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Faktencheck — ja, aber schnell

An der Podiumsreihe Zeitfragen in Mönchaltorf wurde am Donnerstagabend über die Unterscheidung zwischen Fakten und Fake News debattiert. Die Diskussion ging auch auf die Abgründe im Journalismus ein.

Moderator Erwin Schärer, ZO-Chefredaktor Christian Brändli und Journalistikprofessor Vinzenz Wyss von der ZHAW Winterthur (von links nach rechts) diskutierten am Podium in Mönchaltorf. (Foto: David Marti), Moderator Erwin Schärer, ZO-Chefredaktor Christian Brändli und Journalistikprofessor Vinzenz Wyss von der ZHAW Winterthur (von links nach rechts) diskutierten am Podium in Mönchaltorf. (Foto: David Marti)

Faktencheck — ja, aber schnell

Der Donnerstagabend begann mit Fakten: Bei der Begrüssung im Mönchhof gab Moderator Erwin Schärer bekannt, dass FDP-Vorstandsmitglied Pia Guggenbühl am Vorabend ein verdorbenes Fischgericht gegessen hatte. «Und das sind jetzt keine Fake News.» Somit oblag es den beiden Herren Vinzenz Wyss, Journalistikprofessor an der ZHAW Winterthur, und Christian Brändli, Chefredaktor des Zürcher Oberländers, eine lebhafte Debatte zu führen. 

Falsch hingehört – falsch verbreitet

Zum Start der Diskussion wurde Brändli von Schärer nach persönlichen Erfahrungen mit Fake News gefragt. «Ich war im Militär Nachrichtenoffizier», erzählte Brändli. «Meldungen übers Funkgerät hat man oft nicht gut hören können und hat sie deshalb falsch verstanden und auch so weitergegeben – Fake News.» 

Den Umgang mit Medien kennenlernen

Wyss sagte, dass die Medienkompetenz der Bevölkerung gefördert werden müsste.Hier seien auch die Medien in der Pflicht, wie das bei der SRG und ihrer Publikumswoche «Hallo SRF!» geschehen sei, bei der sich die Zuschauer bei der Gestaltung der Sendungen beteiligen konnten. «Herr Brändli könnte eine ‹Packungsbeilage› in seinen Zürcher-Oberländer-Artikeln mitliefern. Was die Probleme bei der Recherche waren, welche speziellen Arbeitsschritte gemacht werden mussten.» Brändli sagte: «Ich weiss nicht, ob das so spannend wäre. In gewissen Fällen machen wir das auch, wenn beispielsweise ein Person nicht erreicht werden kann, schreiben wir das dazu.» 

Angeschuldigte das Wort geben

Wyss verwies auf den Fall Jegge; der ehemalige Lehrer wurde von seinem Ex-Schüler Markus Zangger in dessen Buch des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Viele Medien hätten damals über das Buch berichtet, nur die SRG habe zugewartet, weil in dem Buch Jegge beschuldigt wurde und man ihm den Platz für eine Stellungnahme geben wollte. «Sowas könnte man auch in anderen Fällen machen und den Konsumenten darüber aufklären, wieso man etwas nicht bringt.» Brändli stimmte zu. Faktenchecks seien wichtig. Aber man müsse schnell sein. Heute wollten die Leser sofort informiert werden.

Schwarze Zeiten für den Journalismus

Schliesslich gab Schärer die Diskussion fürs Publikum frei, das überwiegend älteren Semesters war. Eine Dame wollte wissen, wie schlecht es wirklich um den Journalismus stehe. Wyss sagte: «Ich sehe die Zukunft schwarz.» Der Journalismus werde ein Stück weit verarmen. Er hoffe aber, dass sich in Zukunft ein Bewusstsein für einen Qualitätsjournalismus aufbaue und dieser sich so wieder besser behaupten könne.

Facebooks Gesetze

Dann kam die Diskussion bei den sozialen Medien an. Wyss sagte: «Brändli mit seinen langweiligen Gemeinde-Debatten, die niemand liked oder teilt, findet man auf Facebook gar nicht.» Damit sprach er die  Algorithmen an, welche bestimmen, was im Newsfeed der User erscheint. Aber das seien ebene solide, nachprüfbare, für die Region wichtige Informationen.

«Das ist so», pflichtete Brändli bei, «Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut. Der Titel eines Artikels muss aber schon auch Aufmerksamkeit schaffen. Wenn da steht…» «…53. Budgetdebatte», grätsche Wyss rein, worauf Brändli lachend sagte: «Genau. So konnte man früher titeln. Heute gewinnen wir damit gar nichts mehr. Die junge Generation ist aber wissbegierig und kann sicherlich mit attraktiver Aufmachung von Inhalten zum Lesen animiert werden.»

Ohne SDA ein Drittel weniger Infos

Ein Gast wollte wissen, ob der Bund nicht die in finanzielle Schräglage geratene Schweizerische Depeschenagentur SDA unterstützen müsste, um einen Stellenabbau zu verhindern. «Die SDA ist sehr wichtig», so Wyss. «Ein Drittel der Tagesinformationen wären verloren, wenn es diese nicht mehr gäbe. Die SDA ist aber ein gewinnorientiertes Unternehmen. Wenn der Bund einfach nur Geld hineinbuttern würde, damit dieses dann wieder Geld machen könnte, geht das so nicht.»

Brändli sagte dazu: «Die SDA geht auch bei von anderen Medien verfassten Beiträgen bei den Informationsquellen nachfragen, ob die angegebenen Fakten stimmen, so wie es im Journalismus eigentlich sein sollte. Damit ist die SDA eine zuverlässige Nachrichtenlieferantin, eine Art Label. Leider müssen die Verlage auch beim Kauf von Informationen von der SDA sparen. Das ist eigentlich schizophren, denn die SDA gehört ja schliesslich den Verlagen.»

Fake News auf den Leim gegangen

Ein Mönchaltorfer meldete sich zum Schluss und lobte die Berichterstattung des umstrittenen Nachrichtenportals kenFM.de, das sich mit Themen beschäftige, um die sich sonst kaum ein Medientitel schere. «Sehen Sie meine Damen und Herren», sagte Wyss, «kenFM.de ist genau so eine Plattform, wo auch Fake News verbreitet werden.»

 

Publikumsreaktionen:

Christina Wyss, Sportlehrerin 49

Sind Sie schon mal auf Fake News hereingefallen?
Nein. Ich kann im Zweifelsfall auch auf die Beratung von meinem Mann zählen, mache mir aber zuerst selber Gedanken und tausche mich dann mit ihm aus.

Welchen Medien vertrauen Sie?
Ich vertraue grundsätzlich den Printmedien. Schaue mir aber nicht jeden Tag alles an. Online bin ich vorsichtiger und konsumiere dort auch weniger Nachrichten. 

 

 Monika Zaugg, Pharma-Assistentin, 52

Sind Sie schon mal auf Fake News hereingefallen?
Ich glaube schon, aber mir fällt kein konkretes Beispiel ein. Ich konsumiere aber möglichst viele verschiedene Zeitungen und hole mir auch Infos aus dem Internet.

Welchen Medien vertrauen Sie?
Ich vertraue dem Zürcher Oberländer und dem Tages-Anzeiger.
 

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