«Endlich mal eine Tempo-30-Zone, die Sinn macht.»
Lange galt sie als «Raserring». Die Bahnhofstrasse in Rüti. Auf ihr drehten junge Autolenker mit PS-starken Boliden immer wieder ihre Runden, liessen Motoren aufheulen und fuhren mit teilweise massiv übersetzter Geschwindigkeit.
Die Gemeinde reagierte mit der Einrichtung einer Tempo-30-Zone. Seit den ersten Beratungen über die geplante Massnahme im April 2015 wurden Geschwindigkeiten gemessen, Gutachten erstellt und verschiedene Parteien wie die Kantonspolizei und die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland in den Prozess miteinbezogen. Seit September gilt nun auf der ganzen Bahnhofstrasse in Rüti Tempo 30. Autofahrer werden mit einem Schild und einem gross aufgemalten «Zone 30»-Hinweis auf der Strasse daran erinnert.
Gewerbe erfreut
Das anliegende Gewerbe zeigt sich erfreut. Im Vergleich zu vorher sei der Unterschied markant, sagt beispielsweise Ömer Akköprü, Inhaber des Big Daddy-Imbiss, der direkt an der Bahnhofstrasse liegt. «Die Situation hat sich sehr verbessert. Man hätte schon viel früher so eine Tempo-Reduktion einführen sollen», sagt er. Einer seiner Kunden bestätigt dies: «Endlich mal eine Tempo-30-Zone, die Sinn macht.» Der Ruf als Raserstrecke sei absolut berechtigt gewesen.
«Die Situation hat sich sehr verbessert. Man hätte schon viel früher eine Tempo-Reduktion einführen sollen»
Ömer Akköprü, Inhaber des Big Daddy-Imbiss
Ähnlich sieht dies auch Thomas Blöchlinger, Geschäftsführer der SBB Rüti. Er sieht die Vorteile von Tempo 30, verweist aber darauf, dass er nur während der Öffnungszeiten anwesend sei. «Ich habe das Gefühl, dass es sich beruhigt hat. Klar, es gibt noch vereinzelte Ausnahmen. Aber für unsere Gemeinde ist die Tempo-30-Zone schön.»
«Am Wochenende wird immer noch gerast.»
Mitarbeiterin des Imbiss «Bistro Grill Bar»
Eine Mitarbeiterin des Imbiss «Bistro Grill Bar» ist nicht ganz so euphorisch. «Während der Woche ist es spürbar besser geworden», sagt sie. Fügt allerdings auch an: «Am Wochenende wird immer noch gerast.»
Gemeinde ist noch zurückhaltend
Bei der Gemeinde selbst, ist man mit klaren Aussagen bezüglich des Erfolgs der Zone 30 noch zurückhaltend. Beat Laib, stellvertretender Chef der Polizei Rüti , sagt: «Der Zeitraum ist für eine abschliessende Antwort zu kurz.»
Ob sich das Raserproblem entschärft habe, will Laib nicht bestätigen und verweist darauf, dass die Jahreszeit eine grosse Rolle spiele. Bisher habe man seit der Einführung eine Radarkontrolle durchgeführt. «Es gab vier bis fünf Übertretungen. Alles im Rahmen.» Mit weiteren Kontrollen müsse aber gerechnet werden.
«Der Zeitraum ist für eine abschliessende Antwort zu kurz.»
Beat Laib, stellvertretender Chef der Polizei Rüti
Wie gross die Wirkung der Tempo-30-Zone wirklich ist, wird sich wohl erst nächsten Sommer zeigen. Doch jetzt schon lässt sich sagen: Bei Passanten und Gewerbe an der Bahnhofstrasse stösst man bei Nachfrage auf grosse Zustimmung, dass sie überhaupt eingerichtet wurde.