Politik

Privatbahn übernimmt Strecke Hinwil-Bäretswil

Die auf Nostalgiefahrten spezialisierte Sursee-Triengen-Bahn (ST) übernimmt die Trägerschaft der Bahnlinie Hinwil-Bäretswil Tobel. Damit sind die nostalgischen Züge des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) gesichert.

Die Bahnstrecke zwischen Hinwil und Bäretswil soll Mitte 2017 an eine neue Trägerschaft übergeben werden. (Archivbilder: Züriost), Bisher fuhren auf der Strecke nur noch der DVZO und die Cargo Züge der SBB bis zum Kieswerk der FBB AG in Bäretswil., Die Strecke zwischen Bauma und Bäretswil gehört schon seit dem Jahr 2000 dem DVZO. , Die Treffen des DVZO in Bauma locken jedes Jahr hunderte Menschen ins Tösstal , Nun übernimmt die Sursee-Triengen-Bahn (ST) die Strecke zwischen Hinwil und Bäretswil. Die sonntäglichen DVZO-Fahrten zwischen Bauma und Hinwil können somit erhalten bleiben.

Privatbahn übernimmt Strecke Hinwil-Bäretswil

Auf der Strecke Hinwil-Bäretswil Tobel verkehrt schon seit Jahrzehnten kein regionaler Personenverkehr mehr. Nur noch die sonntäglichen Dampfbahnfahrten des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) zwischen Hinwil und Bauma sowie die SBB Cargo AG bis zum privaten Anschlussgleis des Kieswerkes der FBB AG nutzen die Gleise.

Im März 2016 teilten die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) mit, dass sie die Strecke zwischen Hinwil und Bäretswil Tobel künftig nicht mehr betreiben wollen – aus finanziellen Überlegungen. Sie suchten deshalb nach einer neuen Trägerschaft.

Die Stilllegung drohte

Sollte keine gefunden werden, drohten die SBB den 5,6 Kilometer langen Gleisabschnitt stillzulegen. Dadruch hätte der DVZO seine Nostalgiefahrten nur noch zwischen Bäretswil und Bauma durchführen können. 

Doch das bleibt dem DVZO nun offenbar erspart. Denn die SBB haben eine neue Trägerschaft gefunden: Die Sursee-Triengen-Bahn (ST). «Wir sind ein Kleinunternehmen und betreiben neun Kilometer Gleis zwischen Sursee und Triengen mit ähnlichen Voraussetzungen», sagt Matthias Emmenegger, Verantwortlicher Infrastruktur bei der ST. Wie zwischen Hinwil und Bäretswil Tobel verkehrten bei ihnen auch nur Güter- und kein Personenverkehr. «Wir arbeiten mit wenig finanziellen Mitteln und sind immer auf der Suche nach innovativen Lösungen.» 

Das BAV sei auf sie zugekommen und habe sie gefragt, ob sie Interesse an der Strecke hätten. «Sie waren der Meinung, der Abschnitt könnte in unser Portfolio passen.»

Nostalgiefahrten gesichert
 
Für die ST lohne sich die Übernahme insofern, als dass sie ihre bisherigen Teilzeitpensen erhöhen könnten. «Derzeit sind es bei uns rund 250 Stellenprozent.» Zudem könnten sie nun ihr Konzept, das sich laut Emmenegger bewährt hat, auf das Zürcher Oberland ausweiten. Auch aus finanzieller Sicht sei der Entscheid richtig: «Wir können die Strecke zu vernünftigen Preisen erhalten.» 
 
Für die SBB Cargo und den DVZO ändere sich nichts. Beide bezahlten künftig statt der SBB einfach der ST die Trassenpreise. Diese seien vom Bund vorgeschrieben und für alle gleich. Somit seien auch die Nostalgiefahrten des DVZO weiterhin gesichert.

Absprache mit dem DVZO

Da es sich bei der Übernahme um einen Infrastrukturabtausch zwischen zwei Bahnunternehmen handle, wechsle kein Geld den Besitzer, so Emmenegger weiter. Die ST übernehme von den SBB sowohl die Schulden, die das Unternehmen beim Bund habe, als auch den Wert der Strecke. «Das ist eine Null-Rechnung.» 
 
Die ST will die Strecke in der zweiten Jahreshälfte von den SBB übernehmen. Wann genau, sei noch unklar, sagt Emmenegger. «Wir wollen uns mit dem DVZO absprechen – damit die Übernahme für sie zum bestmöglichen Zeitpunkt kommt.» 

«Jetzt kann es weitergehen»

Beim DVZO freut man sich, dass sich eine Lösung ergeben hat. «Jetzt kann es weitergehen», sagt Präsident Hugo Wenger. Für den Verein sei dies das Wichtigste.

Grundsätzlich habe man sich auch vorstellen können, die Strecke selber zu betreiben. «Die Verantwortlichen beim BAV haben uns in den Diskussionen jedoch schon früh nicht mehr in Betracht gezogen und eine allseits bessere Lösung angestrebt.»

Leichte Ausweitung statt zusätzliche Leistungsvereinbarung

Das BAV habe empfohlen, die Strecke einer bestehenden Infrastrukturbetreiberin zu übergeben, bestätigt Sprecher Gregor Saladin. Da dort Güterverkehr stattfinde, bezahle der Bund den Substanzerhalt mit.

Aufgrund dieser Bundesgelder benötigt das BAV getrennten Rechnungen für Infrastruktur und Verkehr bestehen. Innerhalb eines Vereins, der sich vor allem mit dem Erhalt und Betrieb von historischem Rollmaterial befasst, sei das schwierig. «Das BAV begrüsst es darum, dass eine bestehende Infrastrukturbetreiberin bereit ist, die Strecke von der SBB zu übernehmen.» Dies habe lediglich eine leichte Ausweitung der bestehenden Leistungsvereinbarung mit der ST zur Folge statt eine zusätzliche mit einem weiteren Unternehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das BAV einem Bahnunternehmen den Vorzug gibt: Bereits im Fall der Strecke Sumiswald–Huttwil/Wasen bestand das Bundesamt darauf, dass nicht ein Dampfbahnverein die Strecke übernimmt.                

 

Die Geschichte der Bahnlinie

Die Bahnstrecke verkörpere ein wichtiges Stück Zürcher Oberländer Eisenbahngeschichte, ein eigentliches Kulturerbe, heisst es auf der Website des DVZO. 1901 nahm auf ihr die legendäre Uerikon-Bauma Bahn UeBB ihren Betrieb auf. Nach erfolgter Elektrifikation im Herbst 1947 wechselte die Infrastruktur und die Konzession des Streckenteils Hinwil – Bäretswil – Bauma zu der SBB.

1969 stellten die SBB den Personenverkehr auf der gesamten Strecke ein; zwischen Hinwil und Bäretswil, später nur noch bis Bäretswil Tobel, blieb aber der Güterverkehr weiterhin erhalten. Seither fahren nur noch die Züge des DVZO auf der Strecke zwischen Bäretswil und Bauma. Der Abschnitt gehört schon seit dem Jahr 2000 dem DVZO. zo

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