Politik

So klingt die Liebe im Oberländerdüütsch

Zum fünften Mal finden in Wald am kommenden Wochenende die Kerzenlicht-Konzerte statt. Zu Musik von Brahms, Chopin und Schubert werden Liebesgedichte aus dem Zürcher Oberland vorgetragen.

Proben gemeinsam für einen Konzert- und Lesungsabend zum Thema Liebe: Ronny Spiegel, Fabinne Romer und Urs-Peter Zingg (v.links). (Bild: Mirja Keller), Die klassische Musik füge sich gut zu den Liebesgedichten, sind sich alle drei einig. (Bild: Mirja Keller)

So klingt die Liebe im Oberländerdüütsch

«Unsere Sprache ist nicht holprig, sie ist schön wie eine Blumenwiese», zitiert Urs-Peter Zingg einen Zürcher Oberländer Dichter. Der ehemalige Lehrer und Dorfchronist aus Wald hat sich in den letzten Tagen intensiv mit Mundartgedichten hiesiger Lyriker auseinandergesetzt.   Der Anlass: das Kerzenlicht-Konzert vom kommenden Wochenende im Gemeindezentrum Windegg in Wald. Zu Musikstücken von Brahms, Chopin und Schubert trägt der Walder zahlreiche Gedichte zum Thema Liebe vor.   Keine elitäre Musik   Die Organisatorin des Konzerts, Fabienne Romer, hat dafür bewusst klassische Musikstücke ausgesucht: «Die Kompositionen lassen einen die Gedichte und das Gehörte verinnerlichen, weil sie einem helfen, sich zu sammeln.» Urs-Peter Zingg ergänzt: «Es geht nicht nur um den Inhalt der Texte, der Klang der Mundart ist ebenso Teil des Vortrags. Die Musik hebt dies zusätzlich hervor.»   Für den Solisten Ronny Spiegel, der den Konzertabend mit seiner Violine begleiten wird, ist die Liebe in der klassischen Musik allgegenwärtig. «So ziemlich jeder Komponist hat sich damit befasst.» Der häufige Vorwurf, die klassische Musik sei elitär, könne er aus diesem Grund nicht nachvollziehen. «Diese Musik behandelt Fragen, die uns alle gleich beschäftigen.»   Anonym überlieferte Gedichte   An der Lesung werden unter anderem Texte von den Oberländer Dichtern Barbara Egli und Peter Wettstein rezitiert. Viele weitere Gedichte, die Zingg ausgewählt hat, sind jedoch anonym überliefert. Es handelt sich um alte Mundartgedichte, die der Walder zu seiner Zeit als Dorfchronist zusammengetragen hatte.   Zingg gefällt besonders die Direktheit der Dialektgedichte: «Die sind zum Teil fadengrad in der Aussage.» So wird in einem Gedicht der Streit zwischen einem Liebespaar mit dem Schlagabtausch beim Ping-Pong verglichen. Zum Schluss heisst es: «Und mir händ öis nüüt me z säge, nüd emool öpis wüeschts.»   Die Liebe zur Heimat   Fabienne Romer und Urs-Peter Zingg haben bei der Auswahl der Liebesgedichte auf eine breite Palette geachtet: Nicht nur die sehnsuchtsvolle, unerfüllte oder die problematische Liebe, auch die Liebe zur Heimat wird dabei zum Thema gemacht.  

«Gedichte sind eine Form, unsere Mundart zu bewahren.»
Urs-Peter Zingg, pensionierter Lehrer 

  Im Gedicht «Der Flarzbub» wird letztere besonders deutlich. Ein Bauernjunge in einem «Flarz», einem alten Oberländer Bauernhaus daheim, schwelgt in den Erinnerungen und dem Glück, das er in der Heimat empfand.   Nicht selten kommen in den Gedichten altertümliche Mundartausdrücke vor – etwa das Wort «Glanggere», das Ohrenschmuck bezeichnet. Dass die jüngeren Zuhörer diese Ausdrücke noch kennen, bezweifelt Zingg: «Deshalb ist es wichtig, dass diese Gedichte vorgetragen werden. Sie sind eine Form, unsere Mundart zu bewahren.»   

Die Kerzenlicht-Konzerte finden neu an zwei Daten statt: Am Freitag, 24. November um 20 Uhr sowie Sonntag, 26. November um 19 Uhr. Die Aufführungen werden im Gemeindezentrum Windegg in Wald durchgeführt. Es wird Lyrik aus dem Zürcher Oberland vorgetragen. Fabienne Romer (Klavier) und Ronny Spiegel (Violine) umrahmen die Lesung mit klassischen Stücken. Der Eintritt ist frei. Es wird eine Kollekte erhoben. 

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