Ein Erfolgsguru, der die Massen bewegt
Wenn Jürgen Höller mit seinem Unternehmen die Power Days abhält, dann ist in den gebuchten Hallen jeweils die Hölle los. Der 54-jährige Deutsche gilt als Europas führender Erfolgs- und Motivationstrainer. Er weiss, was er seinem Publikum bieten muss.
Auf Youtube sind zahlreiche Videos zu finden, in denen die Besucher – angetrieben von emotionsgeladener Musik – ekstatisch Beifall klatschen, von der Atmosphäre mitgerissen La-Ola-Wellen durch den Raum ziehen lassen und gestenreich ihre Freude ausdrücken. Die Szenerien haben etwas Sektenhaftes. Dieses Wochenende, wenn Jürgen Höller gemeinsam mit Verkaufstrainer Mike Dierssen die Eulachhalle füllt, wird es wohl nicht anders sein.
Die Teilnehmer der Power Days von Jürgen Höller lassen sich schnell von der Atmosphäre mitreissen (Quelle: Youtube):
Aufstieg mit amerikanischen Methoden
Jürgen Höller verspricht etwas, das alle wollen: Erfolg. Deshalb strömen die Massen an seine Events. 2016 zeichnete die deutsche Zeitung Focus den Motivationstrainer als «Top Coach» aus, die «Financial Times» kürte die Jürgen Höller Academy letztes Jahr zum 495. schnellst wachsenden Unternehmen von Europa.
Sein Aufstieg begann in den 1990er Jahren. «Ich habe vor 30 Jahren beschlossen, als Trainer alles anders zu machen und die Lehrinhalten mit viel Spass und Entertainment für die Teilnehmer vorzutragen», berichtet Jürgen Höller. Diese Methoden amerikanischer Motivationsgurus, angepasst an die Bedürfnisse des deutschsprachigen Publikums, kamen gut an. Selbst namhafte Politiker, Spitzensportler und Künstler nahmen sich ihm an. So liess Jürgen Höller die Spieler des deutschen Bundesligisten Bayer Leverkusen einst über Glasscherben laufen.
Der tiefe Fall bis ins Gefängnis
Er war auf dem Höhepunkt – und dann fiel er. Der geplante Börsengang mit seinem Seminar-Dienstleister Inline AG scheiterte 2000. Das Unternehmen ging Pleite, Jürgen Höller musste 2003 wegen Meineids, Insolvenzverschleppung und Untreue ins Gefängnis. Im Frühling 2004 wurde er wegen guter Führung frühzeitig entlassen. Seitdem ist er wieder als Motivationstrainer unterwegs und lockt die Massen an.
Diese grösste Krise seines Lebens macht ihn für viele nahbarer und authentischer. «Ich bin selbst in meinem Leben gestrauchelt, habe Fehler gemacht und grosse Lebenskrisen durchlitten, bei denen ich fast alles verlor. Aber ich stand wieder auf und habe es mit meinem eigenen Erfolgssystem wieder zurück an die Spitze Europas geschafft», blickt Jürgen Höller zurück. Menschen mögen Typen, die sich nach einem Tiefpunkt wieder zurück nach oben kämpfen.
Seine Fans folgen ihm aber auch, weil Jürgen Höller seine Regeln bewusst einfach hält. Sie lauten «glaube an dich», «lerne dein Leben lang» oder «komme ins Handeln» – Erfolg als Frage der Einstellung. «Unsere inneren Glaubenssätze und Überzeugungen, die sich im Laufe unseres Lebens als Programmierungen im Unterbewusstsein gebildet haben, beeinflussen unseren Werdegang», sagt er. Mit seinen Motivationsseminaren will der Coach die Besucher auf Erfolg programmieren.
Wird bloss das Bedürfnis bedient?
Dass diese Methodik tatsächlich erfolgsversprechend ist, sehen einige Psychologen, Hirnforscher und anderweitige Wissenschaftler kritisch bis falsch. Der Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning, der bereits mehrere Bücher übers Phänomen der Erfolgsgurus verfasst hat, ist der Ansicht, dass Motivationstrainer schlicht das Bedürfnis bedienen, erfolgreich zu sein – mehr nicht. Der Führungstheoretiker Oswald Neuberger meint: «Die Adressaten solcher Beeinflussungsversuche haben irrationale Ängste und Wünsche, die ein Motivationsguru zu lösen und erfüllen verspricht.»
Ungeachtet dessen werden auch die Winterthurer an die Power Days strömen. Über 1500 Teilnehmende werden am zweitägigen Spektakel in der Eulachhalle erwartet. Sie glauben es, wenn Jürgen Höller sagt: «Es ist jederzeit möglich, mit dem richtigen Wissen und einem System von funktionierenden Strategien wieder aufzustehen und in kürzester Zeit erfolgreicher zu sein denn je.»
