Politik

Kein Einlass mehr für den besten Freund

Seit dem Umbau gilt im Einkaufszentrum Illuster ein generelles Hundeverbot. Hundehalter sprechen von einer unnötigen Schikane – viele Kunden begrüssen den Entscheid aber auch.

«Ein generelles Verbot finde ich nicht sympathisch»: Conny Lüscher mit ihrem Hund «Marley» vor dem Einkaufszentrum Illuster. (Foto: Christian Merz), Seit dem Umbau sind die Regeln klar: Jenseits der Eingangstüren haben Hunde im «Illuster» nichts mehr zu suchen. (Foto: Christian Merz)

Kein Einlass mehr für den besten Freund

Sah Conny Lüscher früher im Schaufenster ein schönes Kleid, ging sie spontan in den Laden hinein. Auch wenn sie mit ihrem Hund unterwegs war. «Das war nie ein Problem. Sagte ich ‹Platz› und ‹Bleib› wartete er brav vor der Kasse auf mich», sagt die 50-Jährige.

Aus Rücksicht auf die Kunden

Heute ist dies im Einkaufszentrum Illuster nicht mehr möglich. Seit dem Umbau sind dort Hunde verboten, auch in der Mall. Ausgenommen davon sind lediglich Blindenhunde.

Nicht nur Lüscher hat für das Verbot wenig Verständnis. Auch in den sozialen Medien machten viele Hundehalter ihrem Unmut Luft. «Offenbar sind wir im Illuster unerwünscht», heisst es zum Beispiel auf einer Ustermer Facebookseite. Andere hingegen unterstützten die Zentrumsleitung. «Hoffentlich sind Hunde da verboten, Tiere gehören nicht in ein Einkaufszentrum», schrieb ein User.

«Zur Aufenthaltsqualität der Kunden gehört auch, dass sie sich durch Hunde nicht belästigt fühlen.»
Günter Heuberger, Einkaufszentrum Illuster

Die Eigentümer des «Illuster» begründen ihren Entscheid unter anderem mit solchen Rückmeldungen seitens der Kunden. «Zur Aufenthaltsqualität gehört auch, dass sich nieman durch Hunde belästigt fühlen», sagt Günter Heuberger, Geschäftsführer der Siska Heuberger Holding. Hunde in der Mall oder in den Läden würden zudem den Aufwand fürs Putzen erhöhen. «Die Ladenbesitzer haben deswegen kein Interesse an Tieren in ihren Geschäften.»

Gefahren für den Hund

Einkaufen mit dem Hund sehen auch viele Hundehalter kritisch. «Ich nehme meinen Hund nie mit in ein Einkaufszentrum», sagt zum Beispiel Susanne Kern, Präsidentin des Hundeclubs Uster. Für das Tier bedeute das meist Stress. Lieber lässt sie ihren Hunde deshalb im Auto zurück. «Eine Stunde lang ist das kein Problem.»

«In einer solchen Situation könnte ein Hund auch einmal beissen.»
Susanne Kern, Hundeclub Uster

Kern rät davon ab, den Hund vor einem Geschäft draussen anzubinden. «Dabei kann alles mögliche passieren», sagt die Mönchaltorferin. Hunde könnten gestohlen werden. Kern hat aber auch schon beobachtet, wie angeleinte Hunde beinahe von Einkaufswagen überfahren wurden. Ebenfalls seien Hunde schon gestohlen worden. Ein andermal hätten Buben einen angebunden Hund geplagt.

«In einer solchen Situation könnte ein Hund auch einmal beissen – Halter haben aber immer die Verantwortung für ihren Hund.» Für das Verbot im Illuster hat Kern deshalb Verständnis, findet es aber übertrieben. «Wenn ein Hund gut erzogen ist, sollte man ihn auch einmal in einen Kleiderladen mitnehmen können.»

Im Volkiland erlaubt

Nicht alle Einkaufszentren sind denn auch so streng wie das Illuster. Im Volkiland zum Beispiel sind Hunde erlaubt, ebenso im «Glatt». An beiden Orten schreibt die  Hausordnung lediglich vor, dass Hunde an der Leine zu führen sind. Durch das Gesetzt verboten sind Hunde hingegen in Lebensmittelläden. «Wir hatten bisher noch nie Problem mit Hunden im Volkiland, darum sind sie auch weiterhin willkommen», sagt Leiterin Chantal Rueff.

Auch im «Uschter77» sind Hunde zumindest ausserhalb der Läden gestattet, obwohl das Zentrum dem gleichen Unternehmen gehört wie das Illuster. Conny Lüscher ist mit ihrem jungen Parson Russell Terrier extra schon dort hingegangen – um zu üben, damit sie mit ihm an einem hundefreundlich Ort auch mal  spontan in eine Kleiderladen gehen kann. 

«Selbstverständlich muss ein Hund so erzogen sein, dass er in einem Einkaufszentrum niemanden belästigt und nirgends markiert», sagt die 50-Jährige. «Ein generelles Verbot auszusprechen, finde ich aber nicht sympathisch.»
 

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.