«Das Highlight war mein Beruf überhaupt»
Volker Vogel blickt auf eine beachtliche Sänger-Karriere zurück. Sie führte ihn als Charaktertenor in Oper, Operette und Musicals auf die grossen Bühnen dieser Welt. Nach Mailand, Madrid, Paris, Tokyo und nach New York in das vielleicht berühmteste Opernhaus der Welt, die Metropolitan Opera.
Dabei wollte Vogel, der seit Jahren im Oberland wohnt, «eigentlich immer Schauspieler werden», wie er im Gespräch im Café des Zürcher Bernhard Theaters erklärt. Die Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover brach er nach zwei Jahren ab, weil ihm die Art des Studiums nicht behagt habe, wie er sagt. Anstatt ins Schauspielerfach, wechselte er vorerst hinter die Bühne und wurde Regieassistent am Staatstheater in Hannover.
Sänger über Umwege
Aus dem Regie-Assistenten wurde ab 1979 nach einem Wechsel ans Theater Hildesheim ein Regisseur. «Das war der Deal. Ich sagte: ‹Ich komme, aber ich will selber eine Inszenierung machen›». Nach und nach zog es ihn dann vermehrt wieder auf die Bühne. Wann immer ein Sänger ausgefallen sei, habe er den Part ausgefüllt, weil er einst Gesang studiert habe. «Ich kam wieder auf den Geschmack, Theater zu spielen», sagt der 67-Jährige.
«Inszenieren kannst du immer. Damit es mit dem Singen klappt, musst du aber jetzt anfangen»
Volker Vogel, Sänger und Regisseur
Bei einem Sängerkollegen habe er wieder angefangen Stimmübungen, zu machen und den Gesang weiter auszubilden. Er habe damals eine Entscheidung fürs Leben gefällt. «Inszenieren kannst du immer. Damit es mit dem Singen klappt, musst du aber jetzt anfangen», habe er sich gesagt. So habe er das Inszenieren aufgegeben, in der Hoffnung irgendwann als bekannter Sänger in die Regie zurückkehren zu können.
Über die Umwege Dortmund, Freiburg und Wien landete Vogel 1991 am Opernhaus Zürich und wurde dort festes Ensemble-Mitglied. Rückblickend ein Glücksfall, wie er heute sagt: «Ich konnte alles singen, was ich mir je erträumt hatte. Hinzu kamen die sechs- bis achtwöchigen Gastspielverträge im Ausland.»
Trotzdem kündigte der Sänger 2009, sechs Jahre vor seiner Pensionierung, die sichere Stelle in Zürich. Vogel wendete sich wieder vermehrt dem Inszenieren zu. «Der Wechsel war gut, weil das Inszenieren immer mein Wunsch war. Zudem konnte ich in der Blütezeit meiner Sängerkarriere abtreten. Durch meinen eigenen Entschluss.»
Ist ihm der Wechsel nach der langen Zeit einfach gefallen? Vogel nickt. Wer einmal Regisseur gewesen sei, der werde dieses Denken nicht los, auch wenn er selber auf der Bühne stehe. Ähnlich wie ein Fussballer, der schon als Trainer denkt, während seine Karriere als Spieler noch läuft? «Genau. Ich habe mit grossen Opern-Regisseuren gearbeitet, mit grossen Dirigenten.»
«30 Jahre nachdem ich Hildesheim verliess, kehrte ich als Regisseur zurück. So hat sich ein Kreis geschlossen»
Volker Vogel, Sänger und Regisseur
Da lerne man viel über Fragen, wie man etwas auf der Bühne umsetze und wie man mit Musik am besten umgehe. Besonders gefreut habe es ihn, dass er 2015 das Stück «Die Fledermaus» in Hildesheim inszenieren konnte. «30 Jahre, nachdem ich Hildesheim verliess, kehrte ich als Regisseur zurück. So hat sich ein Kreis geschlossen», sagt Vogel und lacht.
Problemlose Doppelrolle
Derzeit erfüllt er sich als Schauspieler und Regisseur einen weiteren, lange gehegten Wunsch. «Ich wollte schon lange etwas in Zürich inszenieren. Und auch selber darin auftreten. Das hat sich mit ‹Pension Schöller› erfüllt.» Das Lustspiel von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, erstmals 1890 aufgeführt, feierte vergangene Woche im Zürcher Bernhardtheater seine Premiere. Es ist eine Produktion der Pamy-GmbH Mediaproductions, bei der Vogel derzeit als Leiter der Theaterprojekte tätig ist.
Volker Vogel kennt «Pension Schöller» seit seiner Kindheit. Jetzt bringt er die Komödie in Zürich auf die Bühne. (Quelle: youtube.com)
«Die Handlung von ‹Pension Schöller› ist zeitlos. Es geht darum, dass ein Mensch irgendeine Vorstellung hat, die er unbedingt durchboxen will.» Schon als Kind habe er das Stück geliebt. «Es ist eine sehr lehrreiche Komödie. Weil sie einfach zeigt, wie das Leben läuft.» Er sei ein grosser Verehrer von Lustspielen und Komödien. «Das ist mein Naturell», sagt Vogel. Dadurch, dass er sich stets in bösartigen Rollen ausleben konnte, seien Komödien ein guter Ausgleich.
Auch die Doppelrolle als Schauspieler und Regisseur behage ihm, erklärt der 67-Jährige auf Nachfrage. Er durchlebe als Regisseur jede Rolle. «Um ein Stück zu formen, muss ich jedem sagen können, wo seine Gefühle sind. Das ist mein Verständnis von Regie.» Man müsse als Regisseur auch die Fähigkeit haben, die Kollegen mitzuziehen. Da komme ihm die jahrzehntelange Bühnenerfahrung natürlich entgegen.
Aller Erfahrung zum Trotz übe er auch für seine aktuelle Rolle täglich 1 bis 2 Stunden den Text. «Wo sind die Feinheiten? Wo bin ich zu laut, wo zu leise? Was will ich ausdrücken?» Das seien die Fragen, die er bei den Proben beantworten müsse. «Das Auftreten selber ist mit so vielen Jahren Erfahrung dann kein Problem mehr», so Vogel.
«Das Highlight war mein Beruf überhaupt.»
Volker Vogel, Sänger und Regisseur
Ob er sich je überlegt hat, sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzuziehen? Der Regisseur, Schauspieler und Sänger lacht und sagt: «Ich arbeite gerne. Solange mir das noch Freude macht, und das ist der Fall, werde ich noch weiterarbeiten.» Es gefalle ihm auch, jungen Schauspielern etwas von dem mitzugeben, was er gelernt habe. Wenn er auf seine Karriere zurückblickt, mag er kein besonderen Höhepunkt herauspicken. «Das Highlight war mein Beruf überhaupt. Auch durch das viele Reisen. An viele Orte, wo ich hingerufen wurde, wäre ich sonst nie hingegangen.»
Pension Schöller ist noch bis am 4. März im Bernhard-Theater in Zürich zu sehen.
