Besmer: «Eine Vernachlässigung der Infrastruktur rächt sich»
Die Stadt an der Glatt wächst vor allem an den Rändern massiv. Unterstützen Sie eine weitere Urbanisierung oder soll Dübendorf im Kern ein Dorf bleiben?
Jürgen Besmer: Dübendorf wird sich weiter in Richtung urbane Stadt entwickeln. Wichtig ist, dass die Verdichtung in den dafür vorgesehenen Zonen stattfindet und dass wir unseren Freihaltezonen Sorge tragen, indem wir sie schützen und pflegen.
Entgegen den Plänen von Bund und Kanton will der Stadtrat die Privatfliegerei vom Flugplatz Dübendorf fernhalten. Ist das Wunschdenken oder lohnt sich der Kampf?
Der Kampf lohnt sich auf jeden Fall. Wesentlich dabei ist, dass die Stadt aktiv an der Entwicklung des Flughafens und insbesondere der Betriebszeiten beteiligt bleibt. Ziel ist die Erhaltung der Ruhe in der Nacht und an den Wochenenden.
In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf Dübendorf zu. Was ist nötig, damit die Stadt das finanziell verkraftet?
Die grossen Investitionen kommen ja nicht überraschend, sondern werden im Rahmen der Finanzplanung gestaffelt über Jahre verteilt. Dabei ist es unumgänglich, dass Prioritäten gesetzt werden und die einzelnen Vorhaben laufend auf deren Dringlichkeit überprüft werden.
«Als Vision sehe ich einen modernen, funktionalen Bahnhof inklusive Busbahnhof und Park&Ride-Anlage.»
Wenn Sie gewählt werden: Welche Themen setzen Sie auf die politische Agenda? Haben Sie gar eine Vision für Dübendorf?
Mein grösstes Anliegen ist die laufende Werterhaltung der Infrastruktur. Eine Vernachlässigung in diesem Bereich rächt sich an der nächsten Generation mit einem riesigen Nachholbedarf. Ein weiteres Anliegen wäre die Renaturierung der Glatt im Abschnitt Usterstrasse bis Chreis. Als Vision sehe ich einen modernen, funktionalen Bahnhof inklusive Busbahnhof und Park&Ride-Anlage.
Was mögen Sie an Dübendorf, und was nicht?
Neben der optimalen Verkehrsanbindung schätze ich an Dübendorf die Kombination von Nähe zur Grossstadt Zürich und Erholungsgebiet Glattraum/Greifensee. Was mich hingegen stört, sind die öfter vorkommenden Vandalenakte und Sachbeschädigungen.
«Die Vereine sind auf die Unterstützung durch die Öffentliche Hand angewiesen.»
Wie schätzen Sie Sicherheit und Sauberkeit in Dübendorf ein?
Nach meinem Empfinden ist Dübendorf ein sicherer Ort; niemand muss sich fürchten, alleine auf die Strasse zu gehen. Die Sauberkeit ist bis auf ein paar kritische Orte gut. Am Glattquai und in der Bahnhofunterführung sind allerdings ergänzende Massnahmen notwendig.
Gibt es in Dübendorf genügend Angebote in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Vereinsleben, Sport?
Zahlreiche Vereine bieten insbesondere in den Bereichen Sport und Kultur ein breites Angebot, das für das Gesellschaftsleben und die Förderung unseres Nachwuchses nicht wegzudenken ist. Um dieses Angebot aufrechterhalten zu können, sind die Vereine auf die Unterstützung durch die Öffentliche Hand angewiesen. Entsprechend muss die Stadt die Vereinsunterstützung im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten anpassen.
«Schwieriger dürfte es für Handwerksbetriebe werden, da klassische Industriegebiete verschwinden.»
Gibt es in Dübendorf ausreichend günstigen Wohn- und Gewerberaum?
Im Rahmen der momentanen Bautätigkeit in Dübendorf werden auch Genossenschaften neuen Wohnraum erstellen. Aber auch im freien Immobilienmarkt werden sich die Mieten eher senken, da momentan mehr Wohnraum als notwendig entsteht und mit anfänglichen Leerständen zu rechnen ist. Weitere Gewerbefläche entsteht in den Erdgeschossen der Neubauten. Schwieriger dürfte es für Handwerksbetriebe werden, da klassische Industriegebiete verschwinden.
Die Sozialabteilung in Dübendorf wird immer wieder öffentlich kritisiert. Läuft da etwas falsch oder ist die Kritik unbegründet?
Jede Reklamation, egal gegen welche Abteilung sie sich richtet, muss ernst genommen und mit Respekt und Anstand abgehandelt werden. Der Stadtrat hat deshalb mit dem Ombudsmann eine Stelle geschaffen, an die sich Betroffene mit ihren Anliegen wenden können.
Wie beurteilen Sie die Situation der verschiedenen Verkehrsteilnehmer? Ist Dübendorf für Velofahrer ein Paradies und für Autofahrer die Hölle? Oder vielleicht umgekehrt?
Weder Paradies noch Hölle. Hingegen besteht aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens Handlungsbedarf: Pförtneranlagen müssen den Verkehr flüssiger machen, Velowege müssen in Zusammenarbeit mit dem Kanton erweitert und angepasst werden und schliesslich müssen für den Einkauf auch genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Wesentlich ist dabei aber auch, dass alle Verkehrsteilnehmer mehr gegenseitiges Verständnis entwickeln.
