«Weiss Schneider-Ammann überhaupt, dass er Bundesrat ist?»
«Radio-Energy-SRF-One-O-Five-Verkehrsmeldungen», beginnt der Komiker Michael Elsener sein Samstagabend-Programm im Forchner Loorensaal. Kim Kardashian wird irrtümlicherweise für Tod erklärt, weil sie seit über zwei Stunden nicht mehr auf Twitter war. Dann verlässt Elsener seine Radiokulisse, die nur aus einem grossen Buchstaben «E» besteht, und wendet sich dem Publikum zu. Der Abend wird zeigen: Die Interaktion mit einzelnen Zuschauern erntet die grössten Lacher – ausgenommen bei denen, die hinhalten müssen.
Elsener spricht die Rettung der Ebmatinger Post an (wir berichteten). Er erklärt einem 13-Jährigen Jungen aus dem Publikum, wie «so eine Post» mit Briefverkehr denn eigentlich funktioniert. Der Komiker befragt die ersten Sitzreihen scheinbar harmlos zu deren Herkunft, hört ganz genau hin und setzt daraus gekonnt Pointen. Besonders hart ins Verhör kommt ein 80-jähriger Herr, der sich später bei Elsener als Karsten vorstellt. Karsten wird durch seine kurzen, nichtssagenden Antworten unfreiwillig zum Sidekick des Abends.
Medienausblick ins Jahr 2018
Dann gönnt Elsener den bangenden vorderen Reihen ein wenig Ruhe und beweist sich als Orakel der Medienberichterstattung des nächsten Jahres. Für jeden Monat kennt er die Thematik und das Medienhaus, das sich damit beschäftigen wird. Ein Auszug: Im Januar serviert die NZZ den gleichen Artikel über das WEF, den sie schon im Vorjahr gebracht hat. Der Blick findet eine Frau, die ihrem Ehemann zum Valentinstag eine Vase über die Rübe haut. Die Berner Zeitung titelt zum Sommer: «So warm wird der Sommer», währenddessen die Fachzeitschrift Der Schweizer Bauer fragt: «Wann kommt endlich der Regen»?
Die Interaktion mit dem Publikum, Sketche und Parodien von Personen wie Bundesrat Schneider-Ammann, Sven Epiney oder Roger Köppel kommen gut an. Musikalische Einlagen und Figuren wie Bastian Girod oder Christa Rigozzi ernten weniger Lacher. Das ist wohl auch der Konkurrenz von Fabian Unteregger verschuldet, der diese Figuren im Radio SRF 3 zum Besten gibt. So sagt eine Zuhörerin in der Pause zu ihren Bekannten: «Girod gefällt mir von Unteregger gespielt besser.»
Wie alt isch dis iPhone?
Michael Elsener alias Bostic Besic
Typisch Balkan vs. Bünzli- Schweizer
Doch seine Rolle als Balkan-Prolet «Bostic Besic» erfreut an diesem Abend die Zuschauer. Elsener bewegt sich mit seiner Verkörperung von Bostic am Rande der Diskriminierung, hält aber dem Schweizer Publikum immer wieder den Spiegel vor und zeigt eigenes stereotypisches Verhalten der helvetischen Herkunft. Bostic ist wohl auch wegen dem locker-gleichgültigen Auftreten von Elsener in dieser Rolle beim Publikum in Forch so beliebt.Und gerade weil er auf einfacher Ebene mit den zur Interaktion «verdammten» ersten Sitzreihe spricht, weil er dabei nie aus der Rolle fällt, weil er stereotypisches Verhalten des Balkan-Bewohners nicht in ein Übergewicht bringt und damit die Schweizer Eigenheiten hervorhebt, funktioniert dieser Tanz.
Was Bostic drauf hat, bekommt auch die ZO-Fotografin, die ihn während seines Auftrittes mit ihrem schweren Apparat ablichtet, zu spüren: «Was isch mit dir los? Wie alt isch dis iPhone oder isch das ä Commodore 64?» Und als die Fotografin sich setzt: «Chasch scho wiiter mache, ich bliibe da.»
«Umewarte» im Schweizer Militär
Bostic erzählt noch was die Schweizer im Militär lernen: «Umewarte». Denn der Schweizer könne nicht warten. Er müsse dies erst lernen, oder wie es Bostic sagt: «18 Woche professionell umewarte. Vor türkische Botschaft umewarte. Dänn Murmeli mit Panzer verschreckä.»
Elsener spielt auch Schneider-Ammann, seine Lieblingsfigur, wie er sagt. Er sei sich sicher, dass Ammanns Redenschreiber seine Show besuchen, so lustig, wie der jeweils in der Tagesschau auftritt. Ob Schneider-Ammann überhaupt wisse, dass er Bundesrat ist?
Damit auch nach der Pause niemandem langweilig wird, befragt Elsener in seiner Rolle als Michael Elsener eine Dame:
Elsener: «Welchen Medien vertrauen Sie?»
«Kann ich nicht sagen.»
Pause
«Wollen Sie sonst was sagen?»
«-»
«Was haben Sie in der Pause gemacht?»
«Mich gelangweilt.»
«Was haben Sie denn getan?»
«Geredet.»
«Mit wem?»
«Geht dich nichts an.»
«Geht mich nichts an? – Es ist nur so: Sie haben gesagt, sie hätten sich gelangweilt.»
«-»
«Haben Sie mit Ihrem Mann gesprochen?»
«-»
Zum Schluss überreicht Elsener dem 80-jährigen Karsten, den mittlerweile jeder im Saal kennt, seine Tour-DVD und bedankt sich bei ihm für dessen Leidensgabe, bevor er mit einer Zugabe, wie ein Gespräch eines Blick-Journalisten mit einem Kollegen von 20 Minuten ablaufen würde, die Veranstaltung beendet.
