Gemeinderat setzt Tagesschule auf die Wartebank
Mit ihrem Postulat wollten Tanja Walliser (SP/Grüne) und zehn Mitunterzeichnende vom Stadtrat wissen, ob in den Schulhäusern Stägenbuck und Birchlen nach deren Erweiterung eine Tagesschule möglich sei. «Tagesschulen verbessern die Chancengleichheit der Kinder», sagte Walliser gestern an der Sitzung des Gemeinderats.
Zudem rechne sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in Form höherer Steuererträge. Doch der Gemeinderat votierte mit 19 Nein- zu 11 Ja-Stimmen gegen ein Überweisung. Es war in Dübendorf der dritte Anlauf zu diesem Thema.
Der erste Versuch erfolgte vor rund 20 Jahren, damals in Form einer Volksinitiative, die von 600 Personen unterstützt wurde. Stadtrat, Schule und eine Mehrheit des Parlaments waren damals gegen die Pläne. Und am Ende auch das Stimmvolk, das der Initiative an der Urne eine deutlich Abfuhr erteilte.
Unnötiges Postulat
Vor vier Jahren schliesslich scheiterte ein Vorstoss der Gemeinderätinnen Gaby Gossweiler (FDP) und Andrea Kennel (parteilos, damals SP), die ihr Postulat zuvor zur Interpellation abgeschwächt hatten und vor allem über die Kosten reden wollten. Stadtrat und Schule jedoch hatten kein Interesse an einer Vertiefung der Diskussion.
«Persönliche Betreuung durch die Eltern, Liebe und Geborgenheit lassen sich nicht an Drittpersonen delegieren.»
Patrick Walder (SVP), Gemeinderat
Das hat sich mittlerweile geändert. «Das Postulat rennt offene Türen ein und ist deshalb unnötig», sagte gestern Bildungsvorsteherin Susanne Hänni (GLP/GEU). Derzeit seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Tagesschulen unklar. Die entsprechende Gesetzesänderung auf Kantonsebene werde aber voraussichtlich im Sommer vollzogen sein.
Dann werde man eine Arbeitsgruppe einsetzen und dem Gemeinderat im Zusammenhang mit einem Ausbau des schulergänzenden Angebots in einem Gesamtkonzept auch das Thema Tagesschule vorlegen.
Alle Kinder sollen profitieren können
Nicht einverstanden mit dem Vorgehen waren Barbara Schori im Namen der CVP-Fraktion sowie Andrea Kennel. Sie forderten vom Stadtrat die Beantwortung des Postulats zugunsten einer konstruktiven Diskussion.
Fundamentalkritik an der Idee einer Tagesschule kam einzig von der SVP. Wie schon vor vier Jahren hielt Patrick Walder ein leidenschaftliches Plädoyer gegen entsprechende Pläne. «Persönliche Betreuung durch die Eltern, Liebe und Geborgenheit lassen sich nicht an Drittpersonen delegieren», sagte er.
Die Ufzgi zu kontrollieren sei genauso wenig Sache der Schule wie die Erziehung. Durch eine kürzere, gestaffelte Mittagspause und den früheren Schulschluss leide zudem der klassenübergreifende Kontakt zu Kindern, die keine Tagesschule besuchten. Und wenn lediglich einzelne Schulhäuser Tagesschulen seien, dann bedeute dies das Ende der Quartierschulhäuser und bringe Umteilungen und längere Schulwege mit sich.
Hier zumindest gab Stadträtin Susanne Hänni dem SVP-Gemeinderat Recht: «Von einer Tagesschule sollen alle Schülerinnen und Schüler profitieren können.»
Die Geschäfte der Parlamentssitzung
- Der Dübendorfer Gemeinderat sprach sich ohne Gegenstimme für eine Erweiterung der Schulanlage Högler aus. Mit 19 zu 18 Stimmen hatte er zuvor den Antrag der Mehrheit der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission mit Kosten von 5,885 Mio. Franken favorisiert. Ausführlicher Bericht folgt.
- Das Postulat «Tagesschule in Birchlen und/oder in Stägenbuck» von Tanja Walliser (SP/Grüne) wurde mit 11 Ja- zu 19 Nein-Stimmen nicht überwiesen.
- Die Einzelinitiative von Cla Semadeni betreffend «Gesamtrevision der Ortsplanung» wurde vom Rat nicht unterstützt. Damit kommt die Initiative nicht an die Urne.
- Die Bauabrechnung für eine neue Küche und weitere Anpassungen in der Oberen Mühle wurde ohne Gegenstimme durchgewinkt.
- Der Gemeinderat genehmigte die Aufhebung der Bürgerrechtsverordnung einstimmig.
- Die Änderung der Geschäftsordnung des Gemeinderats wurde ohne Gegenstimme abgesegnet.
- Das Parlament genehmigte sieben Bürgerrechtsgesuche.
- Als Ersatz für Nadja Pauli wählte der Gemeinderat Joel Vuilleumier als Mitglied in der Jugendkommission für den Rest der Amtsdauer 2014-2018.
- Als Ersatz für Gerhard Kalt wurde Edith Bohli vom Parlament als Gemeinderatssekretärin für den Rest der Amtsdauer 2014-2018 gewählt. zo
