Blumenwiese oder Kartoffelacker?
Ob Traditionelle Kreuzzäune aus Holz, Hofbrunnen aus Stein, Blumenwiesen-Streifen an Wegrändern oder Alleen – alle diese Kultivierungen sind nicht nur für Touristen ein Augenschmaus, sondern auch Zustupf für Schweizer Bauern. Die oben genannten Beispiele sind Massnahmen der sogenannten Landschaftsqualitätsbeiträge (siehe Box), von denen es im Kanton Zürich insgesamt 46 gibt.
Nachteil gegenüber ausländischer Konkurrenz
Für den Dürntner Landwirten Robert Hess sind die Beiträge «völliger Blödsinn», wie er selber sagt. «Geld verdient man mit Schaffen und nicht mit dem empfangen von Almosen.» Nach «all dem Quatsch» mit den vielen Auflagen für Tier- und Pflanzenschutz, seien die Landschaftsqualitätsbeiträge ein weiterer Nachteil der heimischen Landwirtschaft gegenüber der ausländischen Konkurrenz. «Diese Projekte halten uns Bauern von der Produktion ab. Wir werden immer mehr von Schreibtischtätern, wie unserem werten Herrn Agrarminister Schneider-Ammann, unterjocht.» Er selbst sei, auch wenn ihm Landschaftsqualitätsbeiträge zuständen, zu stolz um diese geltend zu machen. Beim Sohn und bei der Tochter sehe das allerdings anders aus, sagt Hess.
Fairer Preis statt Subventionen
Tochter Ramona Moser-Hess bezieht zwar Direktzahlungen für Landschaftsverschönerungen, ist aber auch nicht begeistert von der Agrarpolitik des Bundes: «Wieso zahlt man den Bauern nicht einfach einen fairen Preis für ihre Landwirtschaftsprodukte, statt immer neue Direktzahlungen für die Pflege der Landschaft zu erfinden?»
Sie beziehe in diesem Jahr Landschaftsqualitätsbeiträge in der Höhe von ungefähr 1200 Franken. Dieser Betrag bekomme sie unter anderem für die Massnahme «Holzzäune als traditionelle Weidebegrenzung» oder den «Hofbereich». Für die Holzzäune darf Moser nur naturbelassenes, unbehandeltes einheimisches Holz verwenden. Dieser Aufwand betreibe sie aber nicht weil sie die Direktzahlungen unbedingt wolle. «Für Arbeiten, die wir sowieso ausführen, melden wir auch Direktzahlungen an.»
Produktion vor Kosmetik
Bei den Beiträgen zu ökologischen Leistungen wirke es fast so: je weniger der Bauer mache, desto mehr Direktzahlungen bekomme er. «Dieser ökologische Wahnsinn muss aufhören. Die Betriebe müssen sich wieder auf die Produktion von landwirtschaftlichen Produkten konzentrieren», sagt Moser-Hess.
Damit ist Ramona Moser-Hess ganz auf der Linie des Zürcher Bauernverbands. Dieser spricht sich wie der Nationalrat gegen die Aufstockung der Landschaftsqualitätsbeiträge aus. Vorstandsmitglied Albert Hess schreibt, dass der Verband die Nahrungsmittelproduktion stärken wolle. Gegen Direktzahlungen, die für die Produktion nicht relevant seien, wehre sich der Verband.
Beiträge erleichtern die Pflege
Der Ustermer Biobauer Martin Pfister begrüsst die Landschaftsqualitätsbeiträge, weil sie ihn bei der Pflege seines Hofs unterstützen. In nächster Zeit müsse er beispielsweise eine neue Wasserleitung zum Hofbrunnen legen. Der Beitrag an den Unterhalt eines ansprechenden Hofbereichs erleichtere dieses Vorhaben. Damit Pfister den vollen Beitrag erhält, muss er drei Kriterien erfüllen: Er besitzt einen Bauerngarten, der mindestens 40 Quadratmeter gross ist. Darin hat er Gartenbeete mit Gemüse, Blumen oder Beeren. Die Beete dürfen zudem keine invasiven Neophyten enthalten. Das zweite Kriterium ist die vielfältige Tierhaltung mit mindestens drei verschiedenen Tierarten und mindestens zwei Tieren pro Art. Weil Pfister auf seinem Hof Ziegen, Kühe und Hühner hat, hält er diese Vorgabe auch ein. Mit seinem Hofbrunnen aus Stein erfüllt er das dritte Kriterium der Kategorie «Hofbereich» und erhält dafür jährlich 700 Franken.
Trotz Beiträgen Verständnis für Opposition
Zusammen mit der Massnahme «Strukturreiche Dauerweiden» und «Vielfältiger Futterbau» bekommt Pfister einen Landschaftsqualitätsbeitrag von insgesamt 2500 Franken pro Jahr.
Zwar kann Pfister die ablehnende Haltung der SVP und des Bauernverbands verstehen, die eher auf eine Stärkung der Nahrungsmittelproduktion abzielen. Er sagt aber auch: «Die Massnahmen zur Landschaftsqualitätsverbesserung bieten Raum für diverse Lebewesen, darunter zahlreiche Nützlinge. Zudem ergibt sich dadurch ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Das ist ein Gewinn für Passanten und Hofbesitzer.»
Der administrative Aufwand für die Landwirtschaftsqualitätsbeiträge sei für Pfister nicht schwierig umzusetzen. Die obligatorischen Infoveranstaltungen des Bundes fördern das Verständnis dieser Aufgabe.
Der Ustermer Bauer Reto Fry hat eine solche Veranstaltung besucht. Er sagt: «Der Aufwand mit den ganzen Vorschriften zu den Landwirtschaftsqualitätsbeiträgen war anscheinend für einige Landwirte zu hoch. Ich selber musste die Vorschriften für mehrere Tage studieren, um sie zu verstehen. »
Andere Subventions-Auflagen seien einfacher zu verstehen, zum Beispiel die der tierfreundlichen Produktion. «Ich konzentriere mich darauf.»
Zahlen und Fakten
Landschaftsqualitätsbeiträge sind Direktzahlungen oder Subventionen des Bundes und der Kantone an die Bauern. Sie sollen die Vielfalt der schweizerischen Landschaften erhalten und fördern sowie den ortstypischen Charakter einer Landschaft pflegen und weiterentwickeln. Seit der Agrarreform 2014 gibt es neben den Landschaftsqualitätsbeiträgen auch Biodiversitätsbeiträge, Kulturlandschaftsbeiträge, Versorgungssicherheitsbeiträge und Produktionssystembeiträge.
2016 profitierten im Zürcher Oberland (Egg ausgenommen) 561 Betriebe von Landwirtschaftsqualitätsbeiträgen, was 64 Prozent (Schweiz: 76 Prozent) aller Oberländer Bauernhöfe entspricht. Im Schnitt verdiente ein Betrieb 3326 Franken damit. Alle Höfe zusammengenommen bezog das Oberland Landwirtschaftsqualitätsbeiträge von rund 2 Millionen Franken. In der ganzen Schweiz wurden im letzten Jahr ca. 142 Millionen Franken Landwirtschaftsqualitätsbeiträge verteilt. Der weitaus grösste Bezüger dieser Direktzahlungen in der Schweiz ist der Kanton Bern mit 27‘699‘675 Franken.
