Politik

Circus Royal wegen Tiger-Nummer angezeigt

Bald gastiert der Circus Royal wieder in Winterthur. Diesmal unter anderem mit fünf bengalischen Königstigern. Die Nummer mit den Raubkatzen sorgt bei der Stiftung für das Tier im Recht jedoch für Kritik. Sie hat den Zirkus wegen Verletzung der Tierwürde angezeigt.

Der Circus Royalist steht wegen der Tiger-Nummer unter Beschuss. (Bild: zvg), Schon 2016 erstattete die Tierrechtsorganisation Anzeige gegen den Zirkus - damals wegen der Löwen-Nummer. (Bild: zvg)

Circus Royal wegen Tiger-Nummer angezeigt

Der Circus Royal gastiert während sechs Tagen vom 17. bis am 22. Oktober im Teuchelweiher in Winterthur – dieses Jahr ganz «im Zeichen des Tigers». Neben Jongleuren, Artisten und Clowns sind auch fünf bengalische Königstiger in der Manege zu sehen.

Circus-Direktor Oliver Skreinig beschreibt die Nummer als «informativ und lehrreich». Sie zeige «die intensive Beziehung zwischen dem Tierlehrer und seinen Tieren auf schönste Weise». Alles andere als schön findet die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) das Programm. Sie hat gegen den Circus Royal wegen der Tiger-Nummer Anzeige in Bern erstattet. 

Kritik von der Tierrechtsorganisation

Vanessa Gerritsen, stellvertretende Geschäftsleiterin der TIR-Stiftung, kritisiert: «Die Tiger werden im Circus Royal verniedlicht und vermenschlicht.» Sie sieht darin die Tierwürde verletzt. Die Nummer sei nicht artgerecht, der Umgang mit den Raubkatzen gar entwürdigend. «Wir verurteilen diese Machtdemonstration des Dompteurs über den Tiger.» Aus diesem Grund sei auch die Anzeige in Bern erfolgt.

«Wildtiere gehören nicht in die Manege.»
Vanessa Gerritsen, stv. Geschäftsleiterin TIR-Stiftung

Die Stiftung für das Tier im Recht ist überzeugt: «Wildtiere gehören nicht in die Manege.» In diversen Ländern – wie der Niederlande oder Grossbritannien – ist die Haltung solcher Tiere in Zirkussen bereits verboten. Geht es nach der Tierrechtsorganisation soll dieses Gesetz auch in der Schweiz erlassen werden.

Gemeinsam mit den Organisationen Vier Pfoten und Pro Tier hat die Stiftung Tier im Recht deshalb eine Petition gestartet. Über 60‘000 Unterschriften seien bisher zusammen gekommen. Nächsten Frühling sollen sie dem Parlament übergeben werden.

Circus Royal bezieht Stellung

Oliver Skreinig, Direktor beim Circus Royal, hat kein Verständnis für die Vorwürfe der Tierrechtsorganisation. «Ich bin enttäuscht über die vielen Unwahrheiten, die verbreitet werden.» Seit 21 Jahren sei er nun schon beim Circus Royal «und in all den Jahren wurde in der Schweiz nicht ein Zirkus wegen Missachtung des Tierschutzgesetztes oder Tierquälerei verurteilt.»

«Keine Tierhaltung ist so öffentlich wie jene im Zirkus.»
Oliver Skreinig, Direktor Circus Royal

Beim Circus Royal sei man sich der Verantwortung gegenüber den Tieren bewusst. «Keine andere Tierhaltung ist so öffentlich und streng kontrolliert wie jene im Zirkus. Besucher sehen bei uns vor und nach den Shows wo und wie die Tiere auf dem Gelände untergebracht sind», betont Oliver Skreinig.

Direktor Oliver Skreinig äusserte sich 2016 gegenüber Tele Top zum Thema Tierwürde. (Video: Tele Top)

Die Anschuldigungen, dass beim Circus Royal der Willen der Tiere gebrochen werde, weist Oliver Skreinig ebenfalls zurück. Die Tierwürde werde nicht verletzt. «Wir pflegen eine enge Beziehung zu unseren Tieren. Wir dressieren sie nicht, sondern beschäftigen sie.»

Letzte Anzeige abgewiesen

Nicht zum ersten Mal wird der Circus Royal mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Schon 2016 erstattete die Stiftung für das Tier im Recht Anzeige gegen den Circus. Damals protestierte die Stiftung gegen die Löwennummer und warf dem Circus Royal ebenfalls Tierquälerei sowie die Verletzung der Tierwürde vor. Die Klage wurde von der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen jedoch abgewiesen. Im vorliegenden Fall sei keine tatbestandsmässige Erniedrigung der Löwinnen vorgelegen, hiess es.

Vanessa Gerritsen rechnet auch dieses Jahr damit, dass die Anzeige abgewiesen werden könnte. «Uns ist es wichtig, bei den Behörden ein Zeichen zu setzen und sie auf das Thema zu sensibilisieren. Die Schweizer Behörden hinken dem geltenden Recht hinterher.» Ein Argument, dass den Zirkusdirektor Oliver Skreinig verärgert. «Ich bin überzeugt, in Wirklichkeit geht es ihnen gar nicht um die Tierwürde. Die Organisation will einfach Aufmerksamkeit für ihre Petition gewinnen.»

Noch läuft das Verfahren bezüglich der Anzeige. Laut Oliver Skreinig habe das Bundesamt in Bern aber bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, in welchem die Tierhaltung im Circus Royal überprüft wurde. Dieses sei sehr positiv ausgefallen.

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