Bitte füttern – aber wie?
«Gewöhnt euch an das neue Zeitalter! Münz war gestern. Sonst keine Probleme?» schreibt jemand in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Uster wenn». Eine kommentiert: «Die älteren Menschen tun mir so leid mit dieser ganzen Technologie.» Die Debatte dreht sich um die technischen Anpassungen der Parkuhren auf Ustermer Gemeindeboden. Die kleineren Parkuhren schlucken nur noch Ein-, Zwei- oder Fünffränkler, ansonsten müssen die Parkgebühren mit Kreditkarte oder über eine App bezahlt werden.
Obwohl dies schon seit Sommer so funktioniert, entzündete sich in einer Ustermer Facebook-Gruppe nach einer Berichterstattung der SRG-Sendung «Espresso» erneut eine hitzige Debatte.
Ältere Generation muss «digital mobil» bleiben
FDP-Gemeinderat Daniel Pellegrini verteidigt die Bezahlmethode via App: «Ich finde es wichtig, dass die ältere Population digital mobil bleibt.» Sein Vater habe den Umgang mit dem Smartphone mit über 70 Jahren auch noch gelernt. «Wenn die älteren Leute den Umgang mit den neuen Technologien nicht lernen, werden sie irgendwann von der Gesellschaft ausgeschlossen», sagt Pellegrini.
«Die neuen Bezahlmöglichkeiten werden geschätzt und schon rege genutzt.»
Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit Stadt Uster
Ältere Generation will kein Handy
Vehement gegen das Bezahlen der Parkgebühren mittels Smartphone ist eine Ustermerin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Sie sagt: «Ich finde es eine Zumutung, dass man mit einem Handy bezahlen muss. Mein Mann hat keins. Er wird sich auch keines zulegen.»
Sie seien beide im Rentenalter, sagt die Frau. Sie besitze selber ein Smartphone, sei aber bis jetzt noch nicht zum Zahlen an den Parkuhren in Uster gekommen. «Die ersten 30 Minuten sind ja noch gratis. Und meine Einkäufe mache ich anderswo, nicht in Uster.»
Das Wechselgeld war verloren
Als im Zuge der neuen Parkierungsverordnung anfangs 2017 die Parkgebühren auf einen Franken pro angebrochene Stunde festgelegt wurden, gab es Probleme mit den bestehenden Parkuhren. Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit bei der Stadt Uster, erklärt: «Die kleinen Parkuhren konnten kein Wechselgeld geben und das Geld zurückerstatten ging auch nicht.» Es habe diesen an der sogenannten Zwischenkasse gefehlt, die das ermögliche. Eine solche sei in Uster nur bei der grossen Parkuhr im grossen Apparat im Buchholz vorhanden.
«Überall ist alles nur noch mit Handy benutzbar. Eine kleinere Zahl der Bevölkerung wird immer mehr ausgeschlossen.»
Facebook-Nutzerin
Deswegen habe man sich bei der Stadt entschlossen, dass kleine Parkuhren nur noch Ein-, Zwei- oder Fünffränkler akzeptieren, damit die Leute kein Wechselgeld verlieren. Gleichzeitig habe man als Ersatz die bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten mit Kreditkarte und App eingeführt. Ganster sagt: «Diese Umstellung hat kaum Reklamationen ausgelöst; die neuen Bezahlmöglichkeiten werden geschätzt und schon rege genutzt.» Auch eine technische Anpassung der Apparate sei bei diesem Schritt notwendig geworden: Der mechanische Münzprüfer, der den Münzwert anhand Grösse und Gewicht erkennt, musste angepasst werden. Zudem ist ein neuer Chip eingebaut worden, ergänzt Ganster.
«Mein Handy weiss sowieso, wo ich bin.»
Daniel Pellegrini, FDP-Gemeinderat
«Stumpfsinn» und «Abzockerei»
«Bargeld ist obsolet und wird verschwinden», meint Pellegrini. Mit der App zur Deckung seiner Parkkosten, bezahle er bereits seit November. Er findet, dass die App noch weiter verbessert werden müsste. Standortbezogene Dienste, welche ihm die Position seines Parkplatzes anzeigen, wären eine grosse Hilfe. Sorgen wegen dem Datenschutz macht sich Pellegrini keine: «Mein Handy weiss sowieso, wo ich bin.»
Die Dame aus Uster versteht die allgegenwärtige Präsenz der Smartphones nicht: «Überall ist alles nur noch mit Handy benutzbar. Eine kleinere Zahl der Bevölkerung wird immer mehr ausgeschlossen.» Zur Parkierungsverordnung der Stadt Uster sagt sie: «Da ist so viel Stumpfsinn der Stadt mit ihren Parkplatzproblemen und das System, für eine angebrochene Stunde bezahlen zu müssen, ist Abzockerei.»
