Beatrice Caviezel: «Die Ustermer wollen ihr Zentrum beleben»
«Uster wird bis 2035 auf 40’000 Einwohner anwachsen. Was muss getan werden, damit dieses Wachstum allgemeinverträglich ist?
Das Naherholungsgebiet Greifensee und die verschiedenen Parks tragen zur Qualität von Uster als Wohnstadt bei. Sie bieten uns Begegnungs- und Erholungsraum. Dem müssen wir Sorge tragen und deshalb für eine Verdichtung in den bestehenden Siedlungsgebieten sorgen. Genau so, wie dies im Zentrum von Uster mit den neuen Hochbauten im Gange ist.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Uster zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Die Investitionen müssen optimal geplant und klar priorisiert werden. Der Steuerfuss soll auf dem jetzigen Stand bleiben. Im Gegenzug müssen die Ausgaben sinken – und zwar dort, wo die Kosten wirklich hoch sind. Ein Beispiel ist die Förderung der ambulanten Pflege. Dies spart Kosten, sowohl im Gesundheits- als auch im Sozialbereich. Weiteres Sparpotenzial sehe ich in einer moderneren und effizienteren Verwaltung.
«Das Ustermer Zentrum soll in Zukunft fussgänger- und begegnungsfreundlich werden.»
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda?
Ich möchte mithelfen, dass Uster eine gesunde Stadt bleibt. Ich engagiere mich für ein konstruktives politisches Klima im Stadtrat, für ein starkes Gesundheitswesen, für mehr Erholungs- und Begegnungszonen sowie für eine moderne Verwaltung.
Der Gemeinderat hat beschlossen, dass das Ustermer Stadtzentrum an vier Wochenende für Autos gesperrt werden muss. Verursacht das bei Ihnen Sorgenfalten oder freudige Zuversicht?
Freudige Zuversicht. Der Schritt geht in die richtige Richtung, denn das Zentrum soll in Zukunft fussgänger- und begegnungsfreundlich werden. Hier dürfen wir noch etwas mehr Mut an den Tag legen. Ich habe zahlreiche positive Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten. Dies hilft letztlich auch dem lokalen Gewerbe.
Was mögen Sie an Uster, und was nicht?
Uster entwickelt sich und verbindet Lebensqualität mit städtischem Flair. Das ist gut so. Jedoch müssen wir als Stadt noch selbstbewusster und eigenständiger werden.
«Der günstige Wohnraum steht für mich momentan nicht auf der politischen Agenda.»
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Uster ein?
Uster ist eine sichere und saubere Stadt. Und wenn es punktuell Probleme gibt, sind wir dafür bestens gerüstet. Ich sehe keinen Handlungsbedarf.
Gibt es in Uster genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Die Angebote in Uster sind vielfältig und breit gefächert. Das Kulturangebot ist geprägt von vielen kleinen Einzelinitiativen. Auf dem Zeughausareal haben wir die Möglichkeit, viele dieser Einzelinitiativen zusammenzubringen. Dass dieser Entwicklungsprozess gemeinsam mit der Bevölkerung gestaltet wird, finde ich toll – diese Chance müssen wir nutzen.
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Gibt es in Uster ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Der günstige Wohnraum steht für mich momentan nicht auf der politischen Agenda. Sowohl das Parlament als auch das Stimmvolk haben sich im letzten Jahr dagegen ausgesprochen, den günstigen Wohnraum weiter zu fördern. Diesem Entscheid ist Rechnung zu tragen.
«Ich verstehe, dass sich viele Ustermer über die Bahnschranken oder über das unvollständige Velonetz beschweren.»
Uster hat eine rekordtiefe Sozialhilfequote. Ist dies das Resultat guter Arbeit oder Ausdruck einer zu grossen Härte im Umgang mit Klienten?
Für Aussenstehende ist dies schwierig zu beurteilen. Ich bin froh um diese tiefe Quote und überzeugt, dass jeder Fall trotzdem individuell geprüft und beurteilt wird. Denn hinter jedem Fall steht auch ein Mensch, dessen Bedürfnisse professionell geprüft werden müssen.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer?
Ich verstehe, dass sich viele Ustermer über die Bahnschranken oder über das unvollständige Velonetz beschweren. Dies sind nur zwei Verkehrs-Themen, die in unserer Stadt bereits lange diskutiert werden. Zu lange, für meinen Geschmack. Wir müssen uns zusammenraufen und von unseren parteipolitischen Idealvorstellungen weg, hin zu pragmatischen Lösungen finden.
