Winkler: «Den politischen Filz in Dübendorf mag ich gar nicht»
Die Stadt an der Glatt wächst vor allem an den Rändern massiv. Unterstützen Sie eine weitere Urbanisierung oder soll Dübendorf im Kern ein Dorf bleiben?
Die Globalisierung wird auch vor Dübendorf nicht Halt machen. Unsere Stadt ist schon heute eine kleine Weltstadt, die ständig am Wachsen ist. Die Ur-Dübendorfer sterben langsam aus und die neuen Einwohner, oftmals aus anderen Industrieländern, nehmen Einzug. Das alte Dübendorfer Gewerbe geht langsam dem Ende zu und wird immer mehr auch durch die globalen Firmen ersetzt. Eine Fusion mit den Anrainergemeinden und mit der Stadt Uster wird eines Tages unumgänglich sein.
Entgegen den Plänen von Bund und Kanton will der Stadtrat die Privatfliegerei vom Flugplatz Dübendorf fernhalten. Ist das Wunschdenken oder lohnt sich der Kampf?
Mit der gewonnenen Flugplatz- Abstimmung hat man zwar dem Bund ein deutliches Signal gesendet, aber es wird ein Wunschdenken sein. Die Schirmherrschaft über den Flugplatz hat der Bund; es ist ein Kampf von David gegen Goliath.
«Was nicht unbedingt nötig ist, soll auch nicht angeschafft werden.»
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Dübendorf zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Ein gutes Beraterteam und ein externes Team sollen eine Gesamtanalyse über das Kosten/Nutzen-Verhältnis anfertigen lassen. Was nicht unbedingt nötig ist, soll auch nicht angeschafft werden. Bei grösseren Projekten soll aber der Stimmbürger entscheiden können.
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Ich möchte das Sozialwesen übernehmen.
Was mögen Sie an Dübendorf, und was nicht?
An Dübendorf mag ich die schöne Natur und die Vielfältigkeit an den Angeboten. Den politischen Filz mag ich gar nicht.
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Dübendorf ein?
In Dübendorf sind Sicherheit und Sauberkeit in Ordnung.
«Für die wirtschaftlich Schwächeren und Familien ist es ein Problem, günstige Wohnungen zu finden.»
Existieren in Dübendorf genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport? Sind Verbesserungen nötig?
In Dübendorf hat es alles. Es gibt Personen, die Dübendorf als Sexy-Dorf bezeichnen, weil wir so viele Sexclubs und Bordelle haben. Im Endeffekt sehe ich keinen Grund für Verbesserungen, da man in Dübendorf seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Ein grosser Teil kommt aus den Anrainergemeinden oder sogar aus Zürich. Das beweist, was für ein tolles Angebot wir in unserer Stadt haben.
Gibt es in Dübendorf ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Tatsächlich hat es in Dübendorf zu wenige günstige Wohnungen. Für die wirtschaftlich Schwächeren und Familien ist es ein Problem, günstige Wohnungen zu finden. Gerade in der Sozialhilfe soll die Mietzinsentschädigung für Alleinstehende auf rund 1300 Franken angehoben werden. Ansonsten ist diese Angelegenheit ein rein wirtschaftliches Problem, bei dem die Politik praktisch keinen Einfluss nehmen kann – oder will, weil die Politik ja auch in dieser Wirtschaft sitzt.
«Auch ich wurde schon mehrmals von den Sozialberatern verbal attackiert.»
Die Sozialabteilung in Dübendorf wird immer wieder öffentlich kritisiert. Läuft da etwas falsch oder ist die Kritik unbegründet?
Diese öffentliche Kritik ist angebracht: Mit Unterbrüchen bin ich ein seriöser und pflichtbewusster Sozialhilfeempfänger. Dazu stehe ich auch. Zur Zeit habe ich zwei Beschwerden beim Bezirksrat offen. Auch ich wurde schon mehrmals von den Sozialberatern so dermassen verbal attackiert und diskreditiert, dass ich mir ernsthaft überlegte, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und nicht beim Bezirksrat einzureichen. Seit Jahren werde ich immer wieder von Klienten oder ehemaligen Klienten darüber orientiert, was für Missstände dort herrschen. Auch das Projekt Dübi-Job muss juristisch durchleuchtet werden. Als allfälliger Gemeinderat oder Stadtrat werde ich eine gründliche Untersuchung einleiten und dafür sorgen, dass ein weitgehender Personalwechsel stattfindet.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Als Fussgänger fühle ich mich wohl.
