Hohe Heizkosten, kalte Turnhalle
Sportler brauchen fürs Aufwärmen in der Dreifachturnhalle im Buchholz Uster länger als anderorts. Während am Freitagmorgen vor der Tür der temporären Dreifachturnhalle kühle minus 1 Grad Celsius herrscht, ist es drinnen, je nach Messstandort, mit 11 bis 16 Grad immer noch sehr frisch. Der Grüne Gemeinderat Patricio Frei hat auch deswegen eine Anfrage an den Stadtrat gerichtet. Darin heisst es: «Offenbar liegt der Energieverbrauch viel höher als erwartet. Daher wurde die Temperatur in der Halle im Winter heruntergesetzt.» Weiter schreibt er, dass zahlreiche Nutzer mit den Bedingungen in der Halle nicht einverstanden seien. «Turnlehrer haben teils Temperaturen von sechs Grad gemessen», sagt Frei.
Den Wänden entlang ist es wegen der schlechten Isolation kälter als in der Hallenmitte oder in den Umkleideräumen.
Beat Berger, Geschäftsfeldleiter Sport Stadt Uster
Mehrere Messstation in der Halle
Beat Berger, Geschäftsfeldleiter Sport der Stadt Uster, bestätigt die Beschwerden: «Die Berufsfachschule und der Unihockey Club Uster haben sich wegen der Temperatur in der Turnhalle bei uns gemeldet.» Seit den ersten Reklamationen im vergangenen Herbst werde mit mehreren Thermometern in der Halle gemessen. Dabei zeigen sich grosse Temperaturunterschiede, so Berger. «Den Wänden entlang ist es wegen der schlechten Isolation kälter als in der Hallenmitte oder in den Umkleideräumen.»
Im Herbst war es kurze Zeit wirklich sehr kalt, damals haben wir fünf Grad gemessen.
Diego Richina, U-14-Trainer Unihockey Club Uster
Damit verbundenen sei eine hohe Abwärme und ein relativ hoher Energieverbrauch. Folglich seien auch die Energiekosten höher als geplant. Die Temperaturen sollten etwa den Zielwert von 14 bis 16 Grad erreichen, sagt er. Er verstehe die Klagen, erinnert aber daran, dass die temporäre Dreifachturnhalle, wie der Name schon sage, ein Provisorium sei. Die erste und einzige der Schweiz, soweit er wisse.
«Harte Kerle» stossen an ihre Grenzen
Die Zielwerte von 14 bis 16 Grad Celsius seien laut Diego Richina, U-14-Trainer des Unihockey Clubs (UHC Uster ), nicht immer erreicht worden. «Öfters hatten wir 11 bis 12 Grad. Im Herbst war es kurze Zeit wirklich sehr kalt, damals haben wir fünf Grad gemessen. Meine Jungs sind zwar harte Kerle, aber das war kaum mehr zumutbar.»
Der UHC Uster ist einer der Hauptmieter der Dreifachturnhalle, viermal wöchentlich wird dort trainiert und gespielt. Mittlerweile seien die «harten Kerle» teils langärmlig und mit langen Hosen auf dem Feld. Die Kälte sei besonders während den Besprechungspausen zu spüren und bei Trainingsspielen frören die Auswechselspieler. «Solange wir uns bewegen, ist die Kälte jedoch nicht tragisch», so Richina.
Turnlehrer sind in Daunenjacke gehüllt.
Bruno Donadei, Adjunkt Kantonsschule Uster
«Unzumutbare Temperaturen»
Auch beim Verband Swiss Unihockey hat man von der kühlen Ustermer Halle erfahren. Carla Scheidegger, Verantwortliche des Spielbetriebes des Verbandes, schreibt: «Dem Verband wurde auf offiziellem Weg gemeldet, dass in der Temporärhalle in Uster unzumutbare Temperaturen während eines Meisterschaftsspiels herrschten. Wir baten den UHC Uster, zu dem Vorwurf Stellung zu beziehen und meldeten, dass wir im Wiederholungsfall die zuständige Kommission über die Umstände informieren würden. Diese würde über das weitere Vorgehen entscheiden.» Der Verband empfiehlt in dem Schreiben, gestützt auf das Bundesamt für Sport eine Mindesttemperatur von 16 Grad Celsius.
UHC-Uster-Präsident Michael Reimann bestätigt die Meldung des Verbandes zu den «unzumutbaren Temperaturen». Daraufhin habe er die Stadt informiert und diese habe versprochen das Problem zu überprüfen. Doch die kalte Halle sei weiterhin ein Problem. «Wenn gegnerische Teams zu einem Meisterschaftsspiel nach Uster kommen, erwarten die nicht, dass sie in einem Kühlschrank spielen müssen und für uns ist die Kälte kein Heimvorteil, sondern einfach nur unangenehm.» Ausserdem bestehe so immer die Gefahr, vom Verband ein Austragungsverbot von Meisterschaftsspielen auferlegt zu bekommen, so Reimann.
Frierende Trainer
Reklamationen erhielten auch die Verantwortlichen der Kantonsschule Uster. Bruno Donadei, Adjunkt der Kantonsschule, sagt: «Turnlehrer haben sich über die Kälte beschwert. Sie sind die Leitragenden, wenn sie neun Lektionen bei 10 bis 13 Grad Celsius durchstehen müssen. Die Schüler bewegen sich und frieren nicht, deshalb haben wir auch keine Beschwerden von deren Seite.» Hingegen seien die Turnlehrer in Daunenjacke gehüllt und es seien auch schon einige von ihnen krank gewesen.
Kantonsschule beteiligt sich an Heizkosten
Mit Beat Berger von der Stadt Uster und der Berufsfachschule Uster, die sich zu dem Fall nicht äussern möchte, führe man seit vergangenem Herbst gute Gespräche, sagt Donadei. Bei tiefen Temperaturen sei wohl die Heizung nicht genügend aufgedreht worden, weil sonst die Energieeffizienz ungenügend gewesen wäre. «Effektiv braucht es aber eine stärkere Beheizung», sagt Donadei. Um die Situation zu entschärfen, habe man darum beschlossen, sich zusammen mit der Berufsfachschule Uster an den Heizkosten zu beteiligen. Über die Höhe der Beteiligung will Donadei keine Angaben machen. Er sagt aber: «Die Kosten liegen im fünfstelligen Bereich.»
Bruthitze in der Halle
Berger räumt ein, dass es in der Übergangszeit zwischen Herbst und Winter nach der Inbetriebnahme der Heizung vereinzelt zu technischen Problemen gekommen sei. Eine absichtliche Drosselung der Heizung habe es nicht gegeben. Fragen zu den Heizkosten werden erst bei der Behandlung von Freis Vorstoss durch den Stadtrat beantwortet, so Berger.
Wahrscheinlich wird den Sportlern im Sommer die schlechte Isolation erneut zu schaffen machen. Donadei sagt: «Auf die kühlen Temperaturen von bis zu sechs Grad Celsius, kann schweisstreibende Hitze von bis zu 40 Grad in der Halle folgen. Im Sommer haben wir aber bessere Ausweichmöglichkeiten für den Sportunterricht. Das Schwimmbad bietet da eine gute Alternative.»
Heizsystem der Dreifachhalle Buchholz
Die temporäre Dreifachturnhalle wurde 2016 eröffnet und soll Mitte 2019 wieder abgebaut werden. Keramik-Gasstrahlplatten heizen die Dreifachturnhalle auf. Die Heizkörper sind auf einer Höhe von sechs bis acht Metern über dem Hallenboden montiert. Diese sollen gemäss Factsheet zur Turnhalle verschiedene Vorteile bringen. So wirke die Heizung direkt auf den Benutzer und den Boden, nicht auf das Luftvolumen. Die gewünschte Temperatur könne beinahe sofort ohne Vorheizen erreicht werden. Auch sei das Heizsystem energiesparsam und die Heizstunden würden auf die Spielzeit limitiert.
