Ein Leben zwischen Rampenlicht und Stromausfällen
Das Verzehrtheater Clowns & Kalorien gastiert momentan auf dem Zeughausareal in Winterthur. Noch bis am 4. Februar werden die Besucher auf eine Reise durch ein Wunderland mitgenommen.
Zwischen den Menüs eines Viergängers sorgen Clowns, Akrobaten und Zauberer für Staunen und Lacher beim Publikum. Einer von ihnen ist Luca Bretscher. Der 21-jährige Winterthurer ist seit fünf Jahren Artist bei Clowns & Kalorien und tourt Jahr für Jahr mit den Zirkuswägen durch die Schweiz.
Keine Lehrstelle, was tun?
Ein Leben auf Rädern, ständig unterwegs – ist das etwa ein Lebensstil, den sich der Winterthurer schon immer gewünscht hat? «Nein, überhaupt nicht. An diese Art von Arbeit habe ich nicht einmal im Traum gedacht», erzählt Luca Bretscher.
Direkt nach der Sekundarschule machte er ein Austauschjahr in den USA. Was nach diesem Jahr folgen sollte, sei ihm nie ganz klar gewesen. «Ich suchte von Amerika aus eine Lehrstelle, ohne zu wissen, in welcher Branche. Es war unmöglich, ein persönliches Vorstellungsgespräch zu führen. Also kam ich in die Schweiz zurück, ohne einen Zukunftsplan zu haben.»
Clowns & Kalorien half aus der Patsche
Merlin Gasser, der jüngste Sohn der Clowns & Kalorien-Initiantin Marion Gasser, war dann seine Rettung in Not. «Wir kannten uns durch die Schule in Winterthur. Durch ihn bekam ich einen Aushilfsjob im Service bei Clowns & Kalorien.»
Doch dabei blieb es nicht: Sechs Monate nachdem Luca Bretscher beim Verzehrtheater begonnen hatte stand er bereits das erste Mal auf der Bühne.
Heute ist er nach wie vor im Service tätig, bringt während den Auftritten die Menüs und hält gleichzeitig die Besucher bei Laune. «Das ist die anspruchsvollste Aufgabe von allen», merkt der Winterthurer an. Schliesslich sollen sich die Gäste keinen Augenblick langweilen.
Stromausfälle und Diebstahl
Das Leben auf Rädern habe für Luca Bretscher Vor- und Nachteile. «Ich war schon immer ein Fan vom Reisen. Es gefällt mir, immer wieder an andere Orte zu kommen.» Ausserdem sei sein Wohnwagen wie ein kleines Reich, in das er sich zurückziehen könne.
«Es ist klar, dass man in einem Wohnwagen nicht so viel Luxus wie in einem Haus hat. Im Winter ist es manchmal kühl oder der Strom fällt aus. Ein dicker Pullover oder Kerzenlicht hat dann ausgeholfen», erzählt der 21-Jährige.
Auch mit Diebstählen hätten sie schon zu kämpfen gehabt. «Während der Vorstellung wurde schon einmal eingebrochen. Wir hatten aber Glück im Unglück, es wurde nichts gestohlen.» Das Leben im Wagen sei also nicht jedermanns Sache: «Man muss schon etwas zäher und kälteresistent sein.»
Eine zufriedenstellende Arbeit
Während Luca Bretscher regelmässig auf Bühnen in der ganzen Schweiz steht, machen andere in seinem Alter Party oder gehen auf Partys.
Trauert man diesem Leben nicht ein wenig nach? «Nein, überhaupt nicht. Ich bin lieber immer unterwegs, als fünf Tage die Woche früh am Morgen auf den Zug warten zu müssen. Die Menschen am Bahnhof machen oft einen unzufriedenen Eindruck. Das kann man von mir nicht behaupten.»
«Home sweet home»
Trotzdem sei es immer wieder schön, wenn sich die Clowns & Kalorien-Truppe auf den Weg nach Winterthur mache. «Die Tatsache, nach Hause zu kommen und die Familie öfter zu sehen, motiviert beim Auf- und Abbau in Chur extrem», sagt Luca Bretscher.
Zukunftspläne habe er noch keine geschmiedet. Klar ist aber, dass der 21-Jährige in der Unterhaltungsbranche tätig sein möchte. «Ich lebe in den Tag hinein, ohne allzu viel zu planen. Bisher hat das immer geklappt.»