Wetziker Kulturschaffende protestieren
Der Fall Schlatter zieht weitere Kreise. Mit einer Erklärung melden sich jetzt 30 Wetziker Kulturschaffende und an Kultur Interessierte zu Wort. Sie fühlten sich für einmal nicht nur den schönen Künsten, sondern auch einer politischen Haltung verpflichtet, schreiben sie darin.
Initiiert hat das Papier der Wetziker Filmemacher Christian Labhart. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die ehemalige Friedensrichterin Margrit Anderegg, Musiktherapeut Manuel Oertli oder die Galeristen Claudine Sprenger und Sergio Tommasi (siehe Liste unten).
Gegen neoliberale Politik
Seit vielen Jahren unterstütze die Mehrheit des Wetziker Gemeinde- und Stadtrats eine neoliberal ausgerichtete Politik, heisst es in der Erklärung. «Diese hat zum Ziel, staatliche Regulierung abzubauen und so der Wirtschaft möglichst freie Hand zur Gewinnmaximierung zu geben. Der Glaube, der Markt könne es besser richten, hat weltweit dazu geführt, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer stärker auseinanderklaffen.»
«Wir können nicht wegsehen, nur weil wir uns um unsere Batzeli sorgen.»
Auch Wetzikons bürgerliche Politiker richteten sich nach diesem Glaubenssatz und hätten deshalb die Stadtwerke mit einer Rechtsformänderung in eine AG umwandeln wollen. Dies wurde vor zwei Jahren von einer Mehrheit der Stimmbürger abgelehnt. Dass Stadträtin Esther Schlatter (GLP) den Willen der Stimmbürger respektierte, sei ihr zum Verhängnis geworden. «Die Mehrheit des Stadtrats unter Leitung des Kulturvorstandes Ruedi Rüfenacht (EVP) entzog ihr kurzerhand den Bereich Energie.»
«Wir sind gefordert»
Die Unterzeichner stärken Schlatter den Rücken. «Wir begrüssen diese mutige Haltung und sind gefordert, Stellung zu beziehen. Darum protestieren wir gegen die Massnahme des Stadtrates.» Für einmal verschmähten sie die Worte «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing». «Wir können nicht wegsehen, nur weil wir uns um unsere Batzeli sorgen.»
Auch er habe schon dreimal Geld von der Stadt bekommen, sagt Initiant Labhart. «Das heisst aber nicht, dass ich deshalb alles gut finde, was die Stadt macht.» Er glaube nicht, dass er dem Stadtpräsidenten und Kulturvorstand Rüfenacht mit der Aktion in den Rücken falle. «Er ist ja nicht mein Chef.»
Dass sich Kulturschaffende zu einem politischen Thema äusserten, von dem sie nicht direkt betroffen sind, sei selten und deshalb bemerkenswert, so der Filmemacher. «Man exponiert sich.» Einige der Angefragten hätten deswegen Hemmungen gehabt.
Grösserer Zusammenhang
Laut Labhart ist nicht geplant, das Papier beim Stadtrat zu deponieren. Es sei auch keine Petition. «Wir denken nicht, dass sich der Stadtrat davon beeindrucken liesse.» Es gehe vielmehr darum, dass sich aufgrund der Erklärung ein paar Leute Gedanken machten.
Bei seiner Neujahrsrede habe Ruedi Rüfenacht den Konflikt sehr stark auf die zwischenmenschliche Ebene runtergebrochen. «Obwohl es um ganz handfeste Sachen geht.» Mit der Erklärung wollten sie den Fall Schlatter in einen grösseren Zusammenhang stellen, sagt Labhart. «Er zeigt exemplarisch, wie es läuft, wenn sich jemand gegen die Privatisierung stellt.»
Sie haben unterschrieben
- Brigitte Ammon Klingenberg, Gastwirtin Kulturfabrik
- Margrit Anderegg, langjährige Friedensrichterin
- Jean Pierre Bucher, Kulturschaffender
- Georges Egle, Kulturveranstalter und besorgter Bürger
- Hans Rudolf Glatz, Volunteer
- Elisabeth Heimlicher, Psychologin und Pädagogin
- Markus Hochuli, Musiker
- Jan Hubacher, Schauspieler und Sänger
- Fabian Krüger, Schauspieler
- Christian Labhart, Filmemacher
- Theres Lötscher, Psychologin und Chorsängerin
- Ursula Marchetti, Ex-Veranstalterin Scala
- Gaby Merz, Konzertmanagement
- Freddy Nadler, Germanist und Kulturliebhaber
- Manuel Oertli, Musiktherapeut und Musiker
- Fabienne Ott Mullaliu, Sozialarbeiterin und Kulturveranstalterin
- Eveline Reichel, Mittelschullehrerin und Dozentin
- Angelika Salgó, Verein Kulturplatz Wetzikon
- Vera Schaer, Agrikultur Schaffende
- David Schaer, Agrikultur Schaffender
- Dominic Schaufelberger, Musiker
- Heidi Schmid, Pädagogin und Kulturinterssierte
- Hans Peter Sigismondi, Dok-Filmer
- Gabriela Signer, Künstlerin
- Claudine Sprenger, Galeristin und Spielplatzbauerin und EDV-Supporterin
- Sergio Tommasi, Galerist und IT-Fachmann
- Regina Waldmeier, Musikerin
- Antonin Widmer, Filmemacher
- Valentin Wieser, Musiker und Schuhmacher
- Martin Zehender, Rentner