Schulhaus Stägenbuck wird erneut zum Riesenprojekt
Der Projektwettbewerb für die Erweiterung und Sanierung der Schulanlage Stägenbuck ist abgeschlossen; vergangene Woche wurden die beteiligten Projekte erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Auf den ersten Podestplatz geschafft hat es das Projekt Appia des Zürcher Architekturbüros Niedermann Sigg Schwendener. Es beinhaltet zwei markante Neubauten. Der eine davon befindet sich direkt anschliessend an das Schulhaus an der Zwinggartenstrasse und soll ermöglichen, den Klassenbestand der Sekundarschule von 13 auf 21 zu erhöhen. Über die ganze Schulanlage gesehen, wird das Kontingent von 28 auf 42 Klassen erweitert.
Der andere Neubau soll etwas abgesetzt vom Primarschulhaus auf der Grundfläche des heutigen Lehrschwimmbeckens erstellt werden und Platz bieten für die Schulverwaltung, den erweiterten Kindergarten, die Bibliothek oder die Tagesbetreuung.
Bestehende Hallen werden umgebaut
Vom ambitioniertesten Element des Projekts wird am Ende kaum etwas zu sehen sein: Die Dreifachturnhalle soll präzis unterirdisch zwischen der bestehenden Sporthalle, dem Singsaal und dem Primarschulhaus eingepasst werden. Mit Tageslicht versorgt wird die Halle über Glasbausteine, die im darüber liegenden, neugestalteten Pausenplatz eingebaut werden.
«Alle wichtigen Räume werden künftig per Lift erschlossen sein»
Susanne Haenni (GLP/GEU), Präsidentin Primarschulpflege
Mit dem zusätzlichen Platz für den Sportunterricht werden die zwei bestehenden Einfachturnhallen nicht mehr benötigt. Vorgesehen ist, die Gebäude umzubauen und so weitere Räume nutzbar zu machen.
Höhe der Kosten noch nicht bekannt
Als die Schulanlage Stägenbuck Anfang der 70er Jahre gebaut wurde, war die Zugänglichkeit für Menschen mit einer Behinderung noch kein vordergründiges Thema. Heute ist das anders. Doch die verwinkelte Bauweise und die vielen Zwischengeschosse der Gebäude machten es den heutigen Planern nicht eben einfach. «Alle wichtigen Räume werden künftig aber per Lift erschlossen sein», sagt Susanne Hänni (GLP/GEU), die Präsidentin der Primarschulpflege.
Über die Höhe der Kosten will Hänni keine Angaben machen, dafür sei es noch zu früh. Dass das Projekt aber nicht aus der Portokasse finanziert werden kann, macht eine Schätzung aus früheren Jahren deutlich, als von 30 bis 40 Millionen Franken die Rede war – allein für den Teil der Primarschule respektive der Stadt Dübendorf. Für den Bereich der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach wäre noch einmal so viel dazugekommen.
«Rückblickend ist die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege insgesamt gut gewesen»
Susanne Haenni (GLP/GEU), Präsidentin Primarschulpflege
Die damalige Machbarkeitsstudie basierte allerdings auf einem ganz anderen Konzept. So war ein wuchtiger Erweiterungsbau über einer Mehrfachturnhalle angedacht, und zwar dort, wo die zwei Einzelturnhallen sind. «Die heute vorliegende Variante war für die Jury schliesslich überzeugender», sagt Susanne Hänni.
Denkmalpflege mit an Bord
Und dann war da auch noch die Denkmalpflege, die mitreden wollte, befindet sich die Anlage doch im kantonalen Inventar schützenswerter Objekte, also quasi unter Beobachtung. Dies weil das Schulhaus in seiner Farbgebung und Kubatur an nordafrikanische Lehmbauten gemahne und damit ein typischer Zeuge der Architektur der 70er Jahre sei, so die Denkmalpflege. Diese Begründung sorgte damals vielerorts für Kopfschütteln. Nichtsdestotrotz ging es erst einmal zurück auf Feld eins, und fortan war die Denkmalpflege mit im Team und als Teil der Jury zusammen mit Vertretern der Stadt, der beiden Schulgemeinden und mehreren Architekten auch für den Projektwettbewerb zuständig.
«Rückblickend ist die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege insgesamt gut gewesen», sagt Hänni. Um einen Konsens zu finden, habe man viele Gespräche geführt. Und zuletzt sei die kantonale Stelle den Projektverantwortlichen entgegen gekommen.
Massive negative Auswirkungen befürchtet
Der Denkmalschutz ist auch im Parlament ein Thema. So äussern Gemeinderätin Stefanie Huber (GLP/GEU) und neun Mitunterzeichnende in einem Postulat ihre Befürchtung darüber, dass die denkmalpflegerische Erhaltung von Einzelobjekten auf dem Areal «massive negative Auswirkungen» auf die Gestaltung und die Kosten des Projekts und die spätere Nutzung durch die Schule haben könnte. Sie stellen die Schutzwürdigkeit der Anlage in Frage und fordern den Stadtrat auf, ein so genanntes Provokationsbegehren zur Entlassung aus dem Inventar zu prüfen.
Die Projektgruppe wie auch die beiden Schulpflegen und der Stadtrat stehen einem solchen Begehren eher zurückhaltend gegenüber, da mit einem längeren Rechtsstreit, hohen Kosten und einer Phase grosser Planungsunsicherheit zu rechnen sei, wie es in der Antwort auf das Postulat heisst. Um die Mehrkosten für die denkmalpflegerischen Massnahmen besser abschätzen zu können, will der Stadtrat nun erst einmal vertiefte Abklärungen vornehmen - bevor Geld für ein Vorprojekt mit detaillierter Kostenprognose ausgegeben wird. Bei Bedarf könne diese Schätzung den Kosten eines Neubaus gegenübergestellt werden, so der Stadtrat.
Auch vom Schwimmbad abhängig
Schulpräsidentin Susanne Hänni schätzt, dass das Projekt aufgrund dieser «Zwischenrunde» zeitlich um ein Jahr nach hinten verschoben wird. Doch auch wenn danach alles optimal läuft, geht sie nicht von einer Fertigstellung der ersten Bauetappe vor Ende 2024 aus. Der Ergänzungsbau der Sekundarschule könnte jedoch wesentlich früher bereit sein, da dort die politischen Wege kürzer sind.
Ohnehin beinhaltet das jetzige Projekt mit dem Abriss des Lehrschwimmbeckens noch einen beträchtlichen Unsicherheitsfaktor, hängt dieser Aspekt doch direkt mit dem geplanten Hallenbad-Neubau zusammen, den der Stadtrat beim Freibad vorgesehen hat. Und der befindet sich ebenfalls noch in einer ganz frühen Projektphase. Die Erweiterung und Sanierung der Schulanlage ist gemäss Hänni aber so ausgelegt, dass sie in einem ersten Schritt auch ohne den Neubau auf dem Gelände des Lehrschwimmbeckens ausgeführt werden kann.
Die am Wettbewerb beteiligten Projekte können während den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung noch bis am 2. März im Foyer des Stadthauses besichtigt werden.
