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«Herzschmerz und Party lief auch in meiner Jugend»

Die Ustermer Jugendarbeiterin Diana Schnyder war in diesem Jahr von einem jungen Pakistani und von ihrem Sohn beeindruckt. Für die Menschheit würde sie sich einen «Delete-Knopf» für Vorurteile wünschen.

Die kleine weisse Robbe widmet Diana Schnyder ihrem Sohn Darian, der sich am Abend gerne Mal in sein Lieblingstier «verwandelt». (Bild: David Marti), Schnyder im Freizeit- und Jugen­zentrum frjz in Uster. (Bild: David Marti), Von der Künstlerin Lea Frischknecht war Schnyder 2017 auch sehr beeindruckt. Sie hat verschiedene Werke In der Galerie frjz in Uster ausgestellt. Für Uster kreierte sie eine Silvestergrusskarte.

«Herzschmerz und Party lief auch in meiner Jugend»

Ich bin Teamleiterin der frjz – Jugendanimation und arbeite seit 16 Jahren beim Verein Freizeit- und Jugendarbeit Region Uster. Beeindruckt hat mich in diesem Jahr ein junger Pakistani. Er kommt uns viel besuchen und hilft mit, wo er kann. Er motivierte auch andere Flüchtlinge, unsere Angebote zu nutzen, zum Beispiel die Soccernight, an die er jeweils mit Kollegen Fussballspielen gekommen ist. Zwei meiner Mitarbeiter sprechen persisch, das war natürlich anfangs sehr hilfreich. Nun hat er sich aber in einem Höllentempo Deutsch angeeignet, drückt sich differenziert aus und versteht sogar Schweizerdeutsch. Zurzeit ist unklar, ob sein Aufenthaltsrecht verlängert wird und er hängt in der Luft. Seine schwierige Situation berührt mich sehr, vor allem sein positiver Umgang damit und seine Zuversicht.

Erst habe ich gedacht, dass wir uns auf so engem Raum wahnsinnig auf den Keks gehen könnten.
Diana Schnyder

Testlauf mit dem Wohnmobil

Die Einschulung meines Sohnes hat mich in diesem Jahr sehr beschäftigt. Darian ist sechs Jahre alt und der jüngste seiner Klasse. Er ist zwar ein aufgeweckter, wissensbegieriger Junge, aber sozial-emotional halt manchmal noch ein Kleiner. Schliesslich hat er den Einstieg locker gemeistert. Traumhaft waren die Ferien im Wohnmobil. Erst habe ich gedacht, dass wir uns auf so engem Raum wahnsinnig auf den Keks gehen könnten und ein erster Testlauf war dann auch schrecklich.

Mein Sohn ist schon ein kleines Rampensäuli.

Mein Mann und ich haben überhaupt nicht geschlafen. Wir haben am Bodensee unter einem Kirschbaum geparkt, der überbevölkert mit Vögeln war. In den Sommerferien mit Halt an verschiedenen Seen in Norditalien und der Westschweiz hat dann aber alles geklappt und es war ein wunderbares Familienerlebnis.

Alle Personen mit «Delete-Knopf»

Ich würde mir wünschen, ich könnte einen «Delete-Knopf» für Vorurteile installieren. Oft würde es gut tun, man könnte Personen und Umständen ohne jegliche Vorbehalte begegnen. Jede Person inklusive mir sollte so einen «DeleteKnopf» haben. Zaubern wäre auch cool. Mein Sohn kann Zaubertricks. Die führt er auch gern vor, er ist schon ein kleines Rampensäuli. Privat plane ich nicht gerne. Beruflich ist mir das aber wichtig. So planen wir fürs 2018 neu den Aufbau einer Jobbörse für Jugendliche und einen Mittagsort für Oberstufenschüler, kein Mittagstisch, nur ein Treffpunkt zum gemeinsamen Lunchen und Austauschen. Nach dem idealen Ort dafür sind wir noch auf der Suche. Die Jugendlichen wünschen sich wieder deutlicher ein zweites Zuhause, deshalb bauen wir auch unseren Jugendloungebetrieb im frjz zusätzlich aus. Was mich besonders freut, ist, dass vermehrt Mädchen den Weg zu uns finden. Mein Team macht da einen grossartigen Job.

Doch auch noch heute ist das Rauschverhalten der Jugendlichen ein Dauerthema.

Breakdance-Moves zu riskant

2018 freue ich mich auf die BreakdanceVorstellung meines Sohnes. Da ich das Tanzen selber liebe und auch verschiedene Tanzstile beherrsche, finde ich das natürlich toll. Beim Breakdance habe  ich allerdings nur ein paar «Grundmoves» riskiert, ein «Headspin» ist mir zu akrobatisch. Die Hip-Hop-Musik zum Breakdance gefällt mir zwar, aber lieber höre ich argentinischen Tango. Darian findet Musik mit coolen Beats super, die richtig grooved – z.B. Micheal Jackson oder Toto. Da ist wohl sein Vater mitverantwortlich, der mit ihm viel Musik macht. Darian spielt Schlagzeug und schickt meinen Mann manchmal ans Keyboard oder an die elektrische Gitarre. Mir bleibt dann die Rolle des Publikums.

Rausch wird heute nicht mehr zelebriert

Aus meiner Sicht ist das Konsumverhalten von Jugendlichen heute moderater als noch vor zehn Jahren. Damals haben sich Gruppen gebildet, die den Konsum und die «Scheibe», den Rausch, regelrecht zelebriert haben. Allgemein nehme ich die Jugendlichen heute uniformer wahr. Was früher die Szene der Skater oder Hip-Hopper waren, ist jetzt in eine Szene zusammengeflossen. Doch auch noch heute ist das Rauschverhalten der Jugendlichen ein Dauerthema. Bei Einzelnen ist es nötig, genauer hinzuschauen, ob sich der Konsum auf Schule, Lehre und das Sozialverhalten negativ auswirkt. Mit ihnen dann das Gespräch zu suchen, ist uns absolut wichtig. Voraussetzung dafür ist, dass wir über die Beziehung bereits Vertrauen aufgebaut haben. 

Die heutige Jugend

Wie ist die heutige Jugend? Das werde ich selbst von Jugendlichen gefragt. Same, same – but different! Es ist für jede und jeden eine kurze, intensive Entwicklungsphase, in der viel passieren muss. Die Bedürfnisse von Jugendlichen bleiben jedoch grösstenteils gleich. Sie wünschen sich eine Perspektive, dazu zu gehören, dass sie ernst genommen werden und in der Gesellschaft eine Chance bekommen. Sie sind Teil und Abbild der Gesellschaft, auch in dem was sie beschäftigt. Sie leben ja nicht abgekapselt in einer Blase. Mich selber haben als Jugendliche dieselben Fragen beschäftigt: Wünsche an die Zukunft, die Ablösung, Herzschmerz und Party. Ich glaube nicht, dass solche Themen verschwinden, nur die Rahmenbedingungen ändern sich. Geraucht habe ich früher viel, das Kiffen habe ich nie vertragen. Letztes Jahr hatte ich mein 10-jähriges-rauchfrei-Jubiläum. Darauf bin ich sehr stolz.
 

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