Politik

Der Ur-Opa der Restaurants geht wieder auf

Monatelang war das Restaurant Löwen in Gossau geschlossen. Nun geht es wieder auf - dank einer neuen Eigentümerfamilie, die ihn mit einem ungwöhnlichen Konzept betreiben will.

Die Eigentümer Urs Weber, Patrizia Weber, Aaron Wegmann, Maja Weber und Geschäftsführer Markus Raschle vor dem Restaurant Löwen. (Bild: Fabio Meier), Die Eigentümer Urs Weber, Patrizia Weber, Aaron Wegmann, Maja Weber und Geschäftsführer Markus Raschle vor dem Restaurant Löwen. (Bild: Fabio Meier)

Der Ur-Opa der Restaurants geht wieder auf

Wie alt ist eigentlich die älteste Beiz im Kanton Zürich? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Google schickt intuitiv die Oepfelchammer in Zürich ins Rennen. Ein Witz. Seit 1801 wird sie als Weinschenke betrieben. Da kann der «Löwen» in Gossau mit ganz anderen Zahlen aufwarten: 1541 wurde er erstmals urkundlich als Restaurant erwähnt.

Vermutlich ist der «Löwen» nicht das älteste Restaurant im Kanton, höchstwahrscheinlich aber das älteste im Zürcher Oberland. Die Konkurrenz ist jedenfalls klein. Und genau diese Tatsache will sich Familie Weber zunutze machen.

Ein Risiko

Sie hat das Restaurant vor einigen Monaten gekauft, nachdem es mehrere Pächterwechsel mitgemacht hatte. Ein Risiko. Das sagt auch Urs Weber von der Besitzerfamilie. «Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich frage, ob das die richtige Entscheidung war.» Aber er möge dieses altehrwürdige Gebäude. «Und Gossau braucht ein Restaurant fürs Dorf.»

Die Familie Weber hat in der Gastronomie keine langjährige Erfahrung. Sie betreibt in der Tägernau in Gossau einen Bauernhof. Milchwirtschaft. Die Milch verkauft sie an eine Grüninger Käserei, die daraus Emmentaler Käse macht.

Ein Architekt im Rücken

Doch hinter den Webers steht Architekt Aaron J. Wegmann. Er hatte die Vision, den «Löwen» für Gossau «als historisch wertvollen Ort und als Stätte mit langer gesellschaftlicher Bedeutung» langfristig zu erhalten. Familie Weber liess sich von dieser Idee begeistern und kaufte die Liegenschaft. Wegmann selber besitzt nur noch eine «Meckeraktie», wie er es nennt. Und er hat Kontakte, um ein Restaurant zum Laufen zu bringen, auch wenn dessen Besitzer nicht viel Vorwissen besitzen. So kam Christian Hausheer ins Spiel. Er ist Gastroberater und ersann gemeinsam mit den Webers einen Plan für den «Löwen», der diesen zur Dorfbeiz machen und ihn zugleich von anderen Restaurants abheben soll.

«Am Montag wird gemetzget. Also gibts die Leberli am Dienstag und Mittwoch.»

Christian Hausheer, Gastroberater

Das Konzept besteht aus drei Standbeinen. Alte Rezepte, regionale Zutaten, frische Küche. Und zwar konsequent. Was nicht regional ist, kommt nicht in die Küche des «Löwens». Nach altem Prinzip. «Am Montag wird gemetzget. Also gibts die Leberli am Dienstag und Mittwoch. Danach sind sie nicht mehr gut», so Hausheer. Die Folge ist eine kleine, aber stets wechselnde Karte. «Frisch heisst auch saisonal. Wir kochen nur, was es gerade gibt.» Und was sind das für alte Rezepte, die in des «Löwens» Küche entstehen sollen? Hausheer nennt etwa den Ofenguck oder den Türggeribel. «Davon haben vermutlich viele künftige Gäste noch nie etwas gehört.» Die Rezepte sollen allerdings modern interpretiert werden - und als Angebot in jeder Preislage daherkommen.

Gegenseitige Loyalität

Die Webers kümmern sich dabei zu guten Teilen um die Regionalität. «Wir haben viele Zutaten aus dem Dorf selber», sagt Urs Weber. Das Fleisch komme etwa von der Metzgerei Zellweger, die es wiederum von lokalen Lieferanten bezieht. Und die eigene Milch kommt via Käse aus Grüningen zurück ins Restaurant. Landwirt Hansueli Koller von der Langfuhr liefert das Gemüse, Urs Aeppli vom Jungholz die Eier. «Wenn die Lieferanten aus dem Dorf kommen, werden sie das Restaurant auch unterstützen. Sind wir loyal zu ihnen, sind sie auch loyal zu uns.» Weber ist überzeugt, dass das ein wichtiger Eckpfeiler des Erfolgs sein wird.

«Wenn die Lieferanten aus dem Dorf kommen, werden sie das Restaurant auch unterstützen»

Urs Weber, Eigentümer

Die Webers selber wollen nicht vollumfänglich in den Betrieb des Restaurants einsteigen. «Aber die Gäste werden uns hier sicher antreffen.» Für den Betrieb haben sie einen Geschäftsführer, Markus Raschle, eingestellt. «Er ist das Gesicht des Restaurants.»

Wohnzimmer statt Bar

Nebst dem klassischen Restaurant will die Familie da, wo einst die Bar war, ein besonderes Angebot einrichten. Es nennt sich Wohnzimmer und soll eine Art Vorraum des Restaurants sein. «Man kann hier etwa auf seinen Tisch warten oder einfach rasch etwas trinken», sagt Weber. Eine Bar solle das nicht sein. «Das macht keinen Sinn an diesem Standort.»

Und bald geht es los im neuen alten «Löwen». Dieses Wochenende steht die Eröffnung an. «Am Freitag geben wir den geladenen Gästen einen Überblick über unsere Küche - mit kleinen Häppchen», sagt Hausheer. «Am Samstag und Sonntag machen wir dann eine grosse Eröffnung drinnen und draussen.»

Kein Hipster-Restaurant

Der Gastroberater sagt, ein Konzept wie jenes des «Löwens» sei ihm bislang nicht bekannt. «Möglich, dass dadurch auch Leute von weiter weg angezogen werden.» Die Webers betonen derweil, der «Löwen» sei nicht als Hipster-Restaurant für Stadtzürcher mit erweitertem Radius gedacht, sondern wirklich als Speiserestaurant fürs Dorf. Mit gut 600 Stellenprozent will die Familie den Betrieb von Anfang an sicherstellen. Und mit der Zeit könnte sich das Angebot gar erweitern. Wegmann und die Webers haben noch weitere Ideen. Ein Projekt des Architekts soll etwa den Erhalt des Restaurants «nachhaltig sichern», wie er sagt. Und auch das bauliche Umfeld solle historisch gesichert und ergänzt werden. Details dazu verrät er allerdings noch nicht. «Wir wollen eins nach dem anderen machen.»

Der «Löwen» Gossau ist ab diesem Wochenende wieder geöffnet. Er ist sechs Tage pro Woche offen. Am Montag ist Ruhetag, die anderen Wochentage ist er mittags und abends geöffnet, am Samstag nur abends, am Sonntag zum Bauernbrunch. Eröffnung ist am Samstag, 10. Februar von 18 bis 23 Uhr, am Sonntag von 10 bis 15 Uhr mit Bauerbrunch.
www.leue-gossau.ch

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