Fünf Generationen beim Kafichränzli
Vier Kinder, sieben Grosskinder, vier Urgrosskinder und seit eineinhalb Jahren auch noch ein Ururgrosskind: Albert Fässlers Zwischenbilanz in Sachen Nachwuchs kann sich sehen lassen. Nun waren die fünf Generationen der Familie Fässler-Iten über die Festtage erstmals in Dübendorf vereint. Und Grossmutter Marina, die auf einer thailändischen Ferieninsel einen Food-Lieferservice betreibt, konnte endlich ihre Enkelin Aiyana in die Arme schliessen, zu der sie vorher nur über Skype Kontakt hatte. «Bei der Geburt konnte ich leider nicht dabei sein», bedauert die 41-Jährige, die mit ihren grossflächigen Tätowierungen so gar nicht dem gängigen Bild einer Grossmutter entspricht.
Ein spezieller Stammbaum
Manchmal ist das Leben eben kompliziert. Macht Umwege. Meistert Hindernisse. Wie die Liebe – die kommt und geht. Und so ist der Stammbaum der Familie Fässler-Iten ein dicht verzweigtes Gewächs mit vielen kurvigen Ästen, Zweigen und ganz vielen bunten Blättern. Denn was mit der Hochzeit eines Innerschweizers und einer Appenzellerin begann, ist heute international besetzt, mit Menschen aus China, Thailand, Schottland, Peru, Sri Lanka und Haiti.
Wenn sich die Grossfamilie zu einer Feier trifft, wie etwa vor knapp drei Jahren zum 80sten von Albert Fässler, dann ist da schon mal der eine oder andere exotische Name dabei. «Die allermeisten kann ich mir merken», schmunzelt das Familienoberhaupt, «lediglich mit zwei, drei Namen habe ich manchmal ein wenig Mühe.»
Mutter mit 17 Jahren
Keine Geburt verpasst hat Erika, die 59-jährige Urgrossmutter. Nicht bei ihren Kindern, deren Kindern, und zuletzt auch nicht vor eineinhalb Jahren bei ihrer Urenkelin Aiyana. Immer war sie im Kreisssaal mit dabei. «Ich könnte schon fast Hebamme werden», sagt sie und lacht. Tatsächlich aber verwaltet sie Immobilien. Und leitet dazu den interfamiliären Kinderhütedienst, wenn man dem so sagen kann. Sie war es auch, die auf Wunsch ihres Vaters die fünf Generationen an diesem frühen Mittwochnachmittag zu Kaffee und Kuchen zusammengetrommelt hat.
Erika war 18, als sie Ihre Tochter Marina – die tätowierte Grossmutter – bekam. Und die machte es ihr 17 Jahre später nach. Sie habe es schön gefunden, eine so junge Mutter zu haben, sagt sie. «Am liebsten hätte ich mein Kind schon früher bekommen», sagt Marina. Wenn man jung sei, habe man eine ganz andere Beziehung zu seinem Kind. «Man ist Mutter, aber auch ein wenig Schwester.»
«Ich konnte es kaum abwarten, Grossmutter zu werden»
Marina Iten
Das Gefühl, in ihren jungen Jahren etwas verpasst zu haben, hatte sie nie. Und so konnte sie es auch kaum abwarten, Grossmutter zu werden. «Doch meine Tochter wollte ja noch dieses und jenes machen, bis es endlich soweit war.» Endlich? Als Luana ihr Töchterchen Aiyana bekam, war sie 23. Die gelernte Coiffeuse verdreht die Augen. Das Familientreffen für die Zeitung hätte sie nicht unbedingt gebraucht.
Erbe ohne Streit
Nach einem typischen Merkmal der Familie gefragt, kommt Urgrossmutter Erika ins Grübeln. «Vielleicht die Toleranz, ja, wir lassen die anderen machen und mischen uns nicht dauernd ein.» Auseinandersetzungen gebe es aber natürlich trotzdem dann und wann. Aber nie so, dass danach ein Riss durch die Familie gegangen wäre. Familienoberhaupt Albert Fässler hat viel dazu beigetragen. Seine Firma, die Werkzeugmaschinen und Diamantwerkzeuge herstellte, hat er frühzeitig an seine Kinder weitergegeben, das Erbe gerecht geteilt. «Das zu Lebzeiten zu machen, war mir wichtig», sagt er und schaut in die Runde. Hier, am grossen Tisch, sitzt sein wahres Erbe – und geniesst die Schwarzwäldertorte.
