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Lothar Ziörjen bleibt stadtpraesident.ch

Mit www.stadtpraesident.ch hat der Dübendorfer Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) eine der besten Internetadressen der Schweiz. Dass er die Domain auch nach der Amtsübergabe an seinen Nachfolger behalten will, hat einen guten Grund.

Stadtpraesident.ch – so eine Domain schafft Tatsachen. (Foto: Thomas Bacher)

Lothar Ziörjen bleibt stadtpraesident.ch

«Am Anfang war ich ein wenig erstaunt darüber, dass man die Domainadresse www.stadtpraesident.ch als speziell wahrgenommen hat», sagt der Dübendorfer Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP). «Einige fanden sogar, das sei eine geniale Idee für die Wahlen.»

Dabei war alles ganz anders. Als Ziörjen 2005 den Wahlkampf für das Stadtpräsidium vorbereitete, stand er vor dem Problem, dass sein nicht gerade leicht zu schreibender Name für potenzielle Wähler ein Hindernis darstellen könnte. «Einer meiner Söhne kam dann auf die Idee, dass man die Domain ‹ Stadtpraesident › verwenden könnte.»

Der Rest ist Geschichte: Ziörjen setzte sich bei den Gesamterneuerungswahlen Anfang 2006 gegen seinen Stadtratskollegen Kurt Spillmann (SVP) und Gemeinderätin Andrea Kennel (damals SP, heute parteilos) durch und wurde Stadtpräsident von Dübendorf.

Wahlsieg dank Domain?

Ob die leicht einzuprägende Internetadresse dabei geholfen hat? Vielleicht auch nur ein kleines bisschen? Man weiss es nicht. Jedenfalls habe sich die Domain in den folgenden Jahren als sehr praktisch erwiesen, so Ziörjen, «denn noch heute muss ich fast täglich meine E-Mail-Adresse info@stadtpraesident.ch am Telefon angeben». Und nicht zu vergessen: 2010 und 2014  fanden zwei weitere Erneuerungswahlen statt, bei denen Ziörjen als Sieger hervorging.

Und nun steht also wiederum eine Wahl in den Stadtrat beziehungsweise das Stadtpräsidium bevor, zu der Ziörjen allerdings nicht mehr antritt. Bisher habe ihm die Domain niemand abkaufen wollen, gibt er an. Ohnehin möchte er die Adresse noch behalten – um auch nach der Amtsübergabe im Juli noch einige Zeit erreichbar zu sein. «Ich selbst werde sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr verwenden.»

 

Domains für Macher, Lässige und Grössenwahnsinnige
 
andre-ingold.ch und theo.zobrist.ch: Eigentlich sind sie ja leicht zu merken, die Internetadressen der beiden Kandidaten für das Dübendorfer Stadtpräsidium. Dennoch, eine Domain, die Tatsachen schafft – also wie etwa www.stadtpraesident.ch –, wäre allenfalls gar nicht schlecht, und das nicht bloss in Dübendorf. Nur ist die eben schon vergeben. Bliebe die Version mit Umlaut, aber auch die ist schon besetzt, wenn auch nicht aktiviert.
 
Nicht so tragisch. Es gibt noch ganz viele Domains, mit denen man sich prima verkaufen kann. Zum Beispiel als Macher, der die Stadt wie ein Unternehmen führen will (stadtpraesident.biz, .ceo, .company oder .ag). Das kommt zwar selten gut, aber gewisse Kreise fahren da wahnsinnig drauf ab. Auch die Endung .eu als Bekenntnis zu Europa ist eine mächtige Ansage, wenn auch für ein Stadtpräsidium möglicherweise nicht so relevant.
 
Schluss mit Kindergarten-Politik
 

Ebenfalls hübsch wäre .swiss, womit man sich als der Stadtpräsident der Nation anpreisen kann. Doch über diese Domain wacht leider das Bundesamt für Kommunikation höchstpersönlich und vergibt sie nicht an Privatpersonen. Verfügbar wären .earth oder .world. Kann man machen, klingt halt einfach ein wenig grössenwahnsinnig.
 
Für Egozentriker bietet sich stadtpraesident.me an. Wer ausdrücklich Nein sagen will zu Kindergarten-Politik, der nimmt .adult. Und wenn man ein Fan eines autoritären Führungsstils ist, bietet sich .army an. Für das Präsidium einer Fliegerstadt kommt aber eigentlich ohnehin nur .aero in Frage.
 
Käuflich? Aber sicher!
 

Um sich bei den Jungen anzubiedern stehen .bar, .beer, .party und .vodka zur Verfügung, wer auf die religiöse Wählerschaft abzielt, der nimmt .church oder .bible. Die Endung .diet kann man entweder als Auftrag an sich selbst ansehen, oder als Zielsetzung, den Verwaltungsapparat abzuspecken. Was bei den Wählern immer gut ankommt, ist eine gewisse Lockerheit. Wie wärs also mit .fun oder .rocks? Ein falsches Signal würde hingegen .cheap oder .kaufen aussenden. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
 
Was gibt es noch? .guru für Kandidaten mit totalem Wahrheitsanspruch, .love und .sexy für Sinnliche, .money für Erzkapitalisten, .ninja für Kämpferische, .vip und .top für Snobs, .cats für Liebhaber von Katzenvideos, .pink für das lange hinausgezögerte Coming-out oder .fail und .sucks für selbstironische Menschen. Wobei,  Politik und Selbstironie passen ja eigentlich nicht so gut zusammen. tba

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