Über das Losglück zum Wahlerfolg?
lang eher leise verlaufen: Noch verzichten viele Parteien auf die Plakatierung ihrer Kandidaten. Dementsprechend stehen zurzeit noch viele öffentliche Plakatplätze und Kandelaberplätze leer. Vergeben sind sie jedoch alle. Kandelaberplakate hängen in Uster hoch an den Strassenlaternen. Seit 2014 vergibt die Stadt Uster diese sowie andere für politische Reklame per Los an die Parteien.
74 Kandelaberplätze und 38 andere öffentliche Plakatplätze stellt die Stadt den Parteien zur Verfügung. Die Vergabe liegt in der Obhut der Verwaltungspolizei Uster. Deren Chefin, Anita Keller, sagt: «2010 war die Auslosung noch kein Thema. 2014 haben wir wegen der gewachsenen Nachfrage reagieren müssen und haben das Losverfahren eingeführt.» Die Zunahme der Nachfrage sei wohl dem Bedürfnis der Parteien zuzuschreiben, jede Möglichkeit der Werbung wahrnehmen zu wollen. Welches die beliebtesten Standorte sind, sei nicht auszumachen. Keller sagt aber: «Grosse Nachfrage bei den Parteien gab es insbesondere entlang der Durchgangsstrassen, zum Beispiel für den Plakataushang bei der Wilstrasse.»
«Da sind wir schlecht weggekommen.»
Hans Keel, Gemeinderat (SVP)
Bei der Auslosung haben sich einige Parteien für alle Standorte beworben, andere wiederum nur für ein paar, erklärt Keller. Das habe teilweise eine
ungleiche Verteilung gegeben. Gegen die Auslosung habe sich aber auf Kellers Nachfrage keine der anwesenden Parteivertreter beschwert. «Trotzdem wollen wir das aktuelle Losverfahren überdenken und weiterentwickeln», so Keller.
Unzufriedene SVP
Unzufrieden mit der Losvergabe ist die SVP. Gemeinderat Hans Keel: «Wir haben einen taktischen Fehler gemacht, weil wir uns für acht Plakatplätze beworben haben und nur zwei davon per Los bekommen haben. Da sind wir schlecht weggekommen. Wir hätten uns für mehr Plätze bewerben müssen.» Das Ziel sei es gewesen, die fehlenden Standorte im Zentrum abzudecken. Bekommen habe man nur die Standorte in Sulzbach und beim Hallenbad. «Wir haben nicht versucht, dies noch auszugleichen», sagt Keel. Er würde sich wünschen, dass alle Parteivertreter, die um die Plätze mitmischen, bei der Losvergabe anwesend sein müssten. So sei die Chance eines guten Ausgleichs grösser.
«Alle sieben Standorte bei den Ustermer Verkehrsknotenpunkten, die ich wollte, habe ich bekommen.»
Werner Kessler, Gemeinderat (BPU)
Die Möglichkeit, Standorte untereinander zu tauschen, sei ein legitimes Mittel, sagt Keller von der Verwaltungspolizei. «Der Verkauf der Plätze ist aber untersagt.» Die Parteivertreter müssten bei der Auslosung eigentlich anwesend sein, in diesem Jahr sei jedoch noch eine Ausnahme gemacht worden. Im nächsten Jahr sei für diejenige Partei, deren Vertreter dann nicht anwesend seien, ein Ausschluss im Losverfahren angedacht, so Keller.
Kein Interesse an den Kandelaber
Die Tauschoption hat BPU-Gemeinderat Werner Kessler wahrgenommen. Er ist auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis: «Alle sieben Standorte bei den Ustermer Verkehrsknotenpunkten, die ich wollte, habe ich bekommen. Mir ist zudem eine gute Verteilung der Plakate wichtig, das wurde erreicht.» Die Kandelaber, welche sich im gut frequentierten Stadtzentrum befinden, interessieren Kessler nicht. Diese seien zu teuer und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme nicht.
Die SVP erachtet die Kandelaber hingegen als wichtige Werbeplattform. Hans Keel sagt, dass er sich für zwölf Kandelaberplätze beworben und alle bekommen habe. «Bis 4. März stellen wir alle der FDP zur Verfügung für ihre Sekundarschulpflegekandidaturen.» Danach sol-len dann die eigenen Plakate hängen. «Stadtratskandidatin Anita Borer wollte aber nicht auf einen Kandelaber.»
«Für uns als Umweltpartei wäre ein Platz an der Schifflände besonders interessant.»
Patricio Frei, Fraktionschef der Grünen
Quantität vor Qualität
Für die Ustermer Grünen waren die Kandelaber kein Thema. Fraktionschef Patricio Frei sagt: «Die Kandelaber befinden sich zu weit oben, ausserhalb des Sichtfeldes der Leute.» Anders sehe es bei den öffentlichen Plakatstandorten aus. Dort habe man zwar nicht die besten Standorte erwischt, aber dafür mit 8 Plätzen von insgesamt 38 eine gute Anzahl. «Für uns als Umweltpartei wäre ein Platz an der Schifflände besonders interessant, wo die Menschen die Nähe zur Natur suchen», so Frei
Er sei aber grundsätzlich mit dem Los zufrieden. «Durch das aktuelle Verfahren kann es grosse Differenzen bei der Anzahl Standorte geben. Wir würden es begrüssen, wenn dabei das Losglück weniger stark ins Gewicht fällt.»
Beliebte Plakatierung auf privatem Boden
Die Grünen werden kurz nach der Abstimmung der Waldinitiative am 4. März für ihre Stadtratskandidatin Karin Fehr Thoma auf den Plakaten werben. Alle Parteien setzen aber nicht nur auf die öffentlichen Stellplätze, sondern auch auf die Plakatierung auf privatem Boden. Vor acht Jahren war die politische Reklame auf Privatboden noch bewilligungspflichtig, jetzt ist sie erlaubt solange die strassenverkehrsrechtlichen Normen eingehalten werden.
Die BPU will Mitte März rund 32 Plakate auf privatem Grund aufgestellt haben. 42 Plakate will die SVP Anfang März bei Landwirten und Privatpersonen aufstellen. Auch die Grünen werden gemäss Patricio Frei mit über zwölf Plakaten auf privatem Boden werben.
Gutes Netzwerk gibt viele Plakatplätze
Unisono sagen die drei Parteien, dass sie dabei auf ein Netzwerk zählen können und – anders als auf städtischem Grund – auf niedrigere Mietpreise. Im öffentlichen Raum beträgt die Miete für einen Plakatplatz rund 20 Franken pro Standort und Woche, für einen Kandelaber 20 Franken pro Woche. Noch sind nicht alle Plakate gestellt. Spätestens ab Mitte März wird der Plakatwald dichter und der Wahlkampf so richtig lanciert.
