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Vergiftetes Klima an Trinkwasser-Debatte

Der Wermatswiler Kleinjogg Kulturverein veranstaltete am Dienstag einen Abend zum Thema sauberes Trinkwasser. Eingeladen war auch Franziska Herren, die die eidgenössische Volksinitiative zu sauberem Wasser lancierte. Für die anwesenden Landwirte waren Vorstoss und Herren ein rotes Tuch.

«Immer schiesst man gegen die Bauern», beklagt sich Martin Keller bei der Podiumsdiskussion. (Foto: David Marti)

Vergiftetes Klima an Trinkwasser-Debatte

Trotz Mikrophon war Franziska Herren zu Beginn ihres Referats kaum zu hören. Eine ältere Dame schüttelte den Kopf und murmelte: «Ich höre nichts». –«Katastrophe», sagte ein Herr halblaut. Herren stellte am Dienstagabend im Gemeinschaftsraum des Kleinjogg Kulturvereins in Wermatswil ihre Initiative für sauberes Trinkwasser vor (siehe Box).

«Die Initiative will keine Pestizide verbieten, sondern einfach nur diejenigen Landwirtschaftsbetriebe belohnen, die diese nicht einsetzen», sagte die aus Bern angereiste Herren. Ein Raunen aus dem Publikum war auf diese Aussage hin zu vernehmen – es sollte ein Vorgeschmack auf die anschliessende Diskussion mit den Landwirten sein.

Ein Wermatswiler mit Innovationsgeist

Zuvor hatte Otto Schmid, Präsident des Kleinjogg Kulturvereins, an den innovativen Wermatswiler Bauern namens Kleinjogg erinnert, der vor über 300 Jahren geboren wurde. «Nur das Futter, das vom Hof kommt, soll die Tiere des Hofes ernähren, so dachte Kleinjogg», erzählte Schmid. Auch die Initiative wolle ja auf Futtermittelimporte verzichten. Damit habe sich einmal mehr gezeigt, dass Kleinjoggs Innovationsgeist bis heute nachwirke.

«Immer schiesst man gegen die Bauern»
Martin Keller, Landwirt

«Landwirtschaft in Ecke gedrängt»

Nach der Einführung hielten Pius Niederhäuser, Sektionsleiter des kantonalen Oberflächengewässerschutzes und Irene Wittmer von der Abteilung Umweltchemie des Wasserforschungsinstituts Eawag je ein Referat. 

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion gesellten sich Sonja Rütimann, Verwaltungsratspräsidentin des Bioladens Öpfelbaum in Uster und die beiden Landwirte Martin Keller und Martin Kupper zu den Referenten.

Letzterer eröffnete die Podiumsdiskussion. «Für die Initiantin ist es wohl einfach, die Landwirtschaft in eine Ecke zu drängen.» Kupper sagte, dass seine sensible Obstproduktion nicht ohne Pflanzenschutz auskomme. Er hinterfragte Herrens Daten, denen zufolge die Schweizer Landwirtschaft am zweitmeisten Ammoniakemissionen in ganz Europa verursache. «Man könnte ja auch direkt das Abwasser des Unispitals Zürich auf medizinische Rückstände testen. Mit der Qualität des Trinkwassers haben solche Messungen aber nichts zu tun. Diese ist sehr gut», so Kupper. 

Kleinstpartikel machen Sorgen

Herren war an diesem Abend nicht die einzige Kämpferin für die Initiative. Unterstützung fand sie bei Sonja Rütimann. Diese sagte: «Die zukünftige Trinkwasserqualität in der Schweiz ist gefährdet. Mikroverunreinigungen von medizinischen Rückständen, Plastikpartikel oder Dünger aus der Landwirtschaft machen mir Sorgen.» Rütimann wollte auch die Konsumenten in die Pflicht nehmen. Diese sollen ihr Kaufverhalten hinterfragen und Landwirte unterstützen, die wenig oder keine schädlichen Pflanzenschutzmittel einsetzten. Pius Niederhauser sagte, dass er persönlich Sympathien für die Initiative habe. 

«Sucht doch auch selber Lösungen!»
Franziska Herren, Initiantin 
 

«Immer gegen Bauern»

Doch die lautesten Stimmen kamen an dem Abend eindeutig von den Gegnern der Initiative. So sagte der Ustermer Landwirt Martin Keller: «Immer schiesst man gegen die Bauern. Das wäre nun schon die x-te Rosskur, die unsere Branche hinnehmen müsste.» Die Annahme der Initiative bewirke nur, dass die Schweizer Landwirtschaftsprodukte verkümmern würden. Die Früchte sähen dann wegen der ganzen Schädlinge schäbig aus. «Wir hätten nach Annahme der Initiative keine Qualität mehr. Konsumenten würden im Ausland einkaufen.» Herren erwiderte: «Die Initiative hat doch nichts mit dem Aussehen eines Apfels zu tun, sondern was dessen Anbau hinterlässt.» 

Als dann das Wort ans Publikum im Saal weitergegeben wurde, blieben die kritischen Stimmen präsent. Ein Zuhörer sagte: «Die Landwirtschaft, die Frau Herren sich vorstellt, hatten wir in den 30er-Jahren, bevor Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen mit seiner «Anbauschlacht» startete. Heute schrumpft die Anbaufläche wieder und die Produktion ist auf ein gefährlich tiefes Niveau gefallen.»

Wohin mit den Güllenlöchern?

Dann meldete sich ein weiterer Zuhörer: «Wird die Initiative angenommen, muss aber schon heute klar sein, wo all die Güllenlöcher in Zukunft stehen werden. Das muss gut geplant sein. Können Sie das, Frau Herren?» Die Initiantin verlor ihre bernerische Ruhe: «Ich finde es unglaublich, dass ihr mich das alles fragt. Sucht doch auch selber Lösungen! Sauberes Trinkwasser muss doch auch in eurem Interesse sein.»  

Nach der Diskussion drückte Herren ihr Bedauern darüber aus, dass sich viele Leute gar nicht richtig über die Initiative informierten.» Zu den teils etwas giftig geführten Diskussionen, meinte sie: «Ich habe schon viel heftigere Abende erlebt.»

Das will die Initiative
Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» verlangt, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen, die in ihrer Tierhaltung ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommen und die nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können. Mit über 114‘000 Unterschriften wurde sie am 18. Januar der Bundeskanzlei in Bern übergeben.

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