwicklung – Stichwort Stadtraum 2035 – und die Inklusion; Menschen mit Einschränkungen sollen am gesellschaftlichen Leben vermehrt teilnehmen können.
«Ich bin stolz, dass Uster vom hässlichen Entlein zu einem Vorzeigeort geworden ist.»
Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Ustermer Stadtzentrum an vier Wochenenden für Autos gesperrt werden muss. Was halten Sie davon?
Immer mehr Menschen wünschen sich ein fussgänger- und damit auch gewerbefreundliches Stadtzentrum, wo man sich gerne aufhält, sich trifft und einkauft. Auch ich wünsche mir das und will mich dafür einsetzen.
Was mögen Sie an Uster, und was nicht?
Als hier aufgewachsene Lokalpatriotin geniesse ich die Oberländer Landschaft mit Seen und Wäldern vor der Haustür. Ich schätze die lebendige Kulturszene und bin stolz, dass Uster vom hässlichen Entlein zu einem Vorzeigeort mit Wakkerpreis geworden ist. Ich störe mich über Barrieren, zwischenmenschliche Barrieren.
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Uster ein?
Wir können uns glücklich schätzen, dass Uster eine sichere und saubere Stadt ist. Probleme mit dem Abfall am See und am Bahnhof ärgern zwar, begründen aber keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.
«Im Zentrum wünsche ich mir Cafés anstelle von Parkplätzen.»
Gibt es in Uster genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Das Angebot ist gross und es wächst – vor allem dank unzähligen Freiwilligenstunden. Die Stadt muss diese Angebote unterstützen und sicherstellen, dass die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Zur Gastronomie: Ich freue mich auf das Seerestaurant – als Jurymitglied des Architekturwettbewerbs kann ich sagen: Das kommt gut. Und im Zentrum wünsche ich mir Gartenrestaurants oder Cafés anstelle oberirdischer Parkplätze.
Gibt es in Uster ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Die Attraktivität Usters hat die Liegenschaftspreise stark in die Höhe getrieben. Die Stadt braucht planungsrechtliche Instrumente, welche günstigen Wohn- und Gewerberaum ermöglichen. Städtisches Land soll nicht verkauft, sondern im Baurecht mit entsprechenden Auflagen an die Investoren, zum Beispiel Wohnbaugenossenschaften, abgegeben werden.
«Menschlichkeit und sorgsamer Umgang mit Steuergeldern sind keine Gegensätze.»
Die Stadt Uster hat eine rekordtiefe Sozialhilfequote. Ist dies das Resultat guter Arbeit oder Ausdruck einer zu grossen Härte im Umgang mit Klienten?
Dank enger Begleitung und Unterstützung gelingt es häufig, Menschen in Not rasch wieder von der Sozialhilfe zu lösen. Menschlichkeit und sorgsamer Umgang mit Steuergeldern sind keine Gegensätze. Als Sozialvorsteherin danke ich meinen Mitarbeitenden für ihre engagierte Arbeit.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Da ich mit dem Velo unterwegs bin, weiss ich, wie viel Verbesserungspotential es in Sachen Verkehr noch gibt. Unser Strassenraum ist begrenzt. Eine Förderung des Langsamverkehrs entlastet die Strassen und kommt jenen Motorisierten zugute, die aufs Auto angewiesen sind.
