Zobrist: «Das Kleinbürgerliche beschäftigt mich»
Die Stadt an der Glatt wächst vor allem an den Rändern massiv. Unterstützen Sie eine weitere Urbanisierung oder soll Dübendorf im Kern ein Dorf bleiben?
Der Charakter einer Stadt zeigt sich in einer städtischen Lebensform, einem gesunden Umfeld, gerechten Wohn- und Arbeitsbedingungen und einem grosszügiges Erholungs- und Freizeitangebot. Ich bin für eine solche Urbanisierung in der ganzen Stadt, auch des Kerns, dem Stadtzentrum, aber die Verstädterung am westlichen Rand von Dübendorf beunruhigt mich.
Entgegen den Plänen von Bund und Kanton will der Stadtrat die Privatfliegerei vom Flugplatz Dübendorf fernhalten. Ist das Wunschdenken oder lohnt sich der Kampf?
In einem so dicht besiedelten Gebiet wäre die Business- und Privatfliegerei ungesund für die Bevölkerung. Ich würde von Bund und Kanton für das Projekt Businessflugplatz eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangen. Die Anwohnergemeinden haben sich für einen historischen Flughafen ausgesprochen, dafür werde ich einstehen.
«Die Schulen und die einzelnen Ressorts planen nicht zusammen.»
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Dübendorf zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Falls die Investitionen Hand und Fuss haben, werden wir die nötigen Mittel aufbringen. In Dübendorf fehlt meiner Ansicht nach die strategische Planung. Die Schulen und die einzelnen Ressorts wie Hochbau oder Soziales planen nicht zusammen. Wir sollten uns bewusst werden, was wir bauen und investieren müssen oder wollen – und die Investitionen im Finanzplan staffeln.
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Ich möchte ein Siedlungsleitbild über die ganze Gemeinde haben, welches die Stadtentwicklung nachhaltig prägt. Dübendorf könnte wieder Pionierstadt werden. Weiter auf die Agenda setzen würde ich eine einwohnerfreundliche Stadtverwaltung sowie ein kompetentes und menschenwürdiges Sozialamt.
«Ich mag nicht, dass wir uns nichts gönnen.»
Was mögen Sie an Dübendorf, und was nicht?
Ich wohne gern in Dübendorf, ich schätze das Freizeitangebot, ich bin in Dübendorf aufgewachsen und fühle mich wohl. Ich mag nicht, dass wir es nicht fertigbringen, ein Zentrum zu schaffen. Und dass wir uns nichts gönnen. Auch das Kleinbürgerliche und Intolerante, das in unserem «Dorf» noch steckt, beschäftigt mich.
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Dübendorf ein?
Meiner Meinung nach besteht kein Handlungsbedarf, absolute Sicherheit gibt es nicht, aber der heutige Standard muss erhalten bleiben.
Existieren in Dübendorf genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Ja, aber eine soziokulturelle Animation könnte aufgebaut werden, um Brücken zwischen Generationen, zwischen Alteingesessenen und neu Zugewanderten, zwischen Männern und Frauen sowie zwischen unterschiedlichen Kulturen zu formen.
«Die Hilfesuchenden wurden nicht kompetent informiert.»
Gibt es in Dübendorf ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Nein, weder noch. Günstige Wohnungen sind in Dübendorf rar. Es wird viel Raum gebaut, aber vor allem, um Rendite zu machen. Die Stadt sollte Genossenschaften und den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern.
Die Sozialabteilung in Dübendorf wird immer wieder öffentlich kritisiert. Läuft da etwas falsch oder ist die Kritik unbegründet?
Bei unserem Sozialamt und bei der Sozialhilfe läuft vieles schief. Es steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, die Sozialabteilung macht ihre eigenen Regeln. Die Hilfesuchenden wurden nicht kompetent informiert und teilweise schikanös behandelt.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Wir sollten gemeinsam unsere Verkehrsflächen sinnvoll nutzen. Fussgänger und Velofahrer sind bei uns benachteiligt, im Speziellen bei der neuen Glattbrücke und der Stadthauskreuzung besteht Handlungsbedarf.
