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Der «Chabischäs» schliesst

Mitte März macht das Restaurant Chabischäs zu. Wirt Reto Günthard will nur noch einen Imbiss-Wagen betreiben. Sein Nachfolger im Lokal an der Poststrasse wird der Nachbar – Fabio Botta von der «Post».

Fabio Botta (links) übernimmt das Restaurant Chabischäs von Reto Günthart. (Foto: Christian Merz)

Der «Chabischäs» schliesst

Der «Chabischäs» war ein Pionier: Usters erstes und bis heute einziges vegetarisches Restaurant. Doch seine Tage sind gezählt. Am 10. März hat das Lokal an der Postrasse zum letzten Mal geöffnet.

«Es wird Zeit für Neues», sagt Wirt Reto Günthard. Fünf Jahre lang hat er das Restaurant geführt, das vor allem für Suppen bekannt ist; zum Beispiel Rüebli-Kokosnussmilchsuppe, Blumenkohl-Safransupoe oder Winzersuppe mit Ustermer Weisswein und Majoran.

Die Gäste kamen von Anfang an, auch finanziell ging die Rechnung auf, sagt Günthard. Das Chabischäs-Team wuchs auf fünf Angestellte an. «Es war aber auch eine sehr intensive, fordernde Zeit, die mich stark in Anspruch genommen hat.»

«Ich kam immer weniger zum Kochen.»
Reto Günthard, Inhaber «Chabischäs»

Keinen Teilhaber gefunden

Gerne hätte der 37-Jährige einen Teilhaber gefunden. Bis heute führt er das Restaurant zusammen mit seiner Mutter Marianne. «Es war aber von Anfang an klar, dass sie mir nicht ewig helfen kann.» Interessenten, die beim Chabischäs mitwirken wollten, gab es durchaus. Er habe viele Gespräche geführt, sagt  Günthard. «Als den Interessenten aber klar wurde, wie viel Arbeit das Restaurant bedeutet, winkten alle wieder ab.»

So reifte der Entschluss, einen Schritt zurückzugehen. Denn Günthard will künftig wieder wirten, wie er das bereits vor dem Chabischäs getan hat: Als fahrender Imbiss-Verkäufer im Wagen. «Je grösser der Chabischäs wurde, desto weniger kam ich zu dem, was ich am liebsten mache: Kochen und mich um die Gäste kümmern», sagt der gelernte Forstwart.

Wehmut um Spaghetti-Abende

Ab Mitte März wird Günthard deshalb wieder selbst im Piaggio-Verkaufswagen unten an der Poststrasse stehen – so wie er es bereits vor der Eröffnung des Restaurants getan hat und wie es zur Zeit vor allem seine Mutter macht. Auch die Kantonsschule Uster wird er in der 10-Uhr-Pause weiter bedienen. Die Suppen als Markenzeichen des Chabischäs behält er bei, ebenso die Ausrichtung auf Produkte aus der Region, etwa den Käse vom Birkenhof, Ustermer Wein und Bier oder Gemüse von hiesigen Bauern. «Den Chabischäs wird es weiter geben, einfach kleiner und auf drei Rädern.»

«Ich habe noch die eine oder andere Idee auf Lager»
Reto Günthard

Ganz leicht, fällt ihm die Schliessung des Restaurants nicht. «Klar ist da auch ein weinendes Auge». Mit dem Chabischäs habe er in Uster etwas geschaffen, das es so vorher noch nicht gegeben habe. Dazu gehörten auch Spaghetti-Abende, die sein Team zusammen mit Bewohnern des Werkheims veranstaltete. «Diese werde ich vielleicht am meisten vermissen.»

Unfreiwilliger Umzug der «Post»

Was Günthard hingegen freut, ist die Nachfolge-Regelung. In das Lokal an der Poststrasse wird Fabio Botta einziehen, der Wirt der «Post da Fabio» gleich nebenan. Ihm hat der Besitzer der heutigen «Post»-Liegenschaft gekündigt, weil das Haus umfassend renoviert werden soll. Im März wird Botta sein Restaurant an der Poststrasse schliessen und Anfang April im jetzigen Chabisschäs-Lokal ein Bistro eröffnen. Weiter könne er noch nicht informieren, sagt Botta auf Nachfrage. Zum neuen Bistro sagt er: «Wir werden nur über Mittag geöffnet haben und italienische Menüs anbieten.»

Reto Günthard sagt über seinen Nachfolger: «Ich finde es toll, dass auf den Chabischäs ein Wirt folgt, den man in Uster kennt und schätzt.» Auch er selbst will Usters Gastroszene weiterhin nicht bloss von seinem Piaggio-Wagen aus mitgestalten. «Ich habe schon noch die eine oder andere Idee auf Lager.» Versprechen will der überzeugte Vegetarier nur so viel: «Essen von mir wird auch weiterhin ohne Fleisch sein.»

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