Scheidegg-Wirt ergreift Massnahmen
Damit hätte Aco Rastoder nicht gerechnet. Nach dem Artikel über den Horrorsonntag auf der Alp Scheidegg in Wald, deren Restaurant Rastoder führt, erreichten ihn unzählige Solidaritätsbekundungen. «Auf allen Kanälen. Facebook, Telefon, Trip-Advisor, Email: Ich kam kaum noch dazu, meine Mails zu lesen», sagt er. An jenem Sonntag gab es schlicht zu viele Gäste für sein Team, was teils zu harten Reaktionen und negativen Bewertungen auf Tripadvisor geführt hat.
Doch die bitterböse Kritik an Rastoder löste bei seinen Stammgästen einen Sturm der Entrüstung aus. «Nach den schlechten Beurteilungen der Egoisten von vergangenem Sonntag muss ich einfach schreiben. Als regelmässiger Besucher unseres Bergrestaurants kenne ich leider auch die vielen Egomanen, die unfreundlich, ungeduldig und bösartig reagieren, wenn mal alle Plätze besetzt sind und der Service eben erst nach 30 Minuten vorbei kommt», schreibt jemand. Eine andere Person: «Schade, dass es Leute gibt, die versuchen, das schöne Restaurant schlecht zu machen. Wir kommen auf jeden Fall wieder.»
Auch auf Züriost sprechen regelmässige Besucher der Wirtefamilie Mut zu. «Ich hoffe, dass Herr Rastoder und seine Familie noch lange auf der Scheidegg sind», schreibt ein Leser. Und jemand betont: «Lasst euch bitte nicht von solch unzufriedenen Leuten entmutigen. Ihr macht einen super Job und wir kommen immer sehr gerne zu euch.»
Rastoder sagt, die Rückmeldungen hätten ihm Kraft und Ideen gegeben. «Wir haben ganz tolle Gäste hier.» Die Masse der solidarischen Rückmeldungen sei auch eine Bestätigung für seine Arbeit.
Rastoder ist selbstkritisch
Und doch zeigt er sich einige Tage nach dem Artikel auch selbstkritisch. «Für Ausflugstouristen ist es natürlich sehr unschön, wenn sie zu uns kommen, zunächst einmal eine Stunde lang einen Parkplatz suchen müssen, dann im Restaurant keinen Platz haben und dort auch sonst nicht bedient werden. Schliesslich fahren sie zu McDonalds, müssen dort auch warten, um danach auf dem Heimweg noch im Stau zu stehen. Ich habe schon Verständnis für den Ärger.»
«Ich habe Verständnis für den Ärger»
Aco Rastoder, Scheideggwirt
Er wolle nicht, dass es nochmals einen solchen Tag gebe und werde entsprechende Massnahmen umsetzen. «Zumindest soweit es mir möglich ist.» So habe er bereits jetzt ein Schild beim Eingang des Restaurants platziert, das die Gäste auffordert, dort zu warten. «Das Problem an besagtem Sonntag war, dass die Leute überall im Stübli herumstanden, sich teils an bereits besetzte Tische setzten und nicht bemerkt wurden. Das Personal kam auch nicht mehr durch. Es war chaotisch.» Das Schild habe bereits Wirkung gezeitigt. «Letztes Wochenende lief alles viel entspannter ab. Jeder Gast wurde bemerkt und sofort bedient.»
Mehr Personal und Ausbau des Kiosks
Weitere Massnahmen hat er auch geplant. Zum einen will er schlicht mehr auswärtiges Springerpersonal rekrutieren. «Wir waren an jenem Sonntag zu wenige Leute.» Zum anderen wird er den Betrieb stärker auf den Kiosk ausrichten, wenn im Tal der Nebel hängt und auf der Alp die Sonne scheint. «Dort kann man per Selbstbedienung seine Wurst oder seine Pommes abholen. Es gibt dann halt, was es gibt. Aber man ist innerhalb von etwa fünf Minuten bedient», so Rastoder. Zusätzlich soll im Stübli Reservationspflicht herrschen. «Dort wollen wir den Standard so hoch halten wie immer. Es soll auch an intensiven Wochenenden keinen Einbruch geben.»
Ein weiteres Problem, jenes der Parkplätze, will er zusammen mit der Gemeinde anschauen. «Zu solchen Spitzenzeiten würde es Sinn machen, den Verkehr besser zu regeln und zusätzliche Parkierungsmöglichkeiten zu öffnen.» Man könne den Tourismus nicht auf die Alp schicken und dort dann nicht in der Lage sein, ihn zu empfangen.
Gemeindeschreiber Süss: «Solche Spitzentage gab es schon immer»
Bei den Parkplätzen spricht Rastoder explizit von jenen, die heute von den Gleitschirmfliegern genutzt werden. Die gehörten allerdings der Alpgenossenschaft Scheidegg, die ebenso das Restaurant besitzt, sagt der Walder Gemeindeschreiber Martin Süss. Die öffentliche Hand habe diesbezüglich keinen Einfluss. «Die Gemeinde betreibt den öffentlichen Parkplatz in der Wolfsgrueb. Der ist aber nicht nur für Besucher des Restaurants gedacht, sondern ganz allgemein für Ausflügler in der Gegend.» Die Alpgenossenschaft war gestern für eine Einschätzung nicht zu erreichen.
«Jede Massnahme stösst irgendwann an ihre Grenzen»
Martin Süss, Gemeindeschreiber
Was die Verkehrslenkung anbelangt, habe die Gemeinde bereits eine Person im Einsatz, die an Spitzentagen «tut, was sie kann», so Süss. Für Gespräche sei die Gemeinde natürlich offen. Doch Süss gibt zu bedenken: «Jede Massnahme stösst irgendwann an ihre Grenzen. So ist das mit den Parkplätzen, aber auch mit dem Personal. Es gibt halt einfach ab und zu Sonntage, an denen die Scheidegg völlig überrannt wird.» Wenn das Restaurant beliebt sei, führe das zu zusätzlichem Verkehr. «Aber wir haben keine spürbare Zunahme des Ausflugstourismus festgestellt. Solche Spitzentage gab es schon immer.»