Die Mitte will dem Stadtrat Beine machen
Wie sich der Verkehr der Stadt Uster entwickeln soll, wird aus dem Stadtentwicklungskonzept und dem darin enthaltenen Projekt «Stadtraum 2035» Uster aufgezeigt. Auch die Schritte für ein fussgängerfreundliches Zentrum der Stadt sind dort vermerkt. Der Stadtrat pocht erst auf die Verwirklichung der Parkplätze beim Kern Süd, dem Gerichtsplatz und dem Zeughausareal, was einigen Gemeinderäten zu lange dauert.
Deshalb hat die Fraktion der Gemeinderäte aus GLP, EVP, CVP und BDP eine Motion verfasst. Damit wollen sie erreichen, dass im Ustermer Zentrum während vier Wochenenden (eines pro Jahreszeit) auf unbestimmte Zeit nur Fussgänger und Velos zugelassen werden.
Unsere Fraktion ist frustriert, dass der Stadtrat ein solch behäbiges Tempo einschlägt…
Ivo Koller, Gemeinderat BDP
Vier Strassen betroffen
Dies betrifft die Post-, Gerichts-, Webern- und den östlichen Teil der Bankstrasse. Der Busverkehr wird wie bei anderen Anlässen über die Bahnhofsstrasse umgeleitet. Gemeinderat Ivo Koller (BDP) ist Hauptunterzeichner der Motion. Er erklärt: «Unsere Fraktion ist frustriert, dass der Stadtrat ein solch behäbiges Tempo einschlägt und erst die Tiefgaragen beim Gerichtsplatz und dem Zeughaus gebaut haben will, bevor er sich Gedanken zur Verkehrsentlastung im Zentrum macht.» Koller will diese Zeit nicht abwarten und den Stadtrat dazu zwingen, endlich in den «zweiten Gang» zu schalten, wie er sagt.
Grüne wollten radikalere Lösung
Stadtrat Thomas Kübler bestreitet den Vorwurf Kollers, ein behäbiges Tempo einzuschlagen: «Das Stadtentwicklungskonzept gibt Aufschluss über die Grundlagen eines fussgängerfreundlichen Zentrums. Das wird bereits in 2-3 Jahren der Fall sein.» Die oberirdischen Parkplätze müssten erst unter den Boden gelegt werden. Dazu seien zur Zeit Gestaltungspläne in Bearbeitung, die dieses Unterfangen erfüllen würden, erklärt Kübler.
Ich hätte mir das Zentrum in Uster 365 Tage im Jahr ohne Verkehr gewünscht.
Meret Schneider, Gemeinderätin Grüne
Auch die Grüne Gemeinderätin Meret Schneider bemängelt das Tempo des Stadtrates. Sie hätte die Motion von Ivo Koller mitunterzeichnet, wenn sie denn gefragt worden wäre, beteuert sie. Das dieser Vorstoss eigentlich ein klassisches «grünes Thema» gewesen wäre, bestreitet sie nicht, fügt aber hinzu, dass ein Vorstoss der grünen Partei deutlich weiter geführt hätte. Schneider sagt: «Ich hätte mir das Zentrum in Uster 365 Tage im Jahr ohne Verkehr gewünscht. Die verkehrsfreien Strecken hätten auch weitaus länger sein dürfen, beispielsweise auch mit einer gesperrten Zürichstrasse.»
Chancen für die Motion werden als gut eingestuft
Schneider sieht die Notwendigkeit der Motion gegeben. «Wenn der Hauptunterzeichner von der BDP stammt, muss die Idee des verkehrsfreien Zentrums in der Bevölkerung einen grossen Rückhalt haben», so Meret Schneider.
Auch Ivo Koller sieht gute Chancen für den Vorstoss seiner Fraktion, weil er mit nur vier Wochenenden und kurzen Strassenabschnitten bewusst kleine Schritte einschlage.
Erste Farbtupfer für ein verkehrsfreies Zentrum
Für SVP-Gemeinderat Markus Ehrensperger ist die Idee eines verkehrsbefreiten Zentrums, wie es das Stadtentwicklungskonzept vorsieht, ein grosser Schritt. «Das SVP-Fraktions-Präsidium steht aber Kollers Motion wohlwollend gegenüber. Für uns ist dieser Vorstoss eine Art Farbtupfer auf dem Weg zum verkehrsbefreiten Zentrum», sagt Gemeinderat Ehrensperger. Wichtig sei aber, dass wenn die ausgearbeitete Version des Stadtrates dem Gemeinderat vorliegt, alle Betroffenen mit einbezogen würden.
Verständnis für Stadtrat
FDP-Fraktionspräsident Richard Sägesser versteht die Gangart des Stadtrates: «Wie die Verkehrserschliessung gelöst werden kann, ist aber sorgfältig zu prüfen. Dass der Stadtrat da in der Vergangenheit nicht vorgeprescht ist, kann ich nachvollziehen.»
Somit wird sich im nächsten Frühjahr zeigen, ob der Weg für ein temporär verkehrsbefreites Zentrum frei ist. Die Stossrichtung des Stadtrates für eine fortwährende Lösung bleibt aber Teil des langfristigen Projekts «Stadtraum 2035.»
