Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Politik

Spottbillige Reinigungsfirma in Uster verärgert Konkurrenz

Ein neu gegründetes Unternehmen in Uster bietet Wohnungsreinigungen für 17 Franken die Stunde an. Ein Ustermer vermutet Ausbeutung von Mitarbeitenden, was die Chefin des Unternehmens erstaunt. Gewerkschaft und Reinigungsverband sind wegen einer anderen Problematik alarmiert.

Professionelle Raumpfleger kosten mehr als 17 Franken pro Stunde - so die Meinung unter Schweizer Reinigungsunternehmer. (Bild: Symbolbild/Keystone), Ein solcher Flyer war in vielen Ustermer Briefkästen zu finden. (Bild: zvg)

Spottbillige Reinigungsfirma in Uster verärgert Konkurrenz

«Nicht möglich, illegal.» Oder: «Rentiert nicht.» Das sind Aussagen von Reinigungsfirmen aus Uster auf das unschlagbare Angebot eines Konkurrenten. Dieses ebenfalls in Uster ansässige Unternehmen bietet eine regelmässige Wohnungsreinigung für 17 Franken pro Stunde an. Auch die potentielle Kundschaft ist erstaunt. Albert Rossbacher dachte sofort an Arbeiter-Ausbeutung, als er den Flyer des Putzinstituts in den Händen hielt. «Ein unglaublicher Missbrauch von Menschen in Not», schreibt er dem Anzeiger von Uster. Er könne sich nicht vorstellen, dass jemand zu solch tiefen Stundenlohn arbeiten wolle. Er selber habe früher bei sich Zuhause auch putzen lassen und dafür 32 Franken bezahlt.

Nur Chefin putzt  zum Dumpinglohn

Hinter dem Angebot steht ein seit eineinhalb Monaten bestehendes Familienunternehmen, deren Geschäftsgründerin selber putzen geht, und zwar für die besagten 17 Franken pro Stunde. Frau Schneider, die ihren Vornamen nicht nennen möchte, zeigt sich überrascht vom Verdacht der Ausbeuterei. Sie sei sehr erstaunt, dass solche Vorwürfe auftauchten. «Ich habe früher ein schweres Leben gehabt. 15 Jahre war ich alleinerziehende Mutter und hätte mir in dieser Zeit Hilfe beim Wohnungsputz gewünscht.»

«Die Reichen wittern dahinter wohl eine betrügerische Absicht.»
Schneider, Unternehmerin 

Sie möchte, dass jedermann sich Hilfe beim Putzen leisten könne, macht aber keinen Unterschied zwischen Menschen verschiedener Einkommensschichten. «Den Putzdienst für 17 Franken pro Stunde biete ich für Reich und Arm an.» Allerdings gelte das nur für die wöchentliche Wohnungsreinigung, andere Reinigungsdienste seien davon ausgeschlossen. Es seien aber mehrheitlich normal verdienende Kunden, die auf das Angebot zurückgreifen würden. «Die Reichen wittern dahinter wohl eine betrügerische Absicht.»

Konkurrenzkampf

Auf der einen Seite weiss Schneider, dass der Konkurrenzkampf in der Ustermer Reinigungsbranche gross ist und ein junges Unternehmen wie ihres, einen Anreiz für die Kundschaft bieten müsse. Auf der anderen Seite wolle sie aber auch niemandem etwas wegnehmen und spricht darum auch nicht von einem Lockangebot. Kleine Wohnungsreinigungen würden von den grösseren Reinigungsfirmen gar nicht angeboten, deshalb sei sie auch nicht deren Konkurrenz. Das Geld habe bei ihr keine Priorität, ihr sei das Vertrauensverhältnis zu den Kunden wichtig.

Schneider kommt ursprünglich aus einer anderen Branche. Erfahrungen in der Reinigung habe sie durch ihre vielen Wohnungswechsel und den Beruf gesammelt. Zudem sei ihr Sohn Raumpfleger und bringe sein Know-how in die Firma ein. Der Sohn, ihr Lebenspartner, eine Kollegin und sie selbst bilden das Putzteam, welches bei Bedarf noch von ihrem zweiten Sohn unterstützt wird. Wobei nur sie selbst für den Stundenansatz von 17 Franken arbeiten gehe.

«Weder professionell noch seriös»
Karin Funk, Allpura-Sprecherin

 

Für Karin Funk von Allpura, dem Verband Schweizer Reinigungsunternehmen, sind Firmen, die Wohnungsreinigungen zu solchen Stundenansätzen anbieten weder professionell noch seriös. Solche Angebote trügen zu einem Image der Gebäudereinigungsbranche bei, dass für deren Professionalität längst nicht mehr stimme. «Wir sind doch keine Lümpli-Putzkübeli-Branche, sondern Gebäudedienstleister.» Funk sagt zwar, dass im Fall von Frau Schneider kein Verstoss gegen den im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ausgehandelten Mindestlohn bestehe. Denn der Mindestlohn gilt nur für Mitarbeitende, nicht für die Unternehmerin selbst. Doch professionelle und seriöse Unternehmer würden, je nach Ausbildungsstand der Mitarbeitenden und der beanspruchten Reinigung, Stundenansätze ab 37 Franken verlangen. Hinzu kämen Pauschalen bis 15 Prozent für Material, Maschinen und Transport.

Unia sorgt sich um das Preisgefüge der Branche

Auch für Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich-Schaffhausen, Lorenz Keller, sind Tiefstpreisangebote wie die von Schneider ein Problem, welches das Preisgefüge der Reinigungsbranche durcheinander bringe. Bei solchen Fällen schaltet sowohl die Unia als auch Allpura die paritätische Kommission ein. Diese Vollzugsinstanz kontrolliert die Arbeitsbedingungen der GAV-unterstellten Firmen und beschliesst Sanktionen und Kostenfolgen bei Verstössen.

Frau Schneider möchte weiterhin für die 17 Franken pro Stunde Wohnungen putzen. Sie hofft dabei aber grosse Aufträge, die auch besser bezahlt werden müssen, zu bekommen.
Sie rechnet nicht mit einem grossen Ansturm an Kunden, die vom günstigen Reinigungsangebot profitieren wollen. Falls es doch so weit komme, müsse sie noch sehen, wohin sich das junge Unternehmen entwickeln soll. «Schön wäre es, wenn ich meinen Söhnen ein florierendes Geschäft vermachen könnte, aber das Unternehmen ist erstmal nur ein Versuch», sagt sie.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns