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Blitzschneller Skifahrer, geistreicher Autor

Am Mittwochabend las der Satiriker Gion Mathias Cavelty aus seinem neuen Roman «Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete». In der Villa Grunholzer in Uster zeigte der Bündner, wieso sein Buch nicht nur für Goldschürfer interessant ist und wieso man früher lange Warteschlangen vor seinen Auftritten in Kauf nahm.

Autor Gion Mathias Cavelty (links) und Moderator Christoph Meister führen durch den Abend. Eine Nebenrolle kommt dem Harfe spielenden Bär zu. (Bild: Mirjam Müller) , Aus dem Publikum werden Fragen gestellt. (Bild: Mirjam Müller) , Beim anschliessenden Apéro können die Besucher den Autor besser kennen lernen. (Bild: Mirjam Müller) , Sein neuestes Werk mit «Gold» überzogen.(Bild: Mirjam Müller)

Blitzschneller Skifahrer, geistreicher Autor

Vor ein paar Jahren rammte Piero Esteriore mit seinem schwarzen Mercedes das Eingangsportal des Ringier-Pressehauses. Er tat dies absichtlich, erzürnt über einen Artikel eines Blick-Journalisten. Dieser Journalist heisst Gion Mathias Cavelty, Satiriker und Journalist, der am Mittwoch in der Villa Grunholzer in Uster eine Lesung hatte. Cavelty übte sich damals nicht in Zurückhaltung und tut dies auch heutzutage nicht. Sein Weg ist weder als Journalist noch als Autor ein konventioneller. Beispiel gefällig: «Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete», so der Titel seines neuen Buches. 

Grotesk, absurd und philosophisch

Ein Literaturabend der Villa Grunholzer, ist ein Abend mit Moderation von Christoph Meister vom Förderverein der Villa Grunholzer. Er tut dies mit zurückhaltender Art, Hinweisen und treffenden Fragen. Heute gelingt ihm diese Zurückhaltung nicht. Verantwortlich dafür ist Autor Cavelty, der seinen Freund immer wieder ins Spiel bringt. Meister führt den Abend mit dem Hinweis ein, dass Groteskes und Absurdes erwartet werden müsse. Dennoch sei das Buch auf den Spuren von zutiefst philosophischen Grundsätzen des Denkens, wie: «Was sind wir, was sollen wir tun oder was ist die Zeit?»

Daraufhin sagt Cavelty: «Das hättest du jetzt nicht sagen sollen, das bringt mich jetzt in eine unangenehme Lage, weil die Leute jetzt etwas erwarten.»
Meister: «Wir haben ja Zeit.»

Cavelty: «Das weiss man ja nicht, vielleicht müssen die Leute irgendwo hin.» 

>> Sieben Fragen an den Büdner Autor Gion Mathias Cavelty.

Ab auf die Piste

Dabei schaut er herausfordernd in die Runde und schlägt sein neuestes Werk auf. Er, der mit seiner Literaturshow im Zürcher Schiffbau bis vor zehn Jahren stets für ausverkauftes Haus sorgte, liest heute in der Villa Grunholzer vor zahlenmässig kleinem Publikum – Wohnzimmeratmosphäre. Die Stubentür wird vehement aufgerissen als Cavelty mit der Lesung beginnt und den Zuhörer auf eine mörderisch steile und pickelharte Abfahrtspiste schickt. In den Skisschuhen des österreichischen Abfahrtsspezialisten Franz Klammer, tief in der Hocke den Hang hinunterbrettern. Wir befinden uns im Jahr 1974. Es ist wichtig, den Gewaltssprung nicht zu verpassen, denn Klammer springt weit und zurück in der Zeit. Bis nach Jerusalem und ins Jahr 33. Dort landen Klammer und diejenigen Zuhörer, deren Fantasie den Sprung mitmacht, auf Jesus Christus, der beim Aufprall zerplatzt wie ein Luftballon.

Russi zieht immer eine saure Schnute und was hat der schon zu sagen?
Gion Mathias Cavelty

Klammer statt Russi

Nach 17 kurzen Kapiteln unterbricht in Meister, um dem Publikum die Möglichkeit für Fragen zu geben. Die Zuhörer erhalten Einblicke in Caveltys Welt. Den Käseskianzug des Schweizer Skirennteam bezeichnet er als «ikonographischen Horror». Zum Schweizer Skifahrer Bernhard Russi als möglichen Protagonisten des Buches sagt er: «Russi zieht immer eine saure Schnute und was hat der schon zu sagen? 64 Prozent auf die Brille? Klammer hat was zu sagen, nämlich das, was er schon seit Kindstagen sagt: I will schifoan.» Ja, er habe den absoluten Helden wollen – und in Franz Klammer gefunden.

Klammers Anwälte

Hat er sich mit Franz Klammer über sein Buch abgesprochen? Cavelty sagt: «Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Das Buch habe ich  ihm nicht geschickt, der Mann hat Anwälte.» Natürlich hat die österreichische Presse schon über das Buch berichtet und Klammer dürfte längst von seinem Status als Hauptakteur in Caveltys Buch erfahren haben, so meint Cavelty: «Klammer kann lesen und schreiben. Ich weiss das. Als kleiner Junge habe ich eine Autogrammkarte von ihm bekommen.»

Nicht jugendfrei

Bevor Cavelty weiter liest, weist er seine Frau und Kinder im Publikum an, den Saal zu verlassen, weil jetzt nicht jugendfreie Abschnitte aus dem Buch folgen würden. Kristallene Vaginen fliegen herum. Cavelty wendet sich an Meister: «Sagt man eigentlich Vaginen?» Dieser antwortet: «Ja, Mehrzahl von Vagina – Vaginen.»

Nachdem Klammer mit seinen Skischuhen tausende kristallene Mikrovaginen zertrampelt hat, neigt sich die Lesung dem Ende zu, nicht ohne, wie von Meister angekündigt, philosophische Grundgedanken aufzugreifen. «Das Leben, was ist das und was ist das für ein Leben, wo ein Bär Harfe spielt?», fragt Cavelty und dreht den Harfe spielenden Bären auf seinem Tischchen, betrachtet ihn eingehend, schaut zu Meister: «Nein, jetzt im Ernst, wieso spielt dieser Bär Harfe?» Die Figur wird zum bestehenden Inventar erklärt – und die Lesung für beendet. Fast. «Kauft mein Buch. Schaut, man kann den goldenen Belag abkratzen. Reines Gold im Wert von 80 Franken», so Cavelty. Meister bittet Cavelty noch um einen Auszug seines nächsten Buches « Innozenz». Cavelty mag nicht, Meister übernimmt: «Ein Phallus gleitet durch die Zeit, jeder Zeit könnte er …»  
 

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