«Jedes Buch braucht Mut, aber dieses brauchte mehr»
Thomas Meyer, wie viele Trennungen haben Sie hinter sich?
Wenn wir das Ende einer lockeren Liaison nicht dazuzählen, sondern die tiefgehenden Beziehungen, dann etwa zwölf.
Wann war die letzte?
Etwas mehr als ein Jahr ist das her.
Sind Sie Single?
Nein, nicht mehr.
Liebe ist der Grund, warum man sich zum Partner ins Bett legt und dort liegenbleibt.
Thomas Meyer
In Ihrem Buch geben Sie Tipps zur Wortwahl bei einer Trennung. Was für Worte passen immer zum Schlussmachen?
Vielleicht «Danke».
Brauchte es Mut ein solches Buch zu schreiben?
Jedes Buch braucht Mut, aber das hier brauchte mehr, weil es mich angreifbar macht.
Haben Sie das zu spüren bekommen?
Es gab zu Beginn sehr heftige Reaktionen, auch Beleidigungen, aber in meinen Augen sind das vor allem Qualitätsaussagen über die eigene Beziehung. Ich habe ja nicht mehr gesagt als: Wenn es dir nicht guttut, geh.
Positive Reaktionen?
Mittlerweile nur noch. Halt fast alle von Frischgetrennten. Sie bedanken sich dafür, eine Richtungsanweisung erhalten zu haben durch unwegsames Gelände.
Immerhin sind viele Menschen in einer Beziehung. Denken Sie die meisten sollten sich trennen?
Ja. In meiner persönlichen Wahrnehmung tut die Mehrzahl der Beziehungen den Betroffenen nicht gut. Sie sind nicht sie selbst.
Die Leute tun so, als wären ihre schlechten Beziehungen überhaupt kein Problem. Aber das sind sie.
Welche Leser dürften sich für Ihr Buch interessieren? Haben Sie eine Vermutung?
Ich habe mittlerweile sogar Gewissheit: Es sind vor allem Frauen. Zumindest schreiben mir vor allem Frauen. Und zwar alle sehr dankbar. Das freut mich. Dass mein Buch eine positive Veränderung bewirken kann.
Ähnlicher Humor, ähnliche Lebensumstände oder ähnliche sexuelle Empfindungen sind in Ihrem Buch als zentrale Aspekte für eine passende Beziehung aufgelistet. Von Gegensätzen halten Sie nicht viel.
Kommt drauf an. Jeder Partner bringt Gegensätze zu mir mit. Die Frage ist: Kann ich mit ihnen leben? Und: Was will ich genau von meiner Beziehung? In diesem Bereich muss mein Partner mir ähnlich sein.
Liebe und Kompatibilität sind nicht dasselbe, schreiben Sie in Ihrem Buch. Kann Liebe nicht so stark sein, dass sie wie ein Adapter funktioniert?
Nein. Sie kann so stark sein, dass wir glauben, sie erfülle diesen Brückenschlag, aber entweder man versteht sich mit dem Partner, oder man tut es nicht. Liebe ist der Grund, warum man sich zu ihm ins Bett legt und dort liegenbleibt, aber kein Garant dafür, dass sich das richtig anfühlt und einem guttut.
Auf seiner Webseite preist der Autor sein Buch mit diesen Worten an:
Trennt Euch! Ein Essay über inkompatible Beziehungen und deren wohlverdientes Ende
1. Es passt, oder es passt nicht.
2. Meistens passt es nicht.
3. Wenn es nicht passt, wird es nie passen.
4. Wenn es nicht passt, leiden Sie.
5. Wenn Sie leiden, müssen Sie gehen.
6. Das Leben ist sehr kurz.
Ist ihr Buch auch was für glückliche Beziehungen?
Ich finde schon. Und auch die Leserinnen und Leser sagen das. Das Buch stellt die Frage: Wie geht es dir? Mit dir, mit deinem Partner? Wenn die Antwort «gut» lautet, freut mich das. Dann soll man zusammenbleiben. Aber eben nur dann.
Kennen Sie ein prominentes Paar, das sich trennen sollte?
Ich interessiere mich in keiner Weise für Prominenz.
Wenn ein Paar behauptet, in meinem Buch stehe Falsches, dann frage ich mich, wie seine Beziehung aussieht.
Wenn ein Partner gesucht werden soll, der einem selbst ähnlich ist, liebt man sich am besten nur noch selber und gibt die Partnersuche gleich auf, einverstanden?
Ich verzeihe Ihnen die Polemik und nehme Sie beim Wort: Es ist wichtig, sich selbst zu lieben. Wir empfinden das leider oft als Eitelkeit, aber es geht um die Freundschaft zu sich selbst, ein loyales, unterstützendes, liebevolles Verhältnis. Viele Menschen haben das überhaupt nicht. Ich hatte es auch lange nicht. Und ja: Solange man das nicht hat, sollte man sich auch keinem Partner zumuten.
Trennt euch – kann diese Aufforderung auch auf andere Bereiche projiziert werden, beispielsweise auf die Politik?
Politik lebt ja gerade von Gegensätzen und der Diskussion darüber, vor allem aber von der Fähigkeit, Kompromisse zu schliessen mit Kräften, die einem nicht entsprechen. Hier würde ich eher sagen: «Reisst euch zusammen!» Aber wenn man die deutsche Politik mit ihrer grossen Koalition betrachtet, oder auch das israelische Parlament, das ohne Massenkoalition gar nicht mehr zustandekommt – da würde ich dann wieder zu meiner ursprünglichen Aussage zurückkehren.
Viele Paare beteuern Ihnen gegenüber wie unrecht sie mit Ihrem Buch haben, richtig?
Wie gesagt: Wenn ein Paar behauptet, in meinem Buch stehe Falsches, dann frage ich mich, wie seine Beziehung aussieht. Denn in meinem Buch steht, dass eine Beziehung kein Leiden generieren solle, und wenn sie es tue, solle man sich trennen. Ich finde, ich habe damit recht. Auch wenn es mir um etwas ganz anderes geht.
Nämlich?
Darum, dass die Menschen in ihrer Kraft und Wahrhaftigkeit stehen. Dass sie sie selbst sind. Dass sie tun, was sie wollen, und nicht, was sie tun zu müssen glauben. Dass sie mutig sind. Dass sie glücklich sind und frei von Leid.
Das Leid angesprochen: Soll konsequent die Familie verlassen werden, um das eigene Glück zu finden?
Das ist eine heikle Formulierung. «Die Familie verlassen» ist nicht, was passiert, aber es ist, was nachher alle sagen. Es geht hier oft um Schuld und Versagen, dabei ist das völlig lächerlich. Wenn jemand geht, dann geht er, weil er nicht mehr bleiben konnte. Weil es für ihn nicht mehr zumutbar war. Das ist zu respektieren, nicht zu verurteilen.
Was war einfacher zu schreiben: Ihr Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» oder das Essay «Trennt euch!»?
Der Wolkenbruch natürlich. Aber «einfach» und «Buch schreiben» passt sowieso nicht so gut in denselben Satz.
Wie kamen Sie auf die Idee dieses Buch zu schreiben?
Ich wollte etwas zu einem Thema sagen, das in meinen Augen sehr widersprüchlich und verharmlosend behandelt wird. Die Leute tun so, als wären ihre schlechten Beziehungen überhaupt kein Problem. Aber das sind sie.
Was für ein Publikum erwarten Sie in Uster?
Jenes, das ich immer antreffe: Ein kluges, offenes, feinsinniges.
Waren Sie schon mal in Uster?
Das klingt, als läge Uster in Sibirien. Natürlich war ich schon mal da. Ich habe schon mehrere Male dort gelesen. Und ich habe lange Zeit Airsoft gespielt in der Nähe.
Ist ihr Buch auch eine Aufforderung grundsätzlich ehrlicher zu sein?
Auf jeden Fall. Beziehungen sind ja nur ein Abbild des Selbstzustandes.
Ehe ist für Sie…?
Ehe ist das schönste Bekenntnis gegenüber einem Menschen. Es bedeutet, dass man ihn beerdigen wird.
Thomas Meyer liest am Freitag, 12. Januar, um 18.30 Uhr in der Villa Grunholzer aus seinem Buch «Trennt Euch!».
