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Weltstars, Schleichverkehr und die ICF

Ausverkaufte Konzerte und Grössen des internationalen Showbusiness, aber auch Kontroversen um Parkplätze und eine Freikirche als Mieterin sind Teil der ersten Jahresbilanz der Samsung Hall. Der Event-Tempel am Dübendorfer Stadtrand ist sowohl auf der ganz grossen Bühne als auch in der lokalpolitischen Realität angekommen.

Die Samsung Hall bietet total Platz für über 5000 Personen und kann für bestimmte Anlässe auch bestuhlt werden. (Archivfoto: Fabio Meier), Der Schweizer Popsänger Bligg gab am 27. Januar ein Konzert zur Eröffnung der neuen Halle. (Archivfoto: Seraina Boner), Amy Macdonald war in Dübendorf genauso zu Gast wie..., ... Schockrocker Marilyn Manson und..., ... Jordan Belfort, der echte Wolf of Wallstreet. (Archivfotos: Renato Bagattini und Fabio Meier)

Weltstars, Schleichverkehr und die ICF

Es sind wenige Meter, die die in Dübendorf gelegene Samsung Hall von der Stadt Zürich trennen, doch auch diese geringe Distanz zeitigt Auswirkungen: Dank dem am 27. Januar 2017 eröffneten Event Tempel darf die 27‘000-Einwohnerstadt Dübendorf regelmässig Weltstars wie Sting, Alice Cooper oder Amy Macdonald auf ihrem Gebiet begrüssen. Zürich bleibt diesbezüglich das Nachsehen – ein Umstand, den die an Events und prominenten Gästen nicht eben arme Stadt allerdings verkraften dürfte.

Dass die 40 Millionen Franken teure Samsung Hall zu Dübendorf und nicht zu Zürich gehört hat indes auch ganz praktische Folgen – zum Beispiel für die Bewohner in der Umgebung. Diese beklagten sich jüngst über den Schleichverkehr, den sie vor Grossveranstaltungen jeweils vor ihrer Haustür haben. Forderungen nach Fahrverboten und Barrieren kamen auf (siehe Box).

Auch mit derartigen, wenig glamourösen Aspekten mussten sich die Betreiber der Samsung Hall in ihrem ersten Jahr herumschlagen. Ihre Bilanz fällt dennoch positiv aus: «Wir sind sehr gut gestartet, wirtschaftlich und von der Anzahl Events her. Von den ersten zehn Konzerten waren acht ausverkauft», sagt Anke Stephan, die Geschäftsführerin der Eventpark AG, die die Samsung Hall für die Eigentümerin, die EPZ Immobilien AG, betreibt.

Suche nach eigener Identität

Die Samsung Hall sollte im Raum Zürich die Lücke zwischen Hallenstadion, das rund 13‘000 Besuchern Platz bietet und kleineren Veranstaltungssälen wie dem Zürcher «Volkshaus», dem «X-tra» oder dem «Dynamo» schliessen. Obschon die Halle, in der über 5000 Personen Platz haben, mit hohen Erwartungen verknüpft war, ist das positive Zwischenfazit Stephans in der Retrospektive nicht selbstverständlich: Denn der Start war mit Problemen behaftet. Die Bauarbeiten kamen nicht wunschgemäss voran, die Eröffnung und erste Konzerte mussten vom Winter 2016 auf den Januar 2017 verschoben werden. «Die ersten Monate waren sehr sportlich, der Betrieb zu stemmen eine Herkulesaufgabe», so Stephan.

Noch immer sei sich das Samsung-Hall-Team in einigen Bereichen am «Einspielen» und versuche die Abläufe zu optimieren, zum Beispiel wenn es um die Garderobensituation oder das Catering gehe. Auch die Frage, für welche Art von Veranstaltungen die Samsung Hall stehen soll, könne sie nach einem Jahr noch nicht beantworten, so Stephan. «Wir sind an sich ein offenes Haus und wollen vom künstlerischen Angebot her bunt sein.» So waren im ersten Jahr nicht nur die besagten Musiker von Weltformat sondern auch Bühnenkünstler wie das Cabaret Divertimento (gemäss Stephan ein Highlight, alle vier Aufführungen seien innert Kürze ausverkauft gewesen) in der Samsung Hall zu Gast. In den insgesamt drei Räumlichkeiten – neben der grossen Halle gibt es noch einen Club und eine Loft – gingen in den ersten zwölf Monaten rund 200 Veranstaltungen über die Bühne. Dazu zählen auch grosse Firmenevents, die in der Samsung Hall regelmässig stattfinden.

Trotz der Diversität: Längerfristig verfolgen die Samsung-Hall-Betreiber das Ziel, einen Wiedererkennungswert der Acts und ein «Samsung Hall typisches Künstlerprofil» zu schaffen. Es soll gar ein hauseigenes Event-Format aufgebaut werden, so Stephan. Aktuell werden die meisten Künstler in der Regel von Veranstaltern angeboten und von der Betriebsgesellschaft nicht direkt gebucht.

Kontroverse Gäste

Dass die Künstlerwahl auch Anlass für Kontroversen sein kann, mussten die Samsung-Hall-Verantwortlichen im ersten Jahr gleich mehrfach erfahren: So sorgte zum Beispiel die Einladung von Gölä an die Eröffnungsfeier bei einigen für Kopfschütteln. Der Mundartrocker hatte einige Monate zuvor ein umstrittenes Interview im «Sonntags Blick» gegeben. 

Doch kein Gastrauftritt wurde in den Medien derart diskutiert, wie jener des amerikanischen Schockrockers Marilyn Manson. Grund: Der skandalumwitterte «Antichrist Superstar», der das Christentum auch schon «faschistisch» genannt hatte, trat in jenen Hallen auf, wo jeden Sonntag die bekannte Freikirche International Christian Fellowship (ICF) ihre Gottesdienste abhält. Das symbolische Aufeinandertreffen von Himmel und Hölle sei für die Medien ein «gefundenes Fressen» gewesen, sagt Stephan. Von der Idee, den Musiker zu buchen, sei man grundsätzlich «mässig begeistert» gewesen, doch zähle letztlich auch ein Marilyn Manson zu jener Vielfalt an Künstlern, die man dem Publikum präsentieren wolle.

Und dennoch: Nochmals in die Samsung Hall holen werde man Manson nicht. «Mit seinem Booking holten wir uns unnötigen Stress ins Haus», so Stephan. Die Begeisterung der Sockelmieterin ICF habe sich erwartungsgemäss in Grenzen gehalten, einige negative Rückmeldungen habe es durchaus gegeben.

«Mit Marilyn Manson’s Booking holten wir uns unnötigen Stress ins Haus» – Anke Stephan, Geschäftsführerin Eventpark AG

Als regelmässige Mieterin  füllt die Freikirche die Halle an den ansonsten eher eventarmen Sonntagen mit 3000 bis 4000 Personen und generiert ihr wichtige Einnahmen. Stephan betont dann auch, dass die ICF eine wichtige und willkommene Mieterin sei. Sie sagt aber weiter, dass die Samsung Hall wirtschaftlich «selbstverständlich auch ohne die ICF» funktionieren könnte und verneint damit die Frage, ob eine Abhängigkeit besteht.

Ein Hexenkessel?

Neben Verkehr und ICF gab im ersten Jahr Samsung Hall noch ein weiterer Punkt zu reden: die Akustik. Die einen sind von ihr begeistert. «Das ist einer der besten Hallen, in der wir je gespielt haben», sagte zum Beispiel ein Audio Ingenieur aus der Crew der britischen Musiklegende Sting. Andere Künstler stimmten ins Loblied ein.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch kritische Stimmen: «Etwas enttäuscht», zeigte sich zum Beispiel André Béchir, CEO des Konzertveranstalters ABC nach den Eröffnungskonzerten. Der Sound sei «zu laut oder zu dumpf», meinte er. Auch von Besuchern gab es neben positiven auch negative Rückmeldungen (wir berichteten).

Von einer entsprechenden Debatte habe sich nichts mitbekommen, sagt Anke Stephan. «Von Künstlern wurde die Halle ausschliesslich gelobt – für ihre Akustik aber auch, weil sie dem Publikum sehr nahe sind». Grundsätzlich sei die Akustik wie das Bühnenbild aber auch Sache des jeweiligen Künstlers, die Halle könne lediglich den Rahmen bieten. Und dieser stimme auf jeden Fall: «Die Samsung Hall ist ein Hexenkessel», so Stephan.

 

Wegen Verkehr: Rote Köpfe bei den Nachbarn

Den Standort der Samsung Hall beim Bahnhof Stettbach bezeichnet Anke Stephan, die Geschäftsführerin der Betriebsgesellschaft Eventpark AG, als «ideal». Der Stadtrand von Dübendorf entwickle sich rasant und werde immer urbaner, die Samsung Hall passe deshalb dorthin. Vor allem aber sei die Halle aufgrund ihrer Nähe zum Bahnhof sehr gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. «Wir rufen unsere Besucher auch auf, den öffentlichen Verkehr zu nutzen» so Stephan. Und der Aufruf werde gehört: «Rund 85 Prozent der Gäste reist mit dem ÖV an». Das Tram- oder Zugbillet sei im Veranstaltungsticket in der Regel inbegriffen.

Doch trotz dieser Bemühungen reist ein Teil der Besucher nach wie vor mit dem Auto an. Diese Tatsache sorgte mitunter für rote Köpfe bei den Nachbaren. Anwohner des Zürcher Hochmoos-Quartiers setzten sich für ein Fahrverbot und Barrieren  ein und verliehen ihren Forderungen mit einer Petition Nachdruck. Anke Stephan sagt, dass die Samsung Hall zwar über eigene Parkplätze verfüge, dass in dieser Angelegenheit aber auch die Stadt Dübendorf gefordert sei.

Der Dübendorfer Stadtschreiber Martin Kunz spielt den Ball jedoch sogleich zurück: Die EPZ Immobilien AG habe als Bauherrschaft vor dem Bau der Halle selbst gesagt, dass sie auf den öffentlichen Verkehr setze. «Und sie wusste, dass es im Hochbord-Quartier keine zusätzlichen Parkanlagen geben wird, das war auch Voraussetzung für die Erteilung der Baubewilligung.» Würden nun rund um die Samsung Hall mehr Parkplätze zur Verfügung gestellt, wäre dies auch ein falsches Signal an die Besucher, so Kunz. «Das würde sofort unerwünschten Mehrverkehr generieren.»

Imagemässig profitiere die Stadt Dübendorf übrigens kaum von der Samsung Hall. «Man assoziiert den Namen nicht mit Dübendorf, die Leute stellen keine Verbindung zur Stadt her», sagt Kunz.

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